Einleitung
Die Anzahl der Kunst in der römischen Republik
fällt bescheidener aus als man vielleicht zu erst annimmt.
Denn in der Zeit von 200 - 27 vor Chr., die im folgenden als die
Zeit der römischen Republik gelten soll (Man kann sich nun
natürlich fragen warum ich nicht schon Kunst ab dem Jahre 509
vor Chr. - damals fand die Vertreibung der Könige statt - zu
der der römischen Republik zähle. Dies einfach darum,
weil ich diese Zeit (in Bezug auf die Kunst) nicht als grundlegend
römisch bezeichnen möchte und so die Bezeichnung der
römischen Republik von 509 vor Chr. an mehr Verwirrung als
Klarheit gestiftet hätte.) waren die Bauten, Büsten und
sonstigen römischen Kunstwerke alles andere als zahlreich.
Wenn man mit der römischen Kaiserzeit vergleicht, könnte
man sogar sagen, dass in Sachen Kunst wahrer Notstand geherrscht
hatte. Dennoch geschah in der Republik ein Ereignis, das das
gesamte römische Kunstschaffen der Zukunft beeinflusste und
auf dieses soll hier nun kurz eingegangen werden.
Sulla, der Optimatenführer und Gegenspieler des
Marius, brachte im 1. Jahrhundert vor Chr. von seinen
Kriegszügen und Plünderungen gegen die Athener zahlreiche
griechische Kunstschätze (v.a. Statuen) mit nach Rom, die die
dortigen Künstler stark beeinflussten. Diese Raubschätze
des Sullas kann man schliesslich auch als Grund für das
zwischen Hoch, das die römischen Kunstwerke kurz nach der
Plünderung Athens erlebten, angeben.
Villen, Patrizier-Wohnhäuser und
Tempel
Wohlhabende Römer leisteten es sich oft auf dem
Lande in einem grossen Landhaus (lat. villa = Landhaus, Landgut) zu
leben. Manche dieser
villae waren eher dem Landbau gewidmet,
andere dagegen waren wahre Luxusbauten, denen es an nichts fehlte.
Ein gutes Beispiel für solch eine Prachtsvilla gibt die
villa papyri, die in Herculaneum ausgegraben wurde, ab.
Unsummen von Geld verschlingende Villen wie diese waren
mit hunderten von Statuen, Mosaiken und Wandmalereien
geschmückt und beanspruchten ein grosses Landstück
für sich.
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Grundriß und Außenansicht
eines patrizischen Wohnhauses
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Der reiche Patrizier besass aber nicht nur auf dem Land
Villen, sondern auch in der Stadt verfügte meistens über
ein patrizisches Wohnhaus. Dieses war bei weitem nicht so imposant
wie die fürstlichen Landhäuser, doch verglichen mit den
Wohnungen ärmerer Schichten, war das Patrizierhaus immer noch
ein wahres Juwel. Charakterisiert wurde es durch folgende
Eigenschaften: ein schlichtes Äusseres, dafür war es aber
im Innern sehr eindrücklich, und die drei Räume Atrium,
Tablinum und Triclinium. Sehr wohlhabende Römer konnten es
sich zudem leisten einen Säulengang, genannt Peristyl, zum
Garten laufen zu lassen. Das Atrium bildete so etwas wie einen
grossen Innenhof, der nur zum Teil überdacht war. Denn in der
Mitte befand sich ein Loch, das es einem ermöglichte den
Himmel zu betrachten. Gleich hinter dem Atrium befand sich das der
Raum, in dem man die Gäste empfing - das Tablinum. Rechts oder
links vom Tablinum befand sich das Triclinium, in dem man das Essen
zu sich nahm. Das Peristyl bildete den Abschluss des Hauses und war
oft von mehreren kleinen Räumen (Cubiculum) umgeben.
