Forum und Mausoleum des Augustus und Theater
des Marcellus
Eines der ersten und bedeutesten Bauwerke, das der
Kaiser in Rom fertigen liess, war das Forum Augustum - das bis
dahin grösste Forum von Rom. Grösstenteils orientierte
sich der Bau des Forum Augustum am bereits bestehenden
Cäsar-Forum. Doch die Architekten des Augustus fügten dem
neuen Versammlungsplatz noch eine Neuigkeit hinzu. Dies waren
sogennante Exedra, halbkreisförmige Ausschweifungen die von
Säulen abgerundet wurden, an den beiden Längsseiten des
Forums. Der Tempel der die Hauptzierde des Forum darstellte war dem
Mars Ultor (Mars der Rächer) geweiht. Hierdurch kann man
bereits erkennen, dass Augustus die Gestaltung öffentlicher
Räume zu seinen Zwecken ausnützte. Indem er den Mars als
Mars Ultor darstellen liess, wiess er darauf hin, dass er den Tod
des Caesars gerächt hatte. Die erwähnten Exedra dienten
Augustus ebenfalls zu Zwecken der Selbstinszenierung; er liess dort
Statuen seiner Vorfahren errichten, die die Gloriösizität
der Gens Julia (Gens Julia = Geschlecht der Julier zu dem Augustus
gehörte) zum Ausdruck bringen sollten.
Schon zu Lebzeiten veranlasste Kaiser Augustus den Bau
seines eigenen Mausoleums, seiner Grabstätte also.
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Mausoleum des Augustus
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Gedacht war das Mausoleum allerdings als Familiengrab,
in welchem die geamte Gens Julia begraben werden sollte. Das
Mausoleum des Augustus war ein gewaltiger Rundbau mit einem
Durchmesser von 87 Metern. Gebaut wurde diese Monument unmittelbar
vor den Toren der Stadt Rom, so dass ein jeder, der die Stadt
betrat sofort die Grösse des Kaisers erkannte. Das Mausoleum
muss auf die Bevölkerung gewirkt haben wie ein riesiger
tumulus (vergleiche Etrusker) - der Grabhügel der Etrusker.
Mit dieser Verbindung wollte Augustus offenkundig die alt-italische
Tradition ehren und wiederbeleben.
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Säulentypen aus dem
Theater des Marcellus
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Ebenfalls unter Augustus wurde das Theater des
Marcellus - eines der ersten Steintheater überhaupt - gebaut.
Noch heute ist das Theater gut erkennbar und einige Anhaltspunkte
auf den Säulenmix, in dem das Theater gebaut wurde, sind immer
noch erhalten.
Denn war das Theater des Marcellus - benannt nach dem
Schwiegersohn des Augustus - aus drei verschiedenen Arten von
Säulen, deren Typen alles samt dem griechischen Vorbild
entlehnt sind, erstellt worden. Die unterste Reihe der Bogenfolge
benützte als Stütze und Dekoration zwischen den einzelnen
Bögen dorische Säulen. Im ersten Stock wurden ionische
Säulen eingesetzt und im zweiten Stock verwendete man die
korinthische Variante (Säulen siehe Abbildung).
Am Ende der augusteischen Ära schmückten zwei
weiere Theater die Gegend um das Marcellus-Theater, die somit zum
eigentlichen Theaterviertel von Rom wurde. Die Form des Theaters
des Marcellus, halbrund mit abgeschlossenem Bühnenkomplex,
setzte sich im ganzen Reich durch und war das Vorbild vieler, wenn
nicht aller, römischer Theater.
