Hatte es um 170 vor Chr. noch so ausgesehen als
könnten sich die Verhältnisse in Nordafrika mit der Zeit
konsolidieren so änderte sich im Verlauf der sechziger Jahre
das Bild. Das Königreich Numidien, das die Gebiete Karthgos,
nach dessen Niederlage gegen Rom als Verbündeter Roms
übernommen hatte, wurde unter seinem Herrscher Masinissa
wieder aktiv. Es wollte seine Gebietsansprüche auf Kosten
Karthagos, das die Römer zu Hilfe rief, weiter ausbauen. Rom
stellte sich klar auf die Seite Masinissas und zwang die Karthager
die umstrittenen Gebiete zu räumen. Dadurch sah sich Masinissa
zu weiteren Aggressionen angespornt und Karthago musste um seine
Existenz fürchten, die ohnehin schon gering war. In Karthago
erhielten die oppositionellen Kräfte, die einen
anti-römischen Kurs verfolgten, Auftrieb und Karthago begann
sich gegen die Numidier zur Wehr zu setzen. Schon trieb alles auf
einen Konflikt mit Rom zu. Aber diese ließen die Dinge zuerst
laufen, da sie in Spanien mit Problemen zu kämpfen hatten.
Währendessen machten sich die numidischen
Streitkräfte immer mehr auf karthagisches Gebiet zu erobern.
Wiederum protestierten die Karthager bei den Römern. Aber
diese wollten sich nicht an die geltenden Verträge, die nach
der Schlacht von Zama unterzeichnet worden waren, nichts wissen.
Vielmehr forderte der brillante Redner Cato die endgültige
Zerstörung Karthagos. Rom wartete, wie schon so oft, nur noch
auf eine günstige Gelegenheit den Karthagern den Krieg zu
erklären. Und diese Gelegenheit sollte sich bald zeigen.
Ohne die Erlaubnis Roms rückten die Karthager den
Numidiern entgegen. Freilich wurden die Karthager geschlagen, aber
dies reichte den Römern voll und ganz den Krieg zu
erklären. Die Karthager ahnten was ihnen bevor stand, und um
das drohende Unglück abzuwenden schickten sie zur
Entschuldigung Gesandte nach Rom, verurteilten die für die
letzten Ereignisse verantwortlichen Politiker zum Tode, und als der
Senat auch damit noch nicht zufrieden war, unterwarfen sie sich
schließlich durch den Akt der deditio bedingungslos
der Entscheidung der Römer.
Nun begann ein perfides Spiel. Der Senat nahm die
Unterwerfung an, und sicherte den Karthagern den Besitz ihres
eigenen Territoriums zu, wenn sie alle übrigen Bedingungen des
Senats erfüllen würden. Die inzwischen dort angekommenen
Konsuln unterbreiteten der karthagischen Führung die letzten
Bedingungen, die sie zu erfüllen hatten. Zuerst mussten die
Karthager alle ihre Waffen abgeben, was sie ohne murren taten. Dann
setzten die Römer alles auf eine Karte. Sie verlangten von den
Karthagern, dass sie ihre Stadt zerstören sollten und sich
mindestens zehn Meilen fern vom Meer, im Binnenland, neu ansiedeln.
Eine solche Bedingung konnten die Karthager unmöglich
annehmen, verband sie doch so viel mit ihrer Stadt. Um Zeit zu
gewinnen führte man die Verhandlungen zuerst weiter;
täuschte Entgegenkommen vor und hielt die Römer hin.
Inzwischen befestigte man in pausenloser Arbeit die Stadt, fertigte
aus sämtlichem verfügbaren Metall Waffen an und sammelte
unter Führung Hasdrubals eine neues Heer, das im Hinterland
stationiert war.
Fast drei Jahre währte dann der Kampf um die
Stadt. Nur Schritt für Schritt kamen die Römer voran,
immer wieder suchten und fanden die Karthager Mittel, um die
Römer von ihrer Stadt fernzuhalten. Im Frühjahr 146 vor
Chr. gelang es schließlich Scipio Aemilianus, durch die
Mauern in die eigentliche Stadt einzudringen. Dort wütete
zehntägige eine Straßenschlacht, bis die Stadt
endgültig fiel. Die Stadt ging in Flammen auf und die
Überlebenden wurden versklavt, das restliche Staatsgebiet dem
römischen Imperium einverleibt.