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Tempel Virilis
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Ein zentrales Element in der römischen Architektur
waren mit Sicherheit die Tempel, die eine wichtige öffentliche
und sakrale Funktion zu erfüllen hatten. Entsprechend ist hier
ein konservativer architektonischer Zeitgeist festzustellen. In
republikanischer Zeit unternahm man keine Experimente mit dem
heiligen Monument. Im ganzen Reich lassen sich ähnliche, ja
fast auf den Millimeter gleiche Tempel ausfindig machen. Wie schon
im Kapitel über die Etrusker angetönt, sind die Tempel
der römischen Republik eine Verschmelzung von etruskischem und
griechischem Architekturerbe. Dach und Säulenwände der
römisch republikanischen Tempel orientieren sich mehrheitlich
an griechischen Vorbildern, während die Treppenaufstiege und
das Innere der Tempel vorwiegend nach etruskischem Vorbild
konstruiert waren. Diese Version des römischen Tempels blieb
über die ganze Zeit des römischen Reiches in seinen
Grundzügen gleich und auch in späteren Zeiten, besonders
während der Renaissance und des Barock, griff man wieder gerne
auf das Bild des klassischen Tempels zurück.
Reliefs
Die Reliefs und Friese waren eine häufig
gewählte Darstellungsweise der Römer. Auf ihnen bildeten
sie mit Vorliebe historische sowie mythologische Ereignisse ab, die
je nach gewähltem Stil in verschiedenen Bereichen ineinander
übergingen. Das früheste römische Relief von dem wir
wissen befindet sich im griechischen Delphi. Obwohl sich das Relief
auf griechischem Boden befindet,
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Ein klassisches Fries
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kann man mit Sicherheit sagen, dass es sich um eine römische
Arbeit handelt. Dazu muss man wissen, dass auf dem Fries die
Schlacht zwischen einem römischen Heer, unter Führung von
Aemilius Paullus, und einem griechischen Heer dargestellt wird. Die
historischen Quellen sagen uns nun, das eben diesem Aemilius
Paullus im Jahre 168 vor Chr. ein Relief geweiht worden ist, da er
erfolgreich gegen die Griechen gekämpft hatten. Also
lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es sich bei
besagtem Relief um eine römische Arbeit handelt.
Zu unterscheiden gibt es bei den Reliefs und Friesen
zwei wesentliche Stilrichtungen: den plebejischen Zug und den
hellenistischen Stil. Wie sich beim plebejischen Zug schon aus dem
Begriff herauslesen lässt, handelte es sich hier um eine
spezifisch römische Entwicklung. Charakterisiert wird sie
durch eine grosse Klarheit der Geschehnisse, die auf dem Relief
abgebildet werden, und eine gewisse Statik, die als Folge der
Klarheit der Ereignisse resultiert. Der hellenistische Stil ist
viel mehr von geschwungenen Linien und einer Dramatik und Spannung
geprägt. Diese Art der Reliefgestaltung leitetet sich, wie
schon so oft, von den Griechen ab, die selbst schon in diese
Technik des Darstellens verwendeten.
Abschliessend kann man sagen, dass der plebejische Zug
eher zur Darstellung von weltlichen Themen gebraucht wurde und dass
der hellenistische Stil zur Darstellung von Göttern und
mythologischen Szenen gebraucht wurde.
Porträts
Im Italien des 1. Jahrhunderts vor Chr. war die
Porträtkunst bereits eine tief verankerte Tradition. Sei
ungefähr 200 vor Chr. setzte sich in dieser Kunst der Stil des
Verismus durch. Der Verismus ist eine Form des Naturalismus, die
selbst die
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Der Jüngling von Delos
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kleinste Falte in der Haut abzubilden versuchte und auf jegliche
Idealisierung verzichtete. Der Verismus verbreitete sich bald im
ganzen Reich, wobei doch überall regionale Unterschiede
auftraten. So zum Beispiel in Griechenland, wo man den Verismus der
Römer mit dem eigenen Stil des heroisierenden Hellenismus
verband.
Speziell sind auch die stark propagandistischen
Darstellungen von berühmten römischen
Persönlichkeiten. Bei dieser Art des Abbildens wurde der
Verismus ebenfalls in einer abgeänderten Form angewandt.
