De imperio Cn. Pompei - Seine bisherigen Kriegserfolge

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[29] Weiterhin; welche Worte kann man finden, die der Leistung des Pompeius gerecht werden? Was ist es, was irgend jemand hinzufügen könnte, das jenem würdig, euch aber neu oder irgendjemandem unbekannt ist? Es sind nämlich nicht nur jene Feldherrn-Tugenden, die für gewöhnlich als solche gelten, wie die Bemühungen bei seinen Aufgaben, die Tapferkeit in Gefahren, die Entschlossenheit bei seinem Handeln, die Schnelligkeit im Erledigen, seine vorausschauende Planung, die so groß in diesem einen sind, wie sie bei allen übrigen Feldherren nicht waren, von denen wir entweder gehört oder die wir gesehen haben.
[30] Beweis ist Italien. Sulla, selbst Sieger, hat eingestanden, dass dieses befreit worden ist, durch dessen Tapferkeit und durch seine Hilfe. Beweis ist Sizilien, umschlungen von vielen Gefahren aus allen Richtungen, das er nicht durch den Schrecken des Krieges, sondern durch eine schnelle Entscheidung befreit hat. Beweis ist Afrika, welches von sehr großen feindlichen Truppen bedrückt war und vom eigenen Blut überfloß. Beweis ist Gallien, durch welches unseren Legionen der Weg nach Spanien durch die Niedermetzelung der Gallier geöffnet wurde. Beweis ist Spanien, das sehr oft sehr viele Feinde, von ihm überwunden und niedergestreckt, erblickt hat. Beweis ist wiederum und wie so oft Italien, das von diesem Abwesenden Hilfe erbat, als es vom häßlichen und gefährlichen Sklavenkrieg bedrückt war. Dieser Krieg wurde durch die Erwartung (der Ankunft) desselben abgeschwächt und bedeutungslos; durch seine Ankunft begraben und beseitigt.
[31]Zeugen sind nun aber alle Küsten und alle äußeren Völker und Nationen; alle Meere, einerseits die Meeresfläche, andererseits an den einzelnen Küsten alle Buchten und Häfen. Welcher Ort hatte nämlich in den letzten Jahren entweder einen so großen Schutz, dass es sicher war oder welcher Ort war so versteckt, dass er verborgen blieb. Wer segelte, der sich nicht entweder in die Gefahr des Todes oder der Sklaverei begibt, wenn er entweder im Winter oder auf dem von Piraten vollgestopften Meer herumsegelte. Wer hätte denn jemals geglaubt, dass dieser so große, dieser so peinliche, dieser schon so alte, dieser so weit ausgebreitete und auf viele Orte verteilte Krieg entweder von allen Feldherren in einem Jahr oder von einem Feldherren in vielen Jahren beendet werden konnte?
[32] Welche Provinz hattet ihr denn wirklich durch all diese Jahre frei von Seeräubern? Welche Steuer war euch denn noch sicher? Welchen Bundesgenossen habt ihr denn noch verteidigt? Für wen wart ihr denn noch ein Schutz mit euren Flotten? Wie viele, glaubt ihr, sind verlassen worden, wie viele Städte der Bundesgenossen, glaubt ihr, sind aus Furcht verlassen oder von Seeräubern eingenommen worden?
