[51] Ja aber Quintus Catulus, ein sehr berühmter Mann, ein glühender Patriot, der durch die Übertragung hoher Ehrenämter ausgezeichnet wurde, und ebenso Quintus Hortensius, der mit den höchsten Vorzüge, mit Glück, Tapferkeit und mit hohem Talent versehen ist, stimmen nicht mit dieser Absicht überein. Ich gestehe, dass deren Ansehen natürlich bei euch bei vielen Gelegenheiten sehr hohen Stellenwert hatte und hat. Aber obwohl ihr in dieser Sache seht, dass gegenteilige Ansichten von sehr tapferen und berühmten Männern gibt, können wir dennoch durch die Überlegung selbst feststellen, wenn wir das Ansehen außer Acht lassen und dass ist um so leichter, weil alles was von mir bis jetzt gesagt worden ist, von den selben als wahr angesehen wurde, dass nämlich sowohl der Krieg notwendig, als auch groß ist und dass in Gnaeus Pompeius alles im höchsten Maße vorhanden ist.
[52] Was sagt also Hortensius ? Wenn alles einem einzigen übertragen werden muss, dann ist Gnaeus Pompeius der würdigste,
aber es gehört sich dennoch nicht alles einem zu übertragen. Dieser Einwurf hat schon an Wert verloren, weil sie durch die
Ergebnisse selbst mehr widerlegt worden ist, als durch Worte. Denn du selbst, Quintus Hortensius, hast sowohl im Senat vieles,
gemessen an deiner Redefülle und an deiner einzigartigen Fähigkeit zu Reden, ernst und wohl gesetzt gegen den tapferen Mann Aulus
Gabinius gesagt, als dieser ein Gesetz über die Einsetzung eines einzigen Feldherrn gegen die Seeräuber einbrachte, als auch hast
du von diesem Ort selbst aus viele Worte gegen das Gesetz gemacht. Was also ?
[53] Sodann, bei den unsterblichen Göttern, wenn das
Ansehen beim römischen Volk mehr zählen würde, als das Wohl des römischen Volkes selbst und das wahre Interesse, würden wir dann
heute diesen Ruhm und diese Herrschaft über den Erdkreis innehaben? Oder schien dir das etwa Herrschaft zu sein, wenn die
Legaten des römischen Volkes, die Quaestoren und Praetoren gefangen werden, wenn sowohl der private als auch der öffentliche
Verkehr aus allen Provinzen unterbunden war, wenn alle Meere uns so verschlossen waren, dass wir weder als Privatmann noch als Staatsmann eine Unternehmung über das Meer wagen konnten?
[54] Welcher Staat war jemals zuvor - ich spreche nicht vom Staat der Athener, der einst das Meer genügend weit beherrscht haben soll, auch nicht vom Staat der Katharger, die durch ihre Flotte und durch ihre Tüchtigkeit zur See sehr viel vermochte, auch nicht von Staat der Rhodiorer, deren Meereskenntnisse und deren Ruhm bis zum heutigen Tag anhält - so schwach, welche Insel so klein, dass sie nicht ihre Häfen, ihre Felder, irgendeinen Teil ihres Gebietes und die Küsten aus eigener Kraft verteidigten ?Aber, beim Herkules, jenes römische Volk, dessen Name soweit unser Gedächtnis reicht in Seeschlachten stets als unbesiegt galt, hat in jenen aufeinanderfolgenden Jahren vor der Lex Gabinia auf viele ja sogar auf den größten Teil nicht nur der Einkünfte, sondern der Würde und der Herrschaft verzichten müssen.
[55] Wir, deren Vorfahren den König Antiochus mit der Flotte und den Perseus überwanden, und die Katharger, Menschen die
sehr geschickt und geübt im Seewesen sind, in Seeschlachten besiegt, konnten auf keinster Weise den Seeräubern gleichwertig sein.
Wir, die früher nicht nur Italien sicher besaßen, sondern allen Bundesgenossen an den entferntesten Küsten durch das Ansehen unserer
Herrschaft die Sicherheit garantieren konnten, damals als die Insel Delos, soweit weg von und im ägäischen Meer gelegen war, wo alle
von überall her mit allen möglichen Waren Handel trieben, die vollgestopft mit Reichtümern war, klein und ohne Mauern nichts befürchtete, wir mussten nicht nur auf die Provinzen und die italienische Meeresküste und unsere Häfen, sondern sogar auf unsere Via Apia verzichten. Und zu diesen Zeiten schämten sich die Magistrate des römischen Volkes nicht, auf diesen Ort hinauszugehen, als unsere Vorfahren diesen mit Seebeute und Schiffsschnäbeln geschmückt zurückließen.
[56] Das römische Volk glaubte, dass du Quintus Hortensius, und die anderen, die gleicher Meinung sind, das in guter Absicht gesagt habt; aber dennoch wollte sich dasselbe römische Volk in Fragen des allgemeinen Wohles lieber von dem Unwillen leiten lassen, als von eurem Ansehen. Deshalb hat uns ein einziges Gesetz, ein einziger Mann, ein einziges Jahr nicht nur von jenem Elend und jener Schande befreit, sondern es hat auch bewirkt, dass es scheint, dass wir endlich einmal allen Stämmen und Nationen zu Lande und zu Wasser befehlen.
[57] Um so entwürdigender erscheint mir auch, dass bis jetzt dagegen gearbeitet wurde - soll ich sagen gegen den Gabinius oder gegen den Pompeius oder beiden zusammen - oder, was richtiger wäre, dass nicht Gabinius dem Gnaeus Pompeius als Legat auf seinen Wunsch und seiner Forderung hin zugeteilt wurde. Ist jener, welcher zu einem so großen Krieg einen Legaten fordert, den der will, nicht geeignet, ihn zu verlangen, während andere zum Plündern der Bundesgenossen und Provinzen die Legaten mit sich nahmen, die sie wollten, oder muss er selbst, durch dessen Gesetz das Wohl und die Würde des römischen Volkes und der übrigen Nationen gefestigt wurde, ohne Anteil am Ruhm jenes Feldherrn und jenes Heeres sein, dass auf seinen eigenen Vorschlag und auf seine Verantwortung hin aufgestellt wurde?
[58] Während Gaius Falcidius , Quintus Metellus, Quintus Caelius Latiniensis und Gnaeus Lentulus, die ich ehrenhalber nenne,
obwohl sie noch Volkstribunen waren, im nächsten Jahr Legaten werden konnten, ist man allein bei Gabinius so peinlich genau, der doch
bei diesem Krieg, der unter dem Lex Gabinius mit dem selben Feldherrn und dem selben Heer geführt wird, ein Vorrecht haben müsste ?
Ich hoffe, dass die Konsuln den Antrag stellen, dass er als Legat zugeteilt wird. Wenn diese zögern oder Schwierigkeiten machen,
verspreche ich, dass ich diesen Antrag stelle. Weder wird mich irgendein gegen mich gerichteter Einspruch abhalten, im Vertrauen
auf euch euer Recht und eure Vergünstigungen zu verteidigen, noch werde ich auf irgend etwas außer eurem Einspruch hören. Was diesen
Einspruch anbelangt, wie ich meine, werden diese selbst, die den Einspruch erheben, mehr als einmal überlegen müssen, was gefällt.
Meiner Meinung nach, ich Quiriten, kann der Aulus Gabinius dem Pompeius als Gefährte im Seekrieg und bei seinen Taten zugeteilt
werden, deswegen, weil der eine dem anderen die Übernahme des Krieges durch eure Stimme übertrug, und der andere den übertragenen und übernommenen Krieg zu Ende geführt hat.