Dieselbe Zeit, in der sich in Afrika Karthagos
Schicksal vollzog, wurde in Makedonien und Griechenland die letzte
Auflehnung gegen die römische Herrschaft geprobt. In
Makedonien hatte sich in der Bevölkerung Unmut über die
unterdrückende Herrschaft der Römer breit gemacht und es
gelang einem jungen makedonischen Feldherrn, die Unterstützung
des thrakischen Fürsten zu gewinnen. Als ihm allerdings bei
Pydna ein römisches Heer von zwei Legionen gegenüberstand
verlor der makedonische Herrscher Krone und Reich. Er wurde in Rom
hingerichtet.
Die makedonischen Erhebungen hatte sich auch auf die
griechischen Stämme zurückgewirkt. Vorangetrieben von der
wachsenden Kritik an Rom begannen die leitenden Strategen des
Achaiischen Bundes, von der vorsichtigen Politik ihrer
Vorgänger abzuweichen. Der äussere Anlass dafür war
ein Konflikt mit Sparta. Ohne die römischen Vermittlungen
abzuwarten, wollte man die Dinge selber regeln. Um für allemal
Ruhe zu haben, forderte daraufhin 147 vor Chr. der Senat, die
wichtigsten Städte die seit 196 vor Chr. zum Bunde gekommen
waren, darunter Korinth, Argos und Sparta, sollten aus dem Bund
ausscheiden. Als sich die Achaier dagegen auflehnten, war der Krieg
unvermeidlich.
Rom hatte leichtes Spiel. Im Sommer 146 vor Chr. wurde
der Widerstand gebrochen und unter der Führung des Konsuln
Lucius Mummius wurde die Stadt Korinth vollständig
zerstört. Dieser Akt brutaler Zerstörung hatte mit
politischer Vernunft nichts mehr zu tun; die Mahnungen an die
Griechen, sich fortan an jegliche römische Weisung zu halten
war überflüssig.
Nach der Unterwerfung Makedoniens und Griechenlands
wurden diese beiden Staatsgebiete prompt dem römischen
Imperium hinzugefügt. Dreizehn Jahre später trug
König Attalos III. von Kleinasien den neuen Verhältnissen
Rechnung. Da er keinen Sohn besaß vermachte er
testamentarisch sein Reich den Römern, um einem Krieg aus dem
Wege zu gehen. Kleinasien ging als die Provinz
Asia in die Analen der Geschichte
ein.
Größere Anstrengungen und größere
Opfer kosteten die Kriege um Spanien. Sie sollten dreiundzwanzig
Jahre anhalten. Die römischen Truppen erlebten den Krieg hier
in seiner letzten Härte, denn der Kleinkrieg der in den
Pyrenäen geführt werden musste war von unglaublicher
Brutalität. Ein Sieg konnte wenige Tage später schon
wieder eine Niederlage bedeuten. Um erfolgreich zu operieren
hätte es eines Feldherrn von Format bedurft, aber gerade daran
fehlte es.
Die ersten Kämpfe hatten um 154 vor Chr. im
Südwesten der Halbinsel begonnen. Die Siege und Niederlagen
der römischen Truppen lösten sich gegenseitig ab und erst
als der bedeutende Führer der Spanier Viriathus gestorben war,
konnten die Römer die südwestlichen Gebiete erobern. Das
Gebiet der römischen Provinz erstreckte sich nunmehr in
breiter Front bis an die Küste des Atlantischen Ozeans.
Der zweite Kriegsschauplatz, durch die Erfolge des
Viriathus erzwungen, entstand ab 144 vor Chr. im Nordwesten des
Landes. Die Kämpfe waren kein Ruhmesblatt für die
Römer. In diesen Schlachten vereinten die Römer alle
schlechten Eigenschaften des Kriege auf einmal. Ohne zwingende Not
hatten die Römer Wortbruch, Schande und Brutalität
über die Spanier gebracht. Erst als Scipio Aemilianus, der
Zerstörer Karthagos, die Führung in Spanien
übernommen hatte wendete sich das Blatt auf des Römers
Seite. 133 vor Chr. hatte er die Kämpfe mit der kompletten
Zerstörung Numantias beenden können. Wollten die
Römer nun beweisen das sie nicht nur Schande und Leid bringen
können, so mussten sie ihre Einstellung ändern und sehen
dass man die Untertanen nicht nur ausbeuten kann, sondern dass man
auch für ihr Wohl zu sorgen hat. Die Römer standen vor
einer schwierigen Aufgabe die sie nicht ohne fremde Hilfe meistern
konnten.