Pompeius etwa liess sich zwar im grossen und ganzen naturalistisch
porträtieren, doch versuchte er ganz bewusste eine Analogie
zwischen ihm und dem berühmten Alexander dem Grossen
herzustellen, indem er seine Haare in ähnlicher Weise abbilden
liess, wie dies Alexander der Grosse getan hatte.
Wandmalerei und die zwei ersten pompejischen
Stilrichtungen
Wandmalereien schmückten die Häuser und
Gräber der Römer. Die älteste Wandmalerei, die je
gefunden wurde, datiert knapp vor dem 1. Jahrhundert vor Chr. Schon
bei dieser frühen Wandmalerei fällt die Vorliebe der
Römer für die Einteilung des Bildes in Horizontalfelder
auf. Bei diesem Beispiel sind es vier Horizontalfelder, die je eine
andere Szene illustrieren. Ein Element, welches wir schon bei den
Reliefs angetroffen haben, ist der plebejische Zug, den diese
Malerei enthält. Gleich wie bei den Reliefs legt der
Künstler mehr Wert auf die Klarheit des Bildes, als auf dessen
Eindrücklichkeit. Diese Art der Wandmalerei, wie es sie oft
gegeben haben muss im 1. Jahrhundert vor Chr., gibt uns einen
schlichten aber präzisen Einblick in historische
Ereignisse.
Die meisten Wandmalereien, die uns heute noch erhalten
sind, fand man in Pompeji, Herculaneum und in der sonstigen gegen
um den Vesuv. Dies deshalb weil der Vesuvausbruch 79 nach Chr. die
Malereien, als er die Städte und Häuser
verschüttete, unter eine schützenden Lava- Ascheschicht
konservierte. So erschienen die Wandmalereien, nachdem man sie aufs
neue wiederentdeckt hatte, so leuchtend, als wären sie gerade
erst gemalt worden.
Um die Wandmalereien genauer klassieren zu können,
wollen wir hier auf die Einteilung des Gelehrten August Mau
zurückgreifen; er war es der die Wandmalerei in vier
grundlegende Stile unterteilte: die vier pompejischen
Stilrichtungen. Zwar ist die Unterteilung in letzter Zeit vermehrt
in Kritik gekommen, weil sie sich als nicht in allen Fällen
brauchbar erwies, doch dies soll uns hier nicht weiter
kümmern, da für unsere Zwecke die Mausche Einteilung eine
willkommene Unterstützung ist. Im folgenden wird auf die
ersten beiden der vier pompejischen Stilrichtungen eingegangen
werden, da es diese zwei waren, die sich während der Zeit der
Republik entwickelten.
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Beispiel für den ersten
pompejischen Stil
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Erster Pompejischer Stil
Hausherren, die ihr Heim gerne prunkvoll aussehen
lassen wollten, aber die nötigen Mittel nicht besassen, um
sich echten farbigen Marmor liefern zu lassen, verwendeten oft die
Methode die Wände in Struktur und Farbe des Marmors bemalen zu
lassen. Damit der falsche Marmor besonders echt aussah, betonte man
den Marmoranstrich mit Putz und Stuck, so dass sich ein
dreidimensionales Bild ergab. Nach oben wurde, ebenfalls mit Stuck,
eine Kranzleiste geformt, die den Abschluss des Marmors darstellen
sollte. Diese Art der Malerei ordnet man dem ersten pompejischen
Stil zu.
Zweiter pompejischer Stil
Erste Beispiele für den zweiten pompejischen Stil
fand man im Jahre 80 vor Chr. in Pompeji selbst. Dieser Stil
beinhaltet noch wenige Reste des ersten Stil in sich, da bei
manchen Malereien immer noch mit der Methode des künstlichen
Marmors gearbeitet würde. Ansonsten ist aber der zweite Stil
nicht mit dem ersten zu vergleichen.
Die Grundstruktur, die eine Wandmalerei des zweiten
pompejischen Stils charakterisiert, waren immer entweder aufgemalte
Säulen oder aufgemalte Gesimse. Sie sollten das Gefühl
eines weiteren Raumes oder einer Raumvergrösserung (anstatt
der Wand) vermitteln.