Porträts
Die Büsten- und Statuenkunst fand unter Augustus
wieder zurück zu einem klassischen, idealisierenden Stil, den
man augusteischen Klassizismus nennt. Der augusteische Klassizismus
war eng verbunden mit dem Propagandaprogramm des Augustus,
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Panzertatue des Augustus
aus Prima Porta
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welches ihn als Herrscher darstellen sollte, der über alle
Zweifel erhaben ist und obwohl Augustus es ablehnte öffentlich
als Gott dargestellt zu werden finden sich einige berühmte
Beispiel, in denen der Prinzeps unweigerlich als Gott dargestellt
wurde. So die Panzertatue des Augustus aus Prima Porta (siehe
Abbildung). Die nackten Füsse, die glatte Haut, der perfekte
Körper und besonders der kleine Cupido, der auf einem Delphin
schwimmt und neben dem linken Fuss des Augustus plaziert ist, sind
Zeichen für die Göttlichkeit Augustus'.
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Augustus als
Pontefix Maximus
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Denn mit nackten Füssen wurden mit Vorliebe die
Götter abgeildet und auch die sonstigen vollendeten
Eigenschaften des Körpers schrieb man den Göttern zu. Der
kleine Cupido verweist darauf, dass die Julier von sich behaupteten
sie stammen von der Göttin Venus ab und eben der kleine Cupido
war der Sohn der Venus.
Darstellungen des Augustus sind fast immer sofort zu
zuordnen. Dies ist nicht verwunderlich, da Augustus sich immer
genau nach dem gleichen Schema abbilden liess. Dieses Schema
beihaltete die oben erwähnten Merkmale der glatten Hau und des
perfekten Körper. Hinzu kamen noch das schöne Haar, von
dem immer drei Locken in die Stirn fielen, und die kleine Erhebung
der Nase kurz nach der Stirn. Zum Vergleich mit der ersten Statue
sei hier noch eine zweite aufgeführt, nälich, diejenige
die den Kaiser Augustus als Pontifex Maximus darstellt. Es
fällt nicht schwer, die genannten Merkmale auch auf dieser
Statue sofort zu finden. Mit dieser Art der vollkommen konsequenten
Selbstdarstellung eröffnete Augustus ein neues Kapitel in der
römischen Kunstgeschichte.
Die Ehefrau des Augustus, Livia, wurde in der gleichen
idealisierenden Art dargestellt, wie man Augustus darzustellen
pflegte. Es ist anzunehmen, dass beide - Augustus und Livia - die
"Modetrends" der damaligen Zeit vorgaben, wie das Bild einer
normalen Bürgerin aus Praeneste zeigt, die dieselbe Frisur wie
Livia getragen hatte.
Reliefkunst
Wie die Porträtkunst stand auch die Reilefkunst
ganz im Zeichen kaiserlicher Propagandadrastellung. Ein
wunderschönes Beispiel hierfür dürfte der ara pacis
augustae sein. Der Altar des augusteischen Friedens, wie die
Übersetzung lautet, ist rundum mit Reliefs geschmückt,
die alle dem Zwecke der Selbstverherrlichung des Augustus und
seiner Familie dienen. Von seinen Vorfahren übernommen hat
Augustus die beiden verschiedenen Stile der Reliefkunst: den
heimisch-italischen plebejischen Stil, der für die Darstellung
weltlicher Thmen eingesetzt wurde, und den klassizistischen Stil,
mit dem man Götterdarstellungen anfertigte.
Eine Reliefszene im plebejischen Stil zeigt eine
kaiserliche Prozession, an der die gesamte Familie (Familie im
Sinne des 20. Jahrhunderts) des Augustus und zahlreiche Senatoren
teilnehmen. Die Famile und die Senatoren bilden die beiden
Machtapparate im römischen Reich. Augustus legte grossen Wert
darauf, den Senat ebenfalls als tragende Macht im Staate
darzustellen, da dies der römischen Tradition entsprach. Doch
war diese Darstellung nur Schein. Denn in Wirklichkeit war Augustus
der absolute Herrscher über das ganze Reich und hatte mit
seinem Vetorecht den Senat vollkommen in seiner Hand.