Aber was will ich weit entferntes erwähnen? Dies war einst ein Wesenszug des römischen Volkes, weit entfernt von der Heimat zu kämpfen und durch die vorgeschobenen Bollwerke das Schicksal der Bundesgenossen zu verteidigen und nicht seine eigenen Häuser verteidigen zu müssen. Muß ich da noch sagen, dass unseren Bundesgenossen das Meer durch diese Jahre hindurch verschlossen geblieben ist, wenn eure Heere niemals von Brundisium aus übersetzten außer im tiefsten Winter? Muß ich da noch die Gefangenen beklagen, die zu euch aus dem Ausland kamen, während doch Gesandte des römischen Volkes freigekauft wurden? Kann ich da noch sagen, dass das Meer für die Händler sicher war, wenn zwölf Lictoren in die Macht der Seeräuber gelangten?
[33] Soll ich noch an Cnidus oder an Colophon oder an Samus, sehr erhabene Städte, erinnern oder an die unzähligen anderen, die erobert wurden, da ihr ja wißt, dass eure Häfen und die Häfen, von denen ihr eure Lebenskraft bezieht, in der Hand der Seeräuber gewesen sind? Wißt ihr etwa nicht, dass der sehr berühmte Hafen Caieta, der voll von Schiffen war, unter den Augen des Praetors von Seeräubern geplündert wurde und dass aus Misenum die Kinder selbst dessen, der vorher mit den Seeräubern Krieg führte, eben von diesen geraubt wurden? Soll ich dann noch an diese kleine Unbequemlichkeit von Ostia erinnern und den Untergang und die Schande des Staates beklagen, wo fast vor euren Augen die Flotte, der ein Konsul des römischen Volkes vorangestellt war, angegriffen und gekapert wurde?
Bei den unsterblichen Göttern! Konnte nun die so große, unglaubliche und göttliche Tatkraft eines einzigen Mannes in so kurzer Zeit dem Staat das Licht wiederbringen, dass ihr, die ihr eben noch vor der Mündung des Tibers eine feindliche Flotte gesehen habt, jetzt hört, dass kein Schiff der Seeräuber innerhalb des Mittelmeeres mehr ist.
[34] Und mit welcher Geschwindigkeit diese Dinge gemacht wurden darf, obwohl ihr es ja seht, dennoch von mir in meiner Rede nicht übergangen werden. Wer nämlich konnte jemals im Eifer des Geschäftemachens oder im Eifer Geld zu verdienen, in so kurzer Zeit so viele Orte besuchen und so viele Strecken zurücklegen, wie der Sturm eines so großen Krieges unter Pompeius segelte? (nicht meine Idee - so steht's im Text) Dieser besuchte Sizilien als das Meer noch nicht zum Segeln geeignet war. Er erforschte Afrika, kam mit seiner Flotte nach Sardinien und sicherte diese drei Kornkammern des Staates durch sehr starke Posten und durch die Flotte.
[35] Dann, als er nach Italien zurückkehrte, sicherte er Spanien diesseits und jenseits des Ebro und Gallien durch Posten und Schiffe, schickte ebenso Schiffe in die Adria, nach Achaia und nach ganz Griechenland, sicherte die beiden Italien umspülende Meere durch eine sehr große Flotte und durch starke Befestigungen, brach aber selbst nach Brundisium auf und verband ganz Cilicia mit dem römischen Reich in nur 48 Tagen; und überall, wo es Seeräuber gab, wurden sie teils gefaßt und getötet, teils ergaben sie sich diesem einen auf Gnade und Ungnade. Auch den Kretern, die ihm bis nach Pamphylien Gesandte um Gnade schickten, nahm er nicht die Hoffnung auf Kapitulation, sondern forderte nur Geiseln. So hat er diesen so großen, so langen, so weit verzweigten Krieg, unter dem alle Völker und Nationen litten, am Ende des Winters vorbereitet, am Anfang des Frühlings begonnen und in der Mitte des Sommers beendet.

