Commodus
Kaum hatte Mark Aurel sein Leben ausgehaucht bestieg sein Sohn Commodus den Thron. Er war erst neunzehn Jahre
jung und die gute Erziehung, die er unter seinem Vater genossen hatte, gehörte bald der Vergangenheit an. Ähnlich wie
Caligula war Commodus sehr selbstsüchtig und sah sich als göttlich an. Statt sich um die Geschicke des Staates zu
kümmern veranstaltete er lieber Wagenrennen und Gladiatorenspiele. Die Führung des Staates überließ er seinen
Günstlingen. Zwölf Jahre sollte die Regierungszeit dieses launischen, skrupellosen und größenwahnsinnigen Narrens
dauern. In dieser Zeit herrschte in Rom das Chaos und die Kassen waren leer.
Zwar gab es immer wieder Versuche den Despoten zu stürzen, scheiterten leider aber immer wieder und
dies führte schließlich dazu, den sonst schon misstrauischen Kaiser noch argwöhnischer zu machen. Unterdessen gab sich
Commodus auch noch der Mystik hin und sein Glaube an die Götter ließ ihn selbst glauben er wäre ein Gott. Er rief sich
selbst zu ultimativen Herrscher über alle Einwohner des Reiches, von denen er nun alles verlangen konnte, aus. Dies war
zu viel. Mit der Angst das eigene Leben zu verlieren im Nacken wurde Commodus von seiner Geliebten und seinem
Kammerdiener im Jahre 192 erdrosselt, nachdem ein Giftanschlag fehlgeschlagen hatte.
Lucius Septimus Severus
Nach Commodus' Tod entstand ein Wirrwar um seine Nachfolge. Im Verlauf des Jahre 193 hatten nicht weniger als 4
Kaiser an der Macht gestanden, bis schließlich Lucius Septimus Severus den Thron besteigen konnte.
Die erste Aufgabe die der aus Afrika stammende Prinzeps zu bewältigen hatte bestand darin, das Volk der Nigrianer
aus dem östlichen Teil des Reiches zu vertreiben. Die Nigrianer, die schon bis Thrakien vorgestoßen waren, wurden
erst nach Kleinasien, dann bis nach Syrien zurückgedrängt. Dort kam es zu einer Entscheidungsschlacht in der die
Nigrianer von den Römern niedergemetzelt wurden. Nachdem an der Ostfront wieder Ruhe eingekehrt war musste
Severus gleich nach Gallien abreisen, um dort einem Mann aus dem eigenen Lager die Stirn zu bieten. Lange Zeit velief die
Schlacht in Gallien unentschieden bis endlich die severanische Reiterei die Entscheidung zu ihren Gunsten herbeiführen konnte.
Die militärischen Auseinandersetzungen wollten kein Ende haben und so begab sich Severus im Jahre 197 wieder in den
Osten um die einfallenden Parther aufzuhalten. Rasch hatte er die Parther wieder vertrieben und konnte sich mit dem
Ehrentitel Parthicus maximus schmücken. Zur gleichen Zeit (199) erhob Severus seinen Sohn Caracalla zum Mitregenten.
Die folgenden Jahre sollten für Severus ruhiger werden, so dass er sich mehr mit innenpolitischen Problemen
beschäftigen konnte.
Obwohl Severus sehr bemüht war das Wohl des Reiches zu erhalten und zu fördern gelang ihm doch nicht alles
wunschgemäß. Die vielen Kriege die das Reich immer wieder erschütterten zeigten langsam ihre Auswirkungen. Als
der Staat nicht mehr genügend Geldmittel besaß um die Legionen zu entlöhnen griffe er auf Naturalabgaben zurück, die
schließlich bei der sonstigen Bevölkerung zum Teil schmerzhafte Verluste herbeiführten. Später urteilte man hart über
Severus; man schrieb ihm die Schuld für den Verfall des Reiches zu. Sicher zu Unrecht. Wenn der Staatsmann
es aber auch vermochte den Staat beisammen zu halten, so störte er doch das Gleichgewicht zwischen Kaiser und Staat
erheblich, so dass es für immer verloren war. Severus starb am 4. Februar 211 eines natürlichen Todes, obschon sein
Sohn Caracalla ihn hatte vergiften wollen.
Caracalla
Alle antiken Historiker schildern Caracalla in den düstersten Farben. Gewalttätig, hinterhältig, ausschweifend, hässlich.
Seinen Mitsteiter um den Kaiserposten, seinen Bruder, ließ er kurzum umbringen.
