De imperio Cn. Pompei - Seine Uneigennützigkeit

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[36] Dies ist also die unvergleichliche, kaum vorstellbare Tatkraft des Feldherrn Pompeius; wie groß und zahlreich aber sind erst seine übrigen Eigenschaften, die ich kurz zuvor aufzuzählen begann! Man darf ja vom vollendeten Feldherrn nicht nur Kriegskunst fordern, nein, es gibt nicht wenige hervorragende Eigenschaften, die solches Können stützen und begleiten müssen. Zuerst also, wie uneigennützig müssen Feldherren sein! Wie beherrscht in allen Dingen! Wie ausgeprägt muß ihre Redlichkeit sein, die leichte Hand im Umgang, die geistige Kraft, die Güte! Wir wollen nun kurz betrachten, wie sich diese Eigenschaften bei Cnaeus Pompeius zeigen, denn, Ihr Quiriten, sie sind zwar im höchsten Grade vorhanden, doch kann man sie eher aus dem Vergleich mit anderen erkennen und fassen als für sich allein.
[37] Können wir nämlich einem Feldherrn überhaupt noch Wert zuschreiben, in dessen Heer die Centurionenstellen käuflich sind und tatsächlich verkauft wurden? Was wird so ein Mann Hohes und Bedeutendes vom Gemeinwesen denken, der aus Begier, seine Provinz zu behalten, an Beamte Geld verteilte, das er der Staatskasse zur Kriegführung entnahm oder aus Habsucht in Rom auf Zinsen auslieh? Euer Gemurmel, Bürger Roms, läßt mich glauben, ihr erkennt, wir dies getan hat; ich jedoch nenne keine Namen, und so kann mir niemand böse sein, ohne zugleich ein Geständnis gegen sich abzulegen. Und wer weiß nicht, welches Unheil unsere Heere, wohin sie auch kommen, infolge der Habgier der Feldherren mitbringen?
[38] Erinnert euch nur an die Märsche, die unsere Feldherrn in den letzten Jahren durch die Felder und Städte römischer Bürger machten, dann werdet ihr leichter feststellen, wie es bei fremden Nationen geschieht! Glaubt ihr, dass mehr Städte der Feinde in den letzten Jahren durch die Waffen eurer Soldaten oder mehr Bürgerschaften der Bundesgenossen durch Winterquartiere zerstört wurden? Denn weder kann ein Feldherr, der sich selbst nicht in der Gewalt hat, sein Heer in Ordnung halten, noch kann einer als Richter Strenge üben, der gegen sich keine strengen Richter wünscht.
[39] Und da wundern wir uns, dass dieser Mann andere so sehr übertrifft, er, dessen Legionen in solcher Ordnung nach Asien kamen, dass dieses große Heer nicht nur mit keiner Hand einem friedlichen Menschen schadete, sondern nicht einmal durch einen unrechten Tritt. Auch kommen täglich mündlich und brieflich Berichte vom Verhalten unserer Soldaten im Winterlager: es wird nicht allein niemand Gewalt angetan, damit er für die Soldaten etwas springen läßt, sondern selbst, wenn einer es möchte, wird es ihm nicht erlaubt. Unsere Vorfahren wollten nämlich, dass die Häuser der Bundesgenossen und Freunde eine Zuflucht vor dem Winter nicht aber für die Habsucht sein sollten.

[36] Est haec divina atque incredibilis virtus imperatoris. Quid ceterae, quas paulo ante commemorare coeperam, quantae atque quam multae sunt? Non enim bellandi virtus solum in summo ac perfecto imperatore quaerenda est, sed multae sunt artes eximiae huius administrae comitesque virtutis. Ac primum, quanta innocentia debent esse imperatores? quanta deinde in omnibus rebus temperantia? quanta fide? quanta facilitate? quanto ingenio? quanta humanitate? Quae breviter qualia sint in Cn. Pompeio consideremus: summa enim omnia sunt, Quirites, sed ea magis ex aliorum contentione quam ipsa per sese cognosci atque intellegi possunt.
[37] Quem enim imperatorem possumus ullo in numero putare, cuius in exercitu centuriatus veneant atque venierint? Quid hunc hominem magnum aut amplum de re publica cogitare, qui pecuniam, ex aerario depromptam ad bellum administrandum, aut propter cupiditatem provinciae magistratibus diviserit, aut propter avaritiam Romae in quaestu reliquerit? Vestra admurmuratio facit, Quirites, ut agnoscere videamini qui haec fecerint: ego autem nomino neminem; qua re irasci mihi nemo poterit, nisi qui ante de se voluerit confiteri. Itaque propter hanc avaritiam imperatorum quantas calamitates, quocumque ventum est, nostri exercitus ferant quis ignorat?
[38] Itinera quae per hosce annos in Italia per agros atque oppida civium Romanorum nostri imperatores fecerint recordamini: tum facilius statuetis quid apud exteras nationes fieri existimetis. Utrum pluris arbitramini per hosce annos militum vestrorum armis hostium urbis, an hibernis sociorum civitates esse deletas? Neque enim potest exercitum is continere imperator, qui se ipse non continet, neque severus esse in iudicando, qui alios in se severos esse iudices non volt.
[39] Hic miramur hunc hominem tantum excellere ceteris, cuius legiones sic in Asiam pervenerint, ut non modo manus tanti exercitus, sed ne vestigium quidem cuiquam pacato nocuisse dicatur? iam vero quem ad modum milites hibernent cotidie sermones ac litterae perferuntur: non modo ut sumptum faciat in militem nemini vis adfertur, sed ne cupienti quidem cuiquam permittitur. Hiemis enim, non avaritiae perfugium maiores nostri in sociorum atque amicorum tectis esse voluerunt.

Begründung für das späte politische Auftreten Ciceros | Die politische Lage | Disposition der Rede

I Art des Krieges
Der Kriegsruhm steht auf dem Spiel | Die Bünder müssen geschützt werden | Die Steuereinkünfte sind gefährdet | Das Vermögen röm. Bürger ist in Gefahr

II Die Größe des Krieges
Die anfänglichen Erfolge des Lucullus | Die Flucht des Mythridates und Trigranes | Die Meuterei des römische Heeres

III Die Wahl des Feldherrn
Allein Pompeius kommt in Frage | Seine Erfahrung im Kriegswesen | Seine bisherigen Kriegserfolge | Seine Uneigennützigkeit | Sein maßvolles und menschliches Verhalten | Sein Ansehen | Sein Glück | Zusammenfassung

IV Widerlegung der Gegner des Gesetzes
Widerlegung des Hortensius | Widerlegung des Catulus | Appell an das Volk | Die Fehler der anderen Feldherren | Gewichtige Befürworter des Gesetzes

V Schluß