[29] iam vero virtuti Cn. Pompei quae potest oratio par inveniri? Quid est quod quisquam aut illo dignum aut vobis novum aut cuiquam inauditum possit adferre? Neque enim illae sunt solae virtutes imperatoriae, quae volgo existimantur, -- labor in negotiis, fortitudo in periculis, industria in agendo, celeritas in conficiendo, consilium in providiendo: quae tanta sunt in hoc uno, quanta in omnibus reliquis imperatoribus, quos aut vidimus aut audivimus, non fuerunt.
[30] Testis est Italia, quam ille ipse victor L. Sulla huius virtute et subsidio confessus est liberata. Testis est Sicilia, quam multis undique cinctam periculis non terrore belli, sed consili celeritate explicavit. Testis est Africa, quae, magnis oppressa hostium copiis, eorum ipsorum sanguine redundavit. Testis est Gallia, per quam legionibus nostris iter in Hispaniam Gallorum internecione patefactum est. Testis est Hispania, quae saepissime plurimos hostis ab hoc superatos prostratosque conspexit. Testis est iterum et saepius Italia, quae cum servili bello taetro periculosoque premeretur, ab hoc auxilium absente expetivit: quod bellum exspectatione eius attentuatum atque imminutum est, adventu sublatum ac sepultum.
[31] Testes nunc vero iam omnes orae atque omnes exterae gentes ac nationes, denique maria omnia cum universa, tum in singulis oris omnes sinus at portus. Quis enim toto mari locus per hos annos aut tam firmum habuit praesidium ut tutus esset, aut tam fuit abditus ut lateret? Quis navigavit qui non se aut mortis aut servitutis periculo committeret, cum aut hieme aut referto praedonum mari navigaret? Hoc tantum belum, tam turpe, tam vetus, tam late divisum atque dispersum, quis umquam arbitraretur aut ab omnibus imperatoribus uno anno aut omnibus annis ab uno imperatore confici posse?
[32] Quam provinciam tenuistis a praedonibus liberam per hosce annos? quod vectigal vobis tutum fuit? quem socium defendistis? cui praesidio classibus vestris fuistis? quam multas existimatis insulas esse desertas? quam multas aut metu relictas aut a praedonibus captas urbis esse sociorum? Sed quid ego longinqua commemoro? Fuit hoc quondam, fuit proprium populi Romani, longe a domo bellare, et propugnaculis imperi sociorum fortunas, non sua tecta defendere. Sociis ego nostris mare per hos annos clausum fuisse dicam, cum exercitus vestri numquam a Brundisio nisi hieme summa transmiserint? Qui ad vos ab exteris nationibus venirent captos querar, cum legati populi Romani redempti sint? Mercatoribus tutum mare non fuisse dicam, cum duodecim secures in praedonum potestatem pervenerint?
[33] Cnidum aut Colophonem aut Samum, nobilissimas urbis, innumerabilisque alias captas esse commemorem, cum vestros portus, atque eos portus quibus vitam ac spiritum ducitis, in praedonum fuisse potestatem sciatis? An vero ignoratis portum Caietae celeberrimum ac plenissimum navium inspectante praetore a praedonibus esse direptum? ex Miseno autem eius ipsius liberos, qui cum praedonibus antea ibi bellum gesserat, a praedonibus esse sublatos? Nam quid ego Ostiense incommodum atque illam labem atque ignominiam rei publicae querar, cum, prope inspectantibus vobis, classis ea, cui consul populi Romani praepositus esset, a praedonibus capta atque oppressa est? Pro di immortales! tantamne unius hominis incredibilis ac divina virtus tam brevi tempore lucem adferre rei publicae potuit, ut vos, qui modo anti ostium Tiberinum classem hostium videbatis, ei nunc nullam intra Oceani ostium praedonum navem esse audiatis?
[34] Atque haec qua celeritate gesta sint quamquam videtis, tamen a me in dicendo praetereunda non sunt. Quis enim umquam aut obeundi negoti aut consequendi quaestus studio tam brevi tempore tot loca adire, tantos cursus conficere potuit, quam celeriter Cn. Pompeio duce tanti belli impetus navigavit? Qui nondum tempestivo ad navigandum mari Siciliam adiit, Africam exploravit; inde Sardiniam cum classe venit, atque haec tria frumentaria subsidia rei publicae firmissimis praesidiis classibusque munivit;
[35] inde cum se in Italiam recepisset, duabus Hispanis et Gallia [transalpina] praesidiis ac navibus confirmata, missis item in oram Illyrici maris et in Achaiam omnemque Graeciam navibus, Italiae duo maria maximis classibus firmissimisque praesidiis adornavit; ipse autem ut Brundisio profectus est, undequinquagesimo die totam ad imperium populi Romani Ciliciam adiunxit; omnes, qui ubique praedones fuerunt, partim capti interfectique sunt, partim unius huius se imperio ac potestati dediderunt. Idem Cretensibus, cum ad eum usque in Pamphyliam legatos deprecatoresque misissent, spem deditionis non ademit, obsidesque imperavit. Ita tantum bellum, tam diuturunum, tam longe lateque dispersum, quo bello omnes gentes ac nationes premebantur, Cn. Pompeius extrema hieme apparavit, ineunte vere susceptit, media aestate confecit.

Begründung für das späte politische Auftreten Ciceros | Die politische Lage | Disposition der Rede

I Art des Krieges
Der Kriegsruhm steht auf dem Spiel | Die Bünder müssen geschützt werden | Die Steuereinkünfte sind gefährdet | Das Vermögen röm. Bürger ist in Gefahr

II Die Größe des Krieges
Die anfänglichen Erfolge des Lucullus | Die Flucht des Mythridates und Trigranes | Die Meuterei des römische Heeres

III Die Wahl des Feldherrn
Allein Pompeius kommt in Frage | Seine Erfahrung im Kriegswesen | Seine bisherigen Kriegserfolge | Seine Uneigennützigkeit | Sein maßvolles und menschliches Verhalten | Sein Ansehen | Sein Glück | Zusammenfassung

IV Widerlegung der Gegner des Gesetzes
Widerlegung des Hortensius | Widerlegung des Catulus | Appell an das Volk | Die Fehler der anderen Feldherren | Gewichtige Befürworter des Gesetzes

V Schluß