Noch im Jahre 212 erließ Caracalla die berühmte Verordnung, die constitutio Antoniniana, Kraft deren allen Einwohner
des römischen Reiches das Bürgerrecht erteilt wurde. Caracalla hatte diese Verordnung wohl nicht aus Menschenliebe
verabschiedet, sondern dem Historiker Cassius Dio zufolge eher aus finanziellen Gründen. Um die Finanzen des Staates
auch noch auf andere Weise zu bereinigen, wurde eine neue Münze eingeführt. Die Antoniniani bestanden aus
eineinhalbmal soviel Silber wie der Denar, waren aber zwei Denaren wert. Diese Währungsmanipulation wirkte sich
ausgezeichnet auf den Staatsschatz aus.
Caracalla, der lieber zusammen mit den Soldaten an der Front weilte, überliess im Großen und Ganzen die
Staatsgeschaäfte seiner Mutter. Im Jahre 213 griff der Kaiser die Germanen am oberen Rhein und an der oberen Donau
an; er errang beträchtliche Erfolge. 214 brach er zu einer Schlacht nach Moesien und Thrakien auf, wo er Goten, Quaden
und Jazygen schlug. Er fühlte sich wie einst Alexander der Große und durchzog, ganz nach seinem Vorbild, alle Städte
die Alexander besuchte. Eine Zeit lang sah es so aus als würde es zu einem Krieg mit den Parthern kommen. Da diese
aber alle römischen Forderungen erfüllten konnte der Krieg noch einmal abgewendet werden. Caracalla setzte seinen
Zug fort und kam schließlich in Alexandria an. Dort machte man sich über seine Alexander-Immitation weidlich lustig. Der
Kaiser, an seinem empfindlichsten Punkt getroffen, rächte sich an ihnen. Er ließ ein Blutbad im Theater anrichten und zog
eine Mauer quer durch die Stadt, so dass die Bewohner der beiden Hälften voneinander abgeschnitten waren.
Unterdessen war in Parthien ein Römerfeind Großkönig geworden. Es kam zum Krieg, der aber schon im Winter wieder
beendet wurde. Caracalla wollte ihn zwar im Frühling wieder aufnehmen, aber es sollte nicht sein: Als er sich vom Lager
entfernt hatte um ein menschliches Bedürfnis zu verrichten wurde er von einem Prätorianeroffizier erdolcht. Seine
wichtigste Regierungsmaßnahme war die Verleihung des römischen Bürgerrechts an sämtliche Einwohner des Reiches,
vielleicht der schwerste Schlag den er Rom versetzen konnte.
Macrinus, Elagabal und Severus Alexander
Nach Caracallas Tod wurde Marcus Opellius Macrinus zum neuen Kaiser ausgerufen. Er führte die nach Aussen
offensive Politik des Caracalla nicht mehr weiter, sondern schloss mit den Parthern einen ungünstigen Frieden. Auch im
Donauraum beschränkte er sich auf die Verteidigung.
In der Innenpolitik versuchte er mit dem Senat ins Einverständnis zu gelangen und er wollte den Mangel an Disziplin in der
Armee und in der Verwaltung beenden. Der Sold der Legionäre wurde gekürzt und die Ritter wurden aufgefordert, die
Geschenke die sie unter Caracalla erhalten hatten zurückzugeben.
Macrinus war zwar ein kompetenter und nüchterner Beamte, aber es fehlten ihm Format und Würde eines Kaisers. Als
er hörte dass sein Sohn von Soldaten getötet worden war gab er auch sich selbst den Tod.
Anstelle von Macrinus wurde der erst vierzehnjährige Elagabal auf den Thron gehoben. Elagabal wurde als Sonnengott
des Baalkultes verehrt und sein einzige Ziel war es, der römischen Bevölkerung seinen Glauben aufzudrängen. Trotzdem
dauerte dieser Mummenschanz vier Jahre lang und alle Verrücktheiten des neuen Kaisers kosteten das Reich Unsummen.
Endlich wurde am 10. Juli 221 Marcus Aurelius Severus Alexander zum neuen Kaiser ausgerufen.
Das wichtigste Ereignis, das die kurze Regierungszeit Severus Alexanders prägte, war das Erstarken des Partherreiches
im Osten. Bislang waren die Parther durch Unstimmigkeiten zerstritten gewesen, doch nun wurden sie von König Ardascher geeint.
Sogleich griffen sie die römischen Stellungen im Osten an und die Römer mussten auch ihre ersten Verluste hinnehmen.
Die immer unsichereren Grenzen führten letztlich zum Sturz Sverus Alexanders. Damit bagann die Periode der
Soldatenkaiser.