Der Name "Der Name "Germanen" wird erstmals von
Poseidonios (ca. 90 vor Chr.) erwähnt, durch Caesar fand er
dann Eingang in die römische Literatur. In den ersten
nachchristlichen Jahrhunderten hatten sie sich in Nordgermanen
(Skandinavien und Dänemark), in Ostgermanen (Oder- und
Weichselgebiet) und Westgermanen (zwischen Rhein, Elbe und Nordsee)
aufgegliedert und in einzelnen Stämmen voneinander
abgesondert, die sich später vor dem römischen Grenzwall
zu größeren Kriegerbünden wieder zusammenfanden.
Auf diese Weise entstanden z.B. die Alemannen und Franken am
Nieder- und Oberrhein. Von den Ostgermanen drangen die Goten am
weitesten nach Südosten vor, bis ans Schwarze Meer, wo sie
dann ein Stoß der Hunnen traf.
Die Westgoten - eigentlich Wisigoten -, die sich dem
Christentum geöffnet hatten (ihr Bischof Ulfilas
übersetzte um 350 das Neue Testament ins Gotische), eroberten
unter dem Heerkönig Alarich Italien und Rom (410), zogen aber
unter seinem Nachfolger Athaulf nach Südfrankreich, wo sie ein
Reich mit der Hauptstadt Tolosa (Toubuse) gründeten. Ihr
König Eurich (466-484) dehnte die Herrschaft auch auf Spanien
aus.
Im Norden und Westen war der Zusammenbruch der
römischen Reichsverteidigung längst im Gange. Schon 166
begann der Markomannenvorstoß durch die Donaugrenze ins
Voralpengebiet, begleitet von dem der Langobarden und Quaden, seit
der Mitte des 3. Jahrhunderts drangen die Franken in Gallien ein.
Einzelne germanische Scharen, Gefolgschaften unter Führung von
Heerkönigen fielen immer wieder auch in Norditalien ein. 406
aber durchbrachen Sweben, Alanen und Wandalen die Rheinlinie und
zogen nach Gallien und Spanien weiter. Die Wandalen wiederum gingen
429 unter Geiserich über die Meerenge nach Afrika. 439 schon
eroberte Geiserich Karthago, erhob es zur Hauptstadt und bedrohte
nun Rom wie einst die Karthager von der südlichen Flanke
her.
Im Jahre 413 hatten die Burgunder ein Reich mit Worms
als Hauptstadt gegründet, das der weströmische
Statthalter Aëtius in Mittelgallien, mit Hilfe der Hunnen 436
wieder vernichtete. In dieser Zeit erreichte der Hunnenstaat unter
König Attila (dem Etzel der Nibelungensage, die auch den
Untergang der Burgunder schildert) mit der ungarischen Tiefebene
als Mittelpunkt seine größte Ausdehnung. Attilas
Versuch, 451 durch die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (bei
Troyes in Frankreich) auch die Herrschaft über Gallien zu
gewinnen, wurde durch ein Bündnis der Westgoten, der Burgunder
und fränkischer Teilstämme unter Führung des
Aëtius vereitelt.
Bald nach Attilas Tod (453) löste sich sein Reich
wieder auf, ohne bedeutsame geschichtliche Spuren
zurückzulassen. Dadurch wurden auch die Ostgoten wieder frei,
die unter Theoderich dem Großen (493-526), dem
Überwinder Odoakers, ihr Reich in Italien errichteten, immer
noch unter der Fiktion, dass der König als Statthalter des
römischen Kaisers seine Macht ausübe. So blieben
römisches Recht und Verwaltung in Kraft. Für seinen
Stamm, dem ein Drittel des italischen Bodens als Besitz
übereignet wurde blieb Theoderich Heerkönig im
germanischen Sinne. Er wollte auch eine Verschmelzung mit der
italischen Bevölkerung durch Heiratsverbot und durch Wahrung
des religiösen Gegensatzes zwischen ostgotischem Arianismus
und italischem Katholizismus unter allen Umständen vermeiden.
Um Rückhalt im germanischen Norden zu finden, erstrebte
Theoderich ein Bündnissystem germanischer Reiche unter seiner
Führung; er scheiterte jedoch an der Politik des
Frankenkönigs Chlodwig, der zum Katholizismus übertrat,
weil er den Einfluss der gallischen Kirche zur Sicherung seiner
Macht über die einst römischen Untertanen seines Staates
brauchte.
Damit aber war der Untergang der germanischen
Mittelmeerreiche besiegelt. Die vor allem auch auf dem Hintergrund
des religiösen Gegensatzes zu verstehende Offensive der
Oströmer unter Justinian (527-565) zerschlug zunächst das
Wandalenreich in Nordafrika (Feldzug des Belisar) und danach das
Ostgotenreich in Italien, das im Jahre 555 unter dem Statthalter
Narses oströmische Provinz wurde. Nur in Oberitalien gelang
den Langobarden eine Reichsbildung von längerer Dauer
(568-774). Schließlich aber bezahlten alle germanischen
Stämme, die in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, ihre
Loslösung aus dem Stammeszusammenhang der Germanen mit dem
sprachlich-völkischen Aufgehen in der einheimischen
Bevölkerung des einstigen Imperiums. In allen ihren
Staatengründungen ergaben sich Schwierigkeiten, die aus dem
Gegensatz zwischen germanischem "Genossenschaftsdenken" und dem
Staatsapparat des römischen Erbes erwuchsen. Die Germanen
wurden so nicht zu Erben des römischen Reiches, sondern es
entwickelte sich eine neue germanisch-romanische Völkerwelt
anstelle des westlichen Imperiums, die Staatenwelt des Abendlandes.