De imperio Cn. Pompei - Der Kriegsruhm des römischen Volkes steht auf dem Spiel

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Die Art des Krieges ist nämlich so beschaffen, dass sie euch in höchstem Maße erregen und entflammen muß ihn zu beenden; in diesem geht es um den Ruhm des römischen Volkes, welcher euch von euren Vorfahren, einerseits groß in allen Sachen, andererseits besonders groß in militärischen Sachen, überliefert wurde; es geht um das Wohl der Bundesgenossen und Freunde, für welches eure Vorfahren viele große und schwere Kriege geführt haben; es geht um die sichersten und größten Steuern des römischen Volkes, nach deren Verlust ihr sowohl den Schmuck des Friedens als auch die Unterstützung zum Krieg vermissen werdet; es geht um das Vermögen vieler Bürger, für das ihr sowohl ihrer selbst als auch des Staates wegen sorgen müßt.
[7] Und weil ihr immer mehr als andere Völker ruhmbegierig und begierig des Lobes wart, müßt ihr jenen Schandfleck beseitigen, den ihr im ersten mithridatischen Krieg erhalten habt ,der tief im Namen des römischen Volkes sitzt und allzu alt geworden ist, dass nämlich der, der an einem Tag in ganz Asien in so vielen Gemeinden durch eine Botschaft und ein Zeichen dafür sorgte, dass alle römischen Bürger getötet und hingemordet wurden, nicht nur keine seiner Untat angemessene Strafe erhielt, sondern seit jener Zeit schon 22 Jahre regiert und zwar so, dass er sich nicht in den Schlupfwinkeln des Pontus und Cappadociens versteckt, sondern aus seinem väterlichen Königreich herauskommen und sich in euren Steuergebieten, das heißt im Licht Asiens, aufhalten will.
[8] Bis jetzt nämlich kämpften unsere Feldherrn so mit jenem König, dass sie von diesem zwar die Zeichen des Sieges, nicht aber den Sieg zurückbrachten. Es triumphierte Lucius Sulla und es triumphierte Lucius Morena über Mithridates, zwei sehr tapfere Männer und herausragende Feldherren, aber sie triumphierten so, dass jener geschlagen und überwunden dennoch weiterregierte. Dennoch muß diesen Feldherren wahrhaft Lob zuteil werden für das, was sie getan haben, und es muß ihnen für das, was sie übrigließen, Nachsicht gewährt werden, da ja von diesem Krieg Sulla die Lage des Staates nach Italien zurückrief, Sulla seinerseits Morena. [9] Mithridates aber hat die ganze übrige Zeit nicht zum Vergessen des alten Krieges benutzt, sondern zur Vorbereitung eines neuen. Dieser schickte später, als er sehr große Flotten hatte bauen und ausrüsten lassen und riesige Heere auf gestellt hatte, die er aus allen möglichen Völkern herbeiholte, unter dem Vorwand die Bosphoraner, seine Nachbarn, anzugreifen, Boten und Briefe bis nach Spanien, zu den Führern, mit denen wir Krieg geführt hatten. Er tat dies in der Absicht, damit ihr dann um die Herrschaft kämpfen müßt durch die Belastung von zwei Seiten zersplittert, wenn an zwei sehr verschiedenen und extrem weit entfernten Orten auf einen Plan hin von zwei feindlichen Heeren zu Land und zu Wasser Krieg geführt wird.
[10] Aber dennoch wurde die Gefahr auf der einen Seite, ausgehend von Sertorianus und Spanien, die viel mehr äußere Festigkeit und innere Geschlossenheit hatte, durch den göttlichen Plan und die herausragende Tapferkeit des Gnaeus Pompeius niedergeschlagen. Auf der anderen Seite wurde die Sache von Lucius Lucullus, einem herausragendem Mann, so geführt, dass die großen und hochberühmten Anfänge seiner Taten nicht seinem Glück, sondern seiner Tugend zuzuschreiben sind. Dieses letzte aber, was sich neulich ereignet hat, darf man nicht seiner Schuld zuweisen, sondern dem Schicksal. Aber von Lucullus werde ich an einem anderen Ort sprechen, und ich werde so sprechen, ihr Quiriten, dass es nicht scheint, dass durch meine Rede diesem verdientes Lob entzogen, noch falsches zugefügt wird.
[11] Was die Würde und den Ruhm eures Reiches betrifft, weil ja das der Beginn meiner Rede war, seht, welche Stellung ihr glaubt annehmen zu müssen.
Unsere Vorfahren haben oft Kriege geführt, nur weil Kaufleute oder Reeder zu ungerecht behandelt wurden. Und wie müßt ihr, nachdem so viele tausend römische Bürger durch eine Botschaft und zu einer Zeit umgebracht wurden, Stellung beziehen ? Weil Legaten ein wenig zu hochmütig angesprochen wurden, wollten eure Väter Corinth, den Stolz ganz Griechenlands, zerstört haben. Werdet ihr es dulden, dass dieser König ungestraft bleibt, der einen konsularischen Legaten des römischen Volkes tötete, nachdem er ihn mit Fesseln und Schlägen und jeder Art von Folter gequält hat ? Jene haben es nicht geduldet, dass die Freiheit römischer Bürger vermindert wurde. Werdet ihr das Auslöschen von Leben vernachlässigen ? Jene haben es verfolgt, dass das Gesandtschaftsrecht nur durch Worte verletzt wurde. Werdet ihr es tolerieren, dass ein Legat durch jede Art von Folter getötet wurde?
[12] Seht zu, dass es euch nicht zur Schande wird, das was ihr erhalten habt nicht behaupten und erhalten zu können, wie es für jene sehr ehrenvoll war, euch den Ruhm des Reiches zu überliefern.

