De imperio Cn. Pompei - Sein Ansehen und sein Ruhm

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[43] Und weil Autorität auch beim Kriegführen und beim militärischen Oberbefehl viel zählt, zweifelt sicher niemand, dass gerade jener Feldherr in diesen Sachen viel vermag. Wer weiß nicht, dass es beim Kriegführen davon abhängt, was die Feinde, was die Bundesgenossen von unserem Feldherrn halten? Denn wir wissen, dass die Menschen in einer so großen Sache nicht weniger von (subjektiven) Meinungen und Gerüchten als von Überlegungen dazu bewegt werden, dass sie ihn verachten oder fürchten oder hassen oder lieben. Welcher Name war also jemals auf der Welt berühmter, wessen Taten gleichwertig? Über welchen Menschen habt ihr ein so großes und so berühmtes Urteil gefällt, was sehr großes Ansehen erzeugt?
[44] Glaubt ihr, dass es irgendeine so abgelegene Küste gibt, dass nicht eines Tages sein Ruf dorthin vordringen würde, wenn das gesamte römische Volk auf dem vollgestopften Forum und von allen gefüllten Tempeln, von denen man diesen Ort hier sehen kann, als einzigen Feldherren für den gemeinsamen Krieg aller Völker Cnaeus Pompeius gefordert hat? Daher, um nicht noch mehr zu sagen und um auch nicht durch Beispiele anderer zu belegen, wieviel das Ansehen im Krieg zählt, sollen Beispiele von Pompeius selbst von allen herausragenden Dingen genommen werden. An demselben Tag, an dem dieser dem Seeräuberkrieg von euch vorangestellt worden ist, folgte unmittelbar eine so große Verbilligung der Lebensmittel aus höchster Teuerung des Getreides und Not heraus, allein durch die Hoffnung und den Namen eines einzigen Menschen, wie sie (die Verbilligung) kaum ein langdauernder Friede bei reichster Fruchtbarkeit der Felder hätte bewirken können.
[45] Als ihr im Pontus eine Niederlage in dem Krieg, an den ich euch schon vorher gegen meinen Willen erinnert habe, einstecken mußtet, als die Bundesgenossen sich sehr fürchteten, als die Rüstung und der Mut der Feinde schon gestiegen war und als die Provinz keinen genügend starken Schutz hatte, hättet ihr, ihr Quiriten, Asien verloren, wenn nicht zum entscheidenden Zeitpunkt das Schicksal des römischen Volkes den Cnaeus Pompeius in diese Gegend gebracht hätte. Seine Ankunft hielt sowohl den Mithridates, der durch den überraschenden Sieg aufgeblasen war, in Schranken und stoppte auch Tigranes, der mit großer Heeresmacht Asien bedrohte. Und wird jemand daran zweifeln, was jener mit Tapferkeit noch erreichen wird, der soviel schon durch Ansehen vollendet hat? Und wird jemand daran zweifeln, wie leicht er - mit einem Oberbefehl und einem Heer ausgestattet - die Bundesgenossen und Steuern bewahren wird, der diese allein schon durch seinen Namen und Ruf verteidigt hat?
[46] Weiterhin: Welches Ansehen jenes Menschen bei den Feinden des römischen Volkes erklärt uns jene Sache, dass aus so weit entfernten und so weit auseinanderliegenden Orten alle sich in so kurzer Zeit diesem einen ergeben haben und dass die Gesandten der Kreter, obwohl sich auf der Insel ein Feldherr und ein Heer aufgehalten haben, zu Cnaeus Pompeius fast in die entlegensten Länder gekommen waren um ihm zu sagen, dass sich aller Völker der Kreter ihm ergeben wollen. Und hat nicht Mithridates selbst an eben diesen Cnaeus Pompeius einen Gesandten bis nach Spanien geschickt, und zwar einen Mann, den Pompeius immer als Gesandten ansah, den aber die, zu deren Leidwesen er geschickt war, eher als Kundschafter denn als Boten aufgefaßt wissen wollten. Ihr könnt nun also beurteilen, ihr Quiriten, wie hoch ihr das Gewicht dieses Ansehens, das später durch viele Taten und eure ehrenvolle Beschlüsse noch wuchs, bei jenen Königen und bei den auswärtigen Völkern für die Zukunft anschlagen sollt.

