De imperio Cn. Pompei - Die Fehler der anderen Feldherren

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Und in diesem asiatischen und königlichen Krieg sucht man nicht nur nach jener militärischen Tugend, welche in Pompeius einzigartig ist, sondern auch nach anderen Fähigkeiten des Geistes - großen und zahlreichen. Es ist für unsere Feldherren in Cilicien, in Asien, in Syrien und den Königreichen der inneren Nationen schwierig, so zu verweilen, dass er an nichts anderes als an den Feind und seinen Ruhm denkt. Weiterhin, auch wenn es Leute gibt, die gemäßigter sind aus Scham oder Zurückhaltung, glaubt dennoch niemand, dass sie so sind, wegen der großen Anzahl gieriger Menschen.
[65] Es ist schwer (peinlich) zu sagen, ihr Quiriten, in wie großem Haß wir bei den anderen Nationen sind, wegen der zügellosen und willkürlichen Handlungen derer, die wir in den letzten Jahren mit Befehlsgewalt zu ihnen geschickt haben. Welcher Tempel, glaubt ihr, war in jenen Ländern unseren Magistraten heilig (oder: welcher Tempel war für sie tabu - um die Wiederholung zu vermeiden), welche Bürgerschaft war ihnen heilig, welches Haus war ihnen genug fest verschlossen und befestigt? Man findet überaus reiche (Hendiadyoin) Städte, denen man den Krieg erklärt hat, wegen der Gier nach Plünderung.
[66] Gerne möchte ich darüber mit Hortensius und Catulus, sehr berühmte und ehrenvolle Männer, diskutieren; sie kennen nämlich die Wunden unserer Bundesgenossen, sehen deren Schaden, hören ihre Klagen. Glaubt ihr für eure Bundesgenossen ein Heer gegen den Feind zu schicken oder im Gegenteil angeblich gegen den Feind in Wahrheit aber gegen Bundesgenossen und Freunde? Gibt es eine Bürgerschaft in Asien, die nicht etwa nur die Gelüste eines Feldherrn oder Legaten, sondern sogar die eines Militär Tribunen reizen könnte? Deshalb, (auch) wenn ihr jemanden habt, der in der Feldschlacht die Heere des Königs besiegen zu können scheint, ist nicht derjenige geeignet, der nicht Hände, Augen und Sinn vom Geld der Bundesgenossen zurückhalten kann, von ihren Frauen und Kindern, vom Schmuck ihrer Tempel und Städte, vom Gold und vom Schatz des Königs, dass er zu diesem asiatischen und königlichen Krieg geschickt wird.
[67] Glaubt ihr etwa, dass eine Bürgerschaft in Frieden lebte, die reich ist? Die Meeresküste, ihr Quiriten, fordert Pompeius nicht nur wegen seines Ruhmes in militärischen Dingen, sondern auch wegen seiner Zurückhaltung. Man sah nämlich, wie sich Praetoren außer wenige in den Jahren mit Staatsgeldern bereicherten, und dass wir im Namen unserer Flotte nur erreichten, dass wir offenkundig zum angenommenen Schaden nur noch mehr Schande bekamen. Nun wissen die natürlich nicht, die meinen, dass einem nicht alles übertragen werden dürfe, mit welchen Begierden nach Geld und mit welchen finanziellen Opfern und unter welchen Bedingungen die Menschen in die Provinzen aufbrechen. Gleich als ob wir nicht sehen, dass Gnaeus Pompeius nicht mit seinen Tugenden, sondern auch durch den Fehlern anderer groß ist.
[68] Deswegen bedenkt euch nicht, ihm allein alles anzuvertrauen, was in den ganzen Jahren als der einzige erfunden worden war, über den sich die Bundesgenossen freuten, wenn er mit seinem Heer in die Städten kam.

Atque in hoc bello Asiatico et regio non solum militaris illa virtus, quae est in Cn. Pompeio singularis, sed aliae quoque virtutes animi magnae et multae requiruntur. Difficile est in Asia, Cilicia, Syria regnisque interiorum nationum ita versari nostrum imperatorem, ut nihil nisi de hoste ac de laude cogitet. Deinde etiam si qui sunt pudore ac temperantia moderatiores, tamen eos esse talis propter multitudinem cupidiorum hominum nemo arbitratur.
[65] Difficile est dictu, Quirites, quanto in odio simus apud exteras nationes propter eorum, quos ad eas per hos annos cum imperio misimus, libidines et iniurias. Quod enim fanum putatis in illis terris nostris magistratibus religiosum, quam civitatem sanctam, quam domum satis clausam ac munitam fuisse? Urbes iam locupletes et copiosae requiruntur, quibus causa belli propter diripiendi cupiditatem inferatur.
[66] Libenter haec coram cum Q. Catulo et Q. Hortensio, summis et clarissimis viris, disputarem. Noverunt enim sociorum volnera, vident eorum calamitates, querimonias audiunt. Pro sociis vos contra hostis exercitum mittere putatis, an hostium simulatione contra socios atque amicos? Quae civitas est in Asia quae non modo imperatoris aut legati, sed unius tribuni militum animos ac spiritus capere possit? Qua re, etiam si quem habetis qui conlatis signis exercitus regios superare posse videatur, tamen nisi erit idem, qui se a pecuniis sociorum, qui ab eorum coniugibus ac liberis, qui ab ornamentis fanorum atque oppidorum, qui ab auro gazaque regia manus, oculos, animum cohibere possit, non erit idoneus qui ad bellum Asiaticum regiumque mittatur.
[67] Ecquam putatis civitatem pacatam fuisse quae locuples sit? ecquam esse locupletem quae istis pacata esse videatur? Ora maritima, Quirites, Cn. Pompeium non solum propter rei militaris gloriam, sed etiam propter animi continentiam requisivit. Videbat enim praetores locupletari quot annis pecunia publica praeter paucos; neque eos quicquam aliud adsequi, classium nomine, nisi ut detrimentis accipiendis maiore adfici turpitudine videremur. Nunc qua cupiditate homines in provincias, quibus iacturis et quibus condicionibus proficiscantur, ignorant videlicet isti, qui ad unum deferenda omnia esse non arbitrantur? Quasi vero Cn. Pompeium non cum suis virtutibus tum etiam alienis vitiis magnum esse videamus.
[68] Qua re nolite dubitare quin huic uni credatis omnia, qui inter tot annos unus inventus sit, quem socii in urbis suas cum exercitu venisse gaudeant.

Begründung für das späte politische Auftreten Ciceros | Die politische Lage | Disposition der Rede

I Art des Krieges
Der Kriegsruhm steht auf dem Spiel | Die Bünder müssen geschützt werden | Die Steuereinkünfte sind gefährdet | Das Vermögen röm. Bürger ist in Gefahr

II Die Größe des Krieges
Die anfänglichen Erfolge des Lucullus | Die Flucht des Mythridates und Trigranes | Die Meuterei des römische Heeres

III Die Wahl des Feldherrn
Allein Pompeius kommt in Frage | Seine Erfahrung im Kriegswesen | Seine bisherigen Kriegserfolge | Seine Uneigennützigkeit | Sein maßvolles und menschliches Verhalten | Sein Ansehen | Sein Glück | Zusammenfassung

IV Widerlegung der Gegner des Gesetzes
Widerlegung des Hortensius | Widerlegung des Catulus | Appell an das Volk | Die Fehler der anderen Feldherren | Gewichtige Befürworter des Gesetzes

V Schluß