Die Wette

 

Sunny:

Es war an einem herrlichen Frühlingsmorgen, als mein John und ich eine Autofahrt unternahmen. Ich freute mich schon auf unseren Waldspaziergang. Das machen wir nämlich jeden Sonntag. Ich legte meinen Kopf auf seinen Schoss und döste ein wenig vor mich hin, bis wir anhielten. Beim Aussteigen realisierte ich, dass wir gar nicht im Wald, sondern an einem mir unbekannten Ort neben vielen anderen Autos angehalten hatten. John stieg aus und zog mich mit einem unangenehmen Ruck weg. Seltsam! Gewöhnlich war er doch sanft mit mir. Nun gut, so lief ich halt schön neben ihm her. Wir kamen zu einer grossen Wiese, auf der kreisförmige Zonen abgegrenzt waren. Ich sah viele andere Hunde, aber als ich einen von ihnen begrüssen wollte, ruckte John wieder an der Leine. Was war nur los mit ihm? Ein <Fuss> hätte doch auch gereicht! John führte mich etwas abseits und begann mit mir zu arbeiten. Da ich die Wörter längst alle wirklich gut kannte, war es leicht, alle genau zu befolgen. Zum Glück entspannte sich John nun wieder. Wir setzten uns hin und auch ich fühlte mich wieder besser. Vielleicht hatte ihn irgend eine schlechte Nachricht geplagt.

Kurze Zeit später gingen wir in einen der Ringe und er arbeitete nochmals mit mir. Da er offensichtlich immer noch schlechter Laune war, gab ich mir ganz besonders Mühe. Er sollte sich nicht noch mehr aufregen müssen. Während dem langen <Sitz>, den ich sehr gut kann, wechselte er erstaunlich bald auf <Platz>. Noch während ich mich hinlegte, hörte ich ihn etwas schreien, und dann riss er mich gleich vom Boden hoch und zog mich aus dem Ring. Ich hatte ihn noch nie so schimpfen gehört, und legte mich auch sogleich auf den Rücken. Das schien ihn aber noch zorniger zu machen. Um ihn zu beruhigen, blieb ich ganz ruhig liegen. Er sagte was von dummer Hund, obwohl ich doch alles ganz richtig gemacht hatte. Er muss wohl einen wirklich schlechten Tag gehabt haben.

John:

Ich fuhr im Auto mit meiner Hündin Sunny. Sie ist eine Australian Sheperd, eine braune Merle. Sie ist sehr gescheit. Ich hatte sie schon recht gut trainiert. Sie befolgte fast immer meine Kommandos. Ich war sehr stolz auf sie. Doch an jenem Tag war ich im Zwiespalt. Wir waren auf dem Weg zu ihrer ersten Prüfung. Ob sie es wohl schaffen würde? Das schlimmste war die Wette. Ich hatte gewettet, sie würde die Prüfung auf Anhieb bestehen. Ob sie es wirklich schaffen konnte? Auf dem Prüfungsgelände trainierten wir ein wenig. Sie arbeitete grossartig. Ich entspannte mich. Als wir dann aber in den Ring mussten, wurde ich wieder nervös. Alle ging gut, bis wir zum langen <Sitz> kamen. Sie sass perfekt. Aber dann geschah es. Es war so: Im Ring nebenan befahl ein Meister seinem Hund <Platz>. Sunny hörte den Befehl und legte sich hin. Ich wusste, dass sie versagt hatte, und nahm sie aus dem Ring. Ich schrie sie auch an, so sehr, wie ich es noch nie getan hatte. Die arme Sunny legte sich auf den Rücken, was mich aber nur noch wütender machte.

Als ich wieder einen klaren Kopf hatte und das ganze noch einmal überdachte, war mir klar, wie ungerecht ich sie behandelt hatte. Sie hatte nicht erkannt, dass nicht ich es war, der <Platz> gesagt hatte. Zum Glück ist sie ein so lieber und nachsichtiger Hund. Und es ist mir ja auch viel mehr wert, dass sie glücklich ist, als eine Wette um 50Fr. gewonnen zu haben.