Obwohl die Römer die Griechen besiegt
hatten, waren die Griechen ihnen überlegen. Zwar nicht an
Kampfeskraft, dafür aber an intelektuellem Horizont. Man
sagte: "Graecia capta ferum victorem cepit et artes intulit agresti
Latio." (Das unterworfene Griechenland überwältigt den
rauhen Sieger und brachte die Segnungen der Kultur in das
unkultivierte Land der Latiner.). Dieser Ausspruch stammt vom
römischen Dichter Horaz. Auf die Römer wirkten denn auch
viele verschiedene Einflüsse, die sie zu ihrer geistigen
Wandlung trieben.
Hinzu kam, dass die Soldaten durch ihre Kreuzzüge
in viele verschiedene Länder reisen konnten und dadurch in den
Kontakt mit den anderen Kulturen kamen. Auch durch die zahlreichen
Kriegszüge kamen Scharen von Sklaven und Kriegsgefangenen -
vor allem aus dem Osten - die den Römern ein anderes
Bewusstsein vermitteln sollten. Nicht zuletzt fehlte es an
griechischen Kaufleuten und Händlern, die sich in Rom
tummelten. Das ständige Zusammensein von Einheimischen und
Fremden bereitete den Boden für die Aufnahme neuer Gedanken
vor; nicht nur in Haushalten der großen Familien, wo die
gebildeten griechischen Sklaven sogar Vertrauensposten erhielten
und auch für die Erziehung des Nachwuchs verantwortlich waren,
sondern auch in der breiten Masse wurden die neuen Sachverhalte
ernsthaft betrachtet.
Erste Wandlungen kündeten sich in den neuen
religiösen Vorstellungen an, die jetzt in Rom Einzug hielten.
Auch diese waren größtenteils von den griechischen
Sklaven, die ihre Religion auch in der neuen Heimat ausübten,
nach Rom gebracht worden. Viele angesehene Persönlichkeiten
fühlten sich von den Götterkulten angesprochen und
trennten sich langsam von den alten Göttern.
Besonders stark war der Prozess der Hellenisierung in
der römischen Literatur zu spüren. Sie wäre ohne den
griechischen Einfluss überhaupt nicht denkbar. Im Schauspiel
wurden die griechischen Stücke zuerst übernommen und
später wurden selbst Dramen und Komödien streng nach
hellenistischem Muster verfasst. Allmählich begannen die
römischen Literaten auch mit der Produktion von verfremdeten
Stücken, die mehr auf die Bedürfnisse des römischen
Publikums zugeschnitten waren. Einige berühmten Autoren dieser
Zeit waren Caecilius (gestorben 168 vor Chr.) und Terenz (gestorben
159 vor Chr.), die beide Verfasser von Lustspielen waren. Hinzu
kamen die Verfasser von Tragödien, Pacuvius (gestorben um 131
vor Chr.) und Accius (gestoreb 90 vor Chr.).
Neben dem Drama trat auch die epische Dichtung hervor.
Die frühen römischen Schriftsteller übernahmen die
griechische Form des Hexameter und die mythische Umkleidung der
Figuren. Ein letzter Zweig war schließlich die römische
Prosa, die sich am eigenständigsten von allen drei
literarischen Künsten gebildet hatte. Allerdings konnte man
auch der Prosa nicht absprechen, dass sie ihr Wurzel in der
griechischen Antike hatte. Vor allem zu erwähnen sind die
Schriftsteller Cato und Polybios, der ein Grieche war, aber in
lateinischer Sprache schrieb nachdem er nach Rom verschleppt worden
war. Beide waren hauptsächlich auf dem Gebiet der
Geschichtsschreibung tätig, wobei sich Cato eher mit dem was
und Polybios eher mit dem warum und danach beschäftigte.
Doch sollte es noch ein, zwei Generationen dauern bis
die wirklich großen Schriftsteller der römischen Antike
geboren wurden und des Polybios Frage, ob die Herrschaft Roms ein
Segen für die Welt sei, bejaht werden konnte.
Die Gracchen - ein Zeitalter der
Revolution
Verwendete Literatur:
Dr. phil. Bleicken, Jochen et altera, 1963:
Propyläen-Weltgeschichte - Rom. Die römische Welt.
Erschienen im Propyläen Verlag, Berlin, Frankfurt, Wien.
Liberati, Anna Maria und Bourbon, Fabio 1996: Rom. Weltreich der
Antike. Erschienen im Nebel Verlag, Erlangen. Englischer
Originaltitel: Ancient Rome.
Mommsen, Theodor 1953: Römische Geschichte. Erschienen im
Buchclub EX LIBIRS, Zürich.