Ein erwartungsvoller Blick


oder:


Zwei unvergessliche Szenen

 

Mein Hund spielte mit einem Dobermann. Seltsamerweise war aber weit und breit kein Mensch in Sicht. Gina und ich wollten gerade aufbrechen, als ich jemand rufen hörte. Ich mag mich nicht mehr erinnern, was er rief, doch war es offensichtlich der Meister des Hundes. Dann entdeckte ich den Besitzer der Stimme. Es war ein Mann, der über die Wiese auf seinen Hund zuradelte. Der Dobermann hatte seinen Meister auch entdeckt, und schaute ihm aufmerksam zu.

Als der Herr den Hund fast erreicht hatte, hopste der letztere freudig davon, was von des Meisters Seite viel Protest hervor rief. Der Hund lief etwa dreissig Meter und wandte sich dann seinem Meister zu, der ihm immer noch rufend nachradelte. Ganz erwartungsvoll schaute er zu, um rechtzeitig wieder davon zu laufen, bevor sein Herr ihn erreicht hatte.

Nachdem sich dieses Spiel ein paar mal wiederholt hatte, verlor ich die beiden aus den Augen. Ich ging weiter und war nicht schlecht erstaunt, als sich das Paar wieder zeigte, nachdem es offenbar eine grosse Runde hinter sich gebracht hatte. Der Hund war vielleicht etwas freudiger und erwartungsvoller, der Meister definitiv verärgerter.

 



Die folgende Szene war in ihrer Dramatik so perfekt, dass sie aus einem Film hätte sein können.

Die Sonne war am Untergehen. Eine Frau mit drei Kindern spazierte in Richtung Dorf. Der Kleinste, ein etwa dreijähriger Knabe, fuhr auf seinem Dreirad. Natürlich war der Bengel auf seinem Gefährte schneller als die Spazierenden. Dies beängstigte die Mutter, denn sie gingen direkt auf eine Strasse zu. Sie rief dem Jungen drohend zu, er solle anhalten. Das tat er schliesslich auch. Kaum war die Mutter nur noch etwa vier Meter entfernt, radelte er jedoch mit Höchstgeschwindigkeit weiter. Die Mutter schrie von neuem hinter ihm her, bis der Lausbub anhielt und zurückschaute. Näher als vier Meter liess er sie aber nicht an sich heran kommen. Als wäre diese Szene nicht schon so lächerlich genug, hallte jeder verzweifelte Schrei der Mutter von den nahegelegenen Häusern wider.