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Beispiel für den zweiten
pompejischen Stil
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Zwischen den aufgemalten Säulen und Gesimsen
befanden sich dann die verschiedensten Sujets. Oft wurde versucht
einem das Bild einer imaginären Aussicht vorzuspielen, indem
der Künstler ganze Stadtteile malte, nur um eine realistischen
Ausblick zu erzeugen. Wunderbar geschickt und gekonnt malten die
römischen Künstler die Flächigkeit der Wand einfach
weg. Die Künstler spielten immer wieder mit verschiedenen
Perspektiven, was dem Gemalten eine besondere Vitalität gab.
So kann es durchaus vorkommen, dass - beim Betrachten einer Malerei
ein Dach von oben her gesehen wird und ein anderes, das man
ebenfalls von oben sehen sollte, sieht man von unten her.
Im weiteren Verlauf des zweiten pompejischen Stil kamen
auch zunehmend Figurendarstellungen auf. Allerdings immer noch das
Gefühl eines weiteren oder grösseren Raumes erweckend.
Bei der Darstellung von Personen, wie auch bei der Darstellung von
Gebäuden und Landschaften, gebrauchten die römischen
Kunstmaler eine spezielle Technik, die sich Luftperspektive nennt.
Bei der
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Szene aus der Villa dei Misteri
in Pompeji
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Luftperspektive werden alle Bereiche einer Malerei, die für
den Betrachter weiter hinten erscheinen sollen, blasser gemalt, als
diejenigen, die weiter vorne erscheinen sollen. Damit imitierten
sie einen Effekt, den unsere Atmosphäre hervorruft: um so
weiter ein Objekt weg von uns ist, um so verwaschener und blass
erscheint es uns.
Eine der berühmtesten Wandmalereien, die es
überhaupt gibt, ist eine Szene aus der Villa dei Misteri im
Pompeji: ein entblösstes Mädchen wird in die Rituale des
Dionysoskultes eingeweiht. Das Rot, das die Hintergrundfarbe der
Malerei darstellt, ist von unvergleichlicher Leuchtkraft und die
Gesichtsausdrücke der beteiligten Frauen sind meisterhaft
inszeniert worden.
Wandmalereien waren während der römischen
Republik und auch während des römischen Kaisertums eine
wundersame Verkleidung und Verzierung des Raumes und
versprühte eine unglaubliche Lebenskraft in den
Raum.
Mosaike
Nicht nur Wandmalereien dienten zum Schmuck der
Privathäuser und öffentlichen Anlagen, sondern auch
Mosaike waren eine allgegenwärtige Form der Kunst. Mosaike
wurden nach folgendem Schema erstellt: zu erst malte man das Bild,
das später als Mosaik erscheinen sollte, auf den Boden. Dann
wurden die sogenannten Tesserae (die Tesserae waren kleine, sehr
harte Steinstücke) zusammen mit wenig weichem Mörtel auf
den Boden gedrückt. In tage- und wochenlanger Arbeit wurden
auf diese Weise die Mosaike angefertigt. In seltenen Fällen
dienten Mosaike nicht nur als Bodenverzierung, sondern auch als
Wand- oder Deckenschmuck.
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Alexandermosaik
(4. Jhdt. v. Chr.)
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Eines der Spektakulärsten, noch zum Teil
erhaltenen Mosaike, ist das Alexandermosaik (siehe Abbildung). Es
zeigt Alexander den Grossen wie er in einer Schlacht gegen den
persischen König Darius III kämpft und misst 2.7 m auf
5.2 m. Dieses gewaltige Mosaik dürfte wohl die Kopie eines
griechischen Originals sein, das im 4. Jahrhundert vor Chr.
geschaffen wurde. Heute ist das Alexandermosaik im Museo
Archeologico Nazionale in Neapel ausgestellt.
Wandel der Kunst unter Augustus
Verwendete Literatur:
Ramage, Nancy H. und Andrew 1995: Römische Kunst. Von Romulus
bis Konstantin. Erschienen im verlag Könemann, Köln.
Englischer Originaltitel: ROMAN ART. Romulus to Constantine.