[43] Et quoniam auctoritas quoque in bellis administrandis multum atque in imperio militari valet, certe nemini dubium est quin ea re idem ille imperator plurimum possit. Vehementer autem pertinere ad bella administranda quid hostes, quid socii de imperatoribus nostris existiment quis ignorat, cum sciamus homines in tantis rebus, ut aut contemnant aut metuant aut oderint aut ament, opinione non minus et fama quam aliqua ratione certa commoveri? Quod igitur nomen umquam in orbe terrarum clarius fuit? cuius res gestae pares? de quo homine vos, -- id quod maxime facit auctoritatem, -- tanta et tam praeclara iudicia fecistis?
[44] An vero ullam usquam esse oram tam desertam putatis, quo non illius diei fama pervaserit, cum universus populus Romanus, referto foro completisque omnibus templis ex quibus hic locus conspici potest, unum sibi ad commune omnium gentium bellum Cn. Pompeium imperatorem deposcit? Itaque -- ut plura non dicam, neque aliorum exemplis confirmem quantum [huius] auctoritas valeat in bello -- ab eodem Cn. Pompeio omnium rerum egregiarum exempla sumantur: qui quo die a vobis maritimo bello praepositus est imperator, tanta repente vilitas annonae ex summa inopia et caritate rei frumentariae consecuta est unius hominis spe ac nomine, quantum vix in summa ubertate agrorum diuturna pax efficere potuisset.
[45] iam accepta in Ponto calamitate ex eo proelio, de quo vos paulo ante invitus admonui, -- cum socii pertimuissent, hostium opes animique crevissent, satis firmum praesidium provincia non haberet, -- amisissetis Asiam, Quirites, nisi ad ipsum discrimen eius temporis divinitus Cn. Pompeium ad eas regiones fortuna populi Romani attulisset. Huius adventus et Mithridatem insolita inflammatum victoria continuit, et Tigranem magnis copiis minitantem Asiae retardavit. Et quisquam dubitabit quid virtute perfecturus sit, qui tantum auctoritate perfecerit? aut quam facile imperio atque exercitu socios et vectigalia conservaturus sit, qui ipso nomine ac rumore defenderit?
[46] Age vero, illa res quantam declarat eiusdem hominis apud hostis populi Romani autoritatem, quod ex locis tam longinquis tamque diversis tam brevi tempore omnes huic se uni dediderunt? quod a communi Cretensium legati, cum in eorum insula noster imperator exercitusque esset, ad Cn. Pompeium in ultimas prope terras venerunt, eique se omnis Cretensium civitates dedere velle dixerunt? Quid? idem iste Mithridates nonne ad eundem Cn. Pompeium legatum usque in Hispaniam misit? eum quem Pompeius legatum semper iudicavit, ei quibus erat [semper] molestum ad eum potissimum esse missum, speculatorem quam legatum iudicari maluerunt. Potestis igitur iam constituere, Quirites, hanc auctoritatem, multis postea rebus gestis magnisque vestris iudiciis amplificatam, quantum apud illos reges, quantum apud exteras nationes valituram esse existimetis.

Begründung für das späte politische Auftreten Ciceros | Die politische Lage | Disposition der Rede

I Art des Krieges
Der Kriegsruhm steht auf dem Spiel | Die Bünder müssen geschützt werden | Die Steuereinkünfte sind gefährdet | Das Vermögen röm. Bürger ist in Gefahr

II Die Größe des Krieges
Die anfänglichen Erfolge des Lucullus | Die Flucht des Mythridates und Trigranes | Die Meuterei des römische Heeres

III Die Wahl des Feldherrn
Allein Pompeius kommt in Frage | Seine Erfahrung im Kriegswesen | Seine bisherigen Kriegserfolge | Seine Uneigennützigkeit | Sein maßvolles und menschliches Verhalten | Sein Ansehen | Sein Glück | Zusammenfassung

IV Widerlegung der Gegner des Gesetzes
Widerlegung des Hortensius | Widerlegung des Catulus | Appell an das Volk | Die Fehler der anderen Feldherren | Gewichtige Befürworter des Gesetzes

V Schluß