Eine Darstellung im klassizistischen Stil zeigt, als
Pendant zur weltlichen Darstellung der Senatoren und der Familie
Augustus', die Göttin Pax (Göttin des Friedens) oder die
Göttin Tellus (Göttin der Mutter Erde). In diesem Punkt
sind sich die Experten nicht einige, wobei ich persönlich die
Variante der Pax bervorzuge, da die pax augusta (Augusteicher
Frieden) wohl das wichtigste Anliegen des gesamten
Propagandaprogramms des Augustus gewesen sein mag. Auf jeden Fall
sind auf diesem Relief deutlich die Kennzeichen des
klassizistischen Stil zu erkennen: schöne Rundungen,
vollendete Komposition und Miteinbeziehung der Landschaft. Die Ruhe
und Wohligkeit, die die Szene ausstrahlt, betonen den Frieden des
Augustus, der im ganzen Reich geherrschat hatte.
Die ara pacis augusta böte noch unendlich viel
Interpretationsmöglichkeiten uns Stilrichtungen, die man sich
genauer ansehen könnte. Und auch andere Reliefs, allen voran
diejenigen der basilica aemilia, aus der augusteischen Zeit sind
reichlich vorhanden und würden den Propagandstil des Augustus
illustrien. Solch eine umfassende Besprechung von einzelner Details
ist aber nicht das Ziel dieser Kunstgeschichte, sondern es soll ein
Einblick geschaffen werden in das römische Kunstschaffen der
verschiedenen Epochen und Jahrhundere. Also wollen wir uns nun
weiteren interessanten Aspekten der Augustuszeit zuwenden.
Wandmalerei und Stuck
Die Frau Augustus', Livia, besass zwei Häuser, die
mit zahlreichen Wandmalereien, alle gemalt im zweiten pompejischen
Stil, geschmückt waren. Sie zeugten von der
Begeisterungsfähigkeit der Römer für die Natur und
verwandelten die gesamte Wand in eine offene Landschaft. Einige der
Wandmalereine erinnerten auch an die ara pacis augustae, was zeigt,
dass auch die Wandmalereien zu einem Teil kaiserlicher
Selbstdarstellung genutzt werden konnten.
Wichtig für die Ära Augustus' ist besonders
die Herausbildung des dritten pompejischen Stils.
Wie bei den beiden vorangegangen Stilen, soll nun eine
kleine Charakterisierung folgen.
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Beispiel für den dritten
pompejianischen Stil
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Der dritte pompejische Stil unterscheidet sich von den ersten
beiden pompejischen Stilen besonders an einer Stelle sehr stark.
Ist nämlicher der dritte pompejische Stil nicht mehr
primär an einer zusätzlichen Raumgewinnung interessiert
oder an der Schaffung eine künstlichen dreidimensionalen
Gebildes, sondern an der Umsetzung von ornamentalen Pedimenten.
Dies geschah mit der Hilfe monochromer Flächenbemalungen, aus
der griechischen Welt entlehnten kleinen Vignetten, die meist
Bäume, Statuen und Menschen d arstellten, und ganz feinen,
aufgemalten Säulen.
Eine andere Art die Häuser zu schmücken
bildet sich ebenfalls unter Augustus heraus: die Stuckverzierungen
an den Decken. Man könnte sie als Reliefe, gearbeitet in Putz,
bezeichnen, die die Motive und Darstellungsweise der Wandmalerei
aufgriffen. Also eine Zusammenführung von Reliefs und
Wandmalereien.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Ära
Augustus geprägt war von Zwecken der Selbstdarstellung und der
Propaganda, wobei besonders die pax augusta, die Augustus
geschaffen hatte betonte wird, aber auch vergleiche mit dem
klassischen Griechenland und der römischen Tradition gemacht
werden. Augustus' Stil und seine Vorgehensweisen waren Vorbild
für seine Nachfolger auf dem Kaiserposten. Seine Nachfolger
lernten von den fruchtbaren Möglichkeiten der Assozationen in
der Kunst und so diente Augustus in den nachfolgenden Jahrhunderten
als viel gebrauchtes Exempel.