Genus est belli eius modi, quod maxime vestros animos excitare atque inflammare ad persequendi studium debeat: in quo agitur populi Romani gloria, quae vobis a maioribus cum magna in omnibus rebus tum summa in re militari tradita est; agitur salus sociorum atque amicorum, pro qua multa maiores vestri magna et gravia bella gesserunt; aguntur certissma populi Romani vectigalia et maxima, quibus amissis et pacis ornamenta et subsidia belli requiretis; aguntur bona multorum civium, quibus est a vobis et ipsorum et rei publicae causa consulendum.
[7] Et quoniam semper appetentes gloriae praeter ceteras gentis atque avidi laudis fuistis, delenda est vobis ill macula Mithridatico bello superiore concepta, quae penitus iam insedit ac nimis inveteravit in populi Romani nomine, -- quod is, qui uno die, tota in Asia, tot in civitatibus, uno nuntio atque una significatione civis Romanos necandos trucidandosque denotavit, non modo adhuc poenam nullam suo dignam scelere suscepit, sed ab illo tempore annum iam tertium et vicesimum regnat, et ita regnat, ut se non Ponti neque Cappadociae latebris occultare velit, sed emergere ex patrio regno atque in vestris vectigalibus, hoc est, in Asiae luce versari.
[8] Etenim adhuc ita nostri cum illo rege contenderunt imperatores, ut ab illo insignia victoriae, non victoriam reportarent. Triumphavit L. Sulla, triumphavit L. Murena de Mithridate, duo fortissimi viri et summi imperatores; sed ita triumpharunt, ut ille pulsus superatusque regnaret. Verum tamen illis imperatoribus laus est tribuenda quod egerunt, venia dandaquod reliquerunt, propterea quod ab eo bello Sullam in Italiam res publica, Murenam Sulla revocavit.
[9] Mithridates autem omne reliquum tempus non ad oblivionem veteris belli, sed ad comparationem novi contulit: qui [postea] cum maximas aedificasset ornassetque classis exercitusque permagnos quibuscumque ex gentibus potuisset comparasset, et se Bosporanis finitimis suis bellum inferre similaret, usque in Hispaniam legatos ac litteras misit ad eos duces quibuscum tum bellum gerebamus, ut, cum duobus in locis disiunctissimis maximeque diversis uno consilio a binis hostium copiis bellum terra marique gereretur, vos ancipiti contentione districti de imperio dimicaretis.
[10] Sed tamen alterius partis periculum, Sertorianae atque Hispaniensis, quae multo plus firmamenti ac roboris habebat, Cn. Pompei divino consilio ac singulari virtute depulsum est; in altera parte ita res a L. Lucullo summo viro est administrata, ut initia illa rerum gestarum magna atque praeclara non felicitati eius, sed virtuti, haec autem extrema, quae nuper acciderunt, non culpae, sed fortunae tribuenda esse videantur. Sed de Lucullo dicam alio loco, et ita dicam, Quirites, ut neque vera laus ei detracta oratione mea neque falsa adficta esse videatur:
[11] de vestri imperi dignitate atque gloria -- quoniam is est exorsus orationis meae -- videte quem vobis animum suscipiendum putetis. Maiores nostri saepe mercatoribus aut naviculariis nostris iniuriosius tractatis bella gesserunt: vos, tot milibus civium Romanorum uno nuntio atque uno tempore necatis, quo tandem animo esse debetis? Legati quod erant appellati superbius, Corinthum patres vestri totius Graeciae lumen exstinctum esse voluerunt: vos eum regem inultum esse patiemini, qui legatum populi Romani consularem vinculis ac verberibus atque omni supplicio excruciatum necavit? Illi libertatem imminutam civium Romanorum non tulerunt: vos ereptam vitam neglegetis? ius legationis verbo violatum illi persecuti sunt: vos legatum omni supplicio interfectum relinquetis?
[12] Videte ne, ut illis pulcherrimum fuit tantam vobis imperi gloriam tradere, sic vobis turpissimum sit, id quod accepistis tueri et conservare non posse.

Begründung für das späte politische Auftreten Ciceros | Die politische Lage | Disposition der Rede

I Art des Krieges
Der Kriegsruhm steht auf dem Spiel | Die Bünder müssen geschützt werden | Die Steuereinkünfte sind gefährdet | Das Vermögen röm. Bürger ist in Gefahr

II Die Größe des Krieges
Die anfänglichen Erfolge des Lucullus | Die Flucht des Mythridates und Trigranes | Die Meuterei des römische Heeres

III Die Wahl des Feldherrn
Allein Pompeius kommt in Frage | Seine Erfahrung im Kriegswesen | Seine bisherigen Kriegserfolge | Seine Uneigennützigkeit | Sein maßvolles und menschliches Verhalten | Sein Ansehen | Sein Glück | Zusammenfassung

IV Widerlegung der Gegner des Gesetzes
Widerlegung des Hortensius | Widerlegung des Catulus | Appell an das Volk | Die Fehler der anderen Feldherren | Gewichtige Befürworter des Gesetzes

V Schluß