Schliemanns Ausgrabungsarbeit im 19. Jahrhundert

Heinrich Schliemann, ein aus ärmlichen Verhältnissen stammender Kaufmann aus Deutschland, wurde mit der Entdeckung Trojas einer der berühmtesten Archäologen der Welt. Obwohl Schliemann kein Historiker war, war es sein Lebenstraum, die Stadt Troja aus der Ilias Homers zu entdecken und auszugraben.

Es ist aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich, dass Heinrich Schliemann zu Beginn seiner Suche nach Troja selbst noch die allgemein gültige Theorie verfolgt hat, die überreste der Stadt seien auf Bali Dagi zu finden. Die Frage, wie er zu der Erkenntnis kam, die Stadt sei auf dem Hügel Hisarlik zu finden, führt zu Frank Calvert (1828-1907), einem ortsansässigen Briten mit archäologischen Interessen und Bemühungen und einer beachtlichen antiken Sammlung. Dieser war mit der Geologie der Gegend bestens vertraut und hatte bei Probeausgrabungen auf Bali Dagi im Jahr 1864 festgestellt, dass sich das alte Troja dort nicht befunden haben kann. Für weitere Ausgrabungen kaufte er den nordöstlichen Teil des Hügels Hisarlik, wo er teilweise den Athenatempel freilegte und eventuell sogar schon einen Teil der Stadtmauer von Troja VI. Bei seinen Ausgrabungen entdeckte Frank Calvert auch, dass der Hügel aus mehreren Schichten bestand. Das charakteristische Schlachtfeld vor Troja
  (Das charakteristische Schlachtfeld vor Troja)
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Seine weitere Ausgrabungen sollten vom Britischen Museum finanziert werden, jedoch wurde der Entschluss wieder fallengelassen. Dies ist der Hauptgrund, warum die Ehre der Trojanischen Ausgrabungen nicht ihm zuteil wurde. Bei aller ihm zuteilgewordenen Anerkennung Schliemanns wird Frank Calverts entscheidende Rolle heute jedoch meist noch vernachlässigt.

Der finanzstarke Heinrich Schliemann war in der Folge in der Lage, die Informationen aus Gesprächen mit Calvert zu nutzen und die Ausgrabung der Stadt selbst zu finanzieren und durchzuführen. Dies tat er mit mehreren Grabungen: 1871-1873, 1878-1879, 1882-1890. Seine gewonnen Erkenntnisse, unter anderem den bekannten „Schatz des Priamos“, veröffentlichte er dabei immer außergewöhnlich schnell. Schliemann vermutete die Stadt Troja damals auf dem Boden des Hügels, weshalb er tief in die Erde grub und dabei die obenliegenden Schichten des Hisarlik zerstörte. Von dieser Grabungsmethode ist heute noch der „Schliemann-Graben“ zu erkennen. Diesen Fehler erkannte er aber selbst sehr bald und ging danach systematischer vor.

Erst im Jahr 1890 erkannte Heinrich Schliemann, dass Troja II, wo er den „Schatz des Priamos“ ausgebraben hatte, nicht wie von ihm vermutet das prächtige homerische Troja sein kann, für welches aus heutiger Sicht nur TrojaVI (1000 Jahre stäter) in Frage kommt. Dies wurde mit Ausgrabungen 1893-1894 von Wilhelm Dörpfeld nachgewiesen, der ganz Troja VI freilegte und historisch einordnete. So wurde Schliemanns Zusammenhang des „Schatzes des Priamos“ mit dem homerischen Troja und der „Ilias“ schließlich schnell widerlegt.