Vespasian
Nachdem Nero gestorben war das stürzte Land zuerst in
große Unruhe. Drei Herrscher, jedes Mal von einer Legion
gestützt, konnten die Macht im Jahre 69 an sich reissen. Doch
keiner sollte für längere Zeit an der Macht bleiben, bis
schließlich Titus Flavius Vespasianus zum Kaiser erkoren
wurde (69-79). Er begründete die Dynastie der Flavier, nachdem
die Dynastie der Julier und Claudier, die nur mit Caesar und
Octavian fähige Kaiser stellen konnten, abgelöst worden
war.
Der neue Herrscher hielt die Zügel des Landes mit
fester Hand. Das musste er schließlich auch, denn das Reich
brauchte nun einen starken Führer der es wieder ans Licht
führte. Um das Staatssäckel wieder zu füllen suchte
Vespasian nach allerlei Maßnahmen. Die wichtigsten waren die
Aufhebung der Abgabefreiheit der griechischen Provinzen und
Städte und die Neueroberung von Gebieten des heutigen Israels.
Eine schöne Anekdote besagt, dass Vespasians Sohn Titus, der
ein fähiger Feldherr war, ihm eines Tages den Vorschlag
gemacht habe für die Benutzung der öffentlichen Toiletten
Geld zu erheben. Darauf hielt ihm Vespasian ein Geldstück
unter die Nase und soll gesagt haben: "pecunia non olet",
Geld stinkt nicht.
Vespasian war auch für Änderungen im Bereich
der Adelsordnung zuständig. Z. B. rekrutierte er viele
fähige Römer in den Adelsstand, damit diese bessere
Chancen hatten ein hohes Amt zu bekleiden. Eroberungen tätigte
Vespasian im ganzen Reich. In Britannien, Afrika und im Gebiet der
Donau wurde das imperium romanum vergrößert.
Der alte Herrscher hielt sich nicht für genial und
war weit davon entfernt, sich für göttlich zu halten.
Jedenfalls war für seinen Humor der Ausspruch bezeichnend den
er auf seinem Sterbebett von sich gab: "Ach, ich glaube - ich werde
ein Gott."
Titus
Der älteste Sohn von Vespasian war schon seit langer Zeit als
sein Nachfolger bestimmt. Titus ging als ein ruhiger, friedlicher
und menschenliebender Kaiser in die Geschichte ein. Wenn er einen
Tag lang niemanden glücklich gemacht hatte fand er, er
hätte einen Tag verloren: diem perdidi. Er bemühte sich
auch sehr mit seinem Bruder im Frieden zu bleiben.
Während Titus kurzer Regierungszeit wurden Rom und
Italien von schrecklichen Naturkatastrophen heimgesucht. Drei
blühende Städte, Pompeii, Herculaneum und Stabiae wurden
durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet. Ein Jahr darauf
wütete ein riesiger Brand in der Hauptstadt der Reiches, der
viele Teile der Stadt verwüstete. Darunter das Marsfeld, das
Kapitol und das Pantheon. Titus bewährte sich bei diesen
Unglücksfällen. Er suchte die Nähe der
Bevölkerung um mit ihr das Leid zu teilen, das sie erfahren
hatte. Als am 13. September 81 Titus kaum 42 jährig verschied
war die Trauer um ihn sehr groß und ehrlich gemeint.
Deliciae generis humani - das Entzücken der Menschheit,
so hatten seine Zeitgenossen ihn genannt.
Domitian
Titus Flavius Domitianus war, bis er zum Kaiser gekrönt wurde,
die ganze Zeit im Schatten seines Vaters Vespasian und seines
Bruders Titius gestanden. Domitian war nie sehr beliebt gewesen,
was wohl von seiner misstrauischen, selbstsüchtigen und
skrupellosen Natur rührte. Obwohl Domitian alle diese
schlechten Eigenschaften einte, sollte man ihm trotzdem nicht
verreissen, leistete er doch mit seinem kühlen Verstand viel
Großes und verstand es das Reich zu führen. Domitian
wies den Weg für die künftigen Herrscher.
In seiner Regierungszeit entmachtete er den Senat immer
mehr, bis er sich schließlich das Amt des Zensors auf
Lebenszeit sicherte. Das hieß er konnte bestimmen wer im
Senat saß und wer nicht. So konnte Domitian seine Politik
durchsetzten ohne auf große Gegenwehr zu treffen im Senat.
Allerdings stieg damit natürlich die Anzahl seiner Feinde
ausserhalb des Senats.
In der Aussenpolitik verfolgte er die augustischen
Ziele. Nicht völlig defensiv, aber trotzdem keine
Offensivpolitik. Domitian ließ an der Rheingrenze einen limes
(eine militärisch organisierte Grenzverteidigung) errichten.
Auch in Britannien und vor allem an der Donaugrenze führte er
heftige Gefechte. Er konnte weder an der Donaugrenze noch an der
Rheingrenze einen entscheidenden Sieg feiern, das sollte anderen
vorbehalten sein.
Um die Masse des Volkes auf seine Seite zu ziehen
ließ er zahlreiche Bauten errichten und hielt viele Spiele ab
(u. a. war er für den Bau des Amphitheatrum Flavium, dem
Kolosseum, zuständig). Solche Investitionen kosteten Unsummen
von Geld, das wieder eingetrieben werden musste. Streng und
kontrolliert wie nie zuvor ließ Domitian die Steuern
eintreiben, um das Staatssäckel zu füllen. Er schreckte
auch nicht davor zurück, reiche Senatoren und Ritter
hinrichten zu lassen um an ihr Geld zu kommen. Dieser Terror
führte schließlich zu seiner Erdolchung. Am 18.
September wurde er von einem Angestellten in seinem Bett erdolcht.
Da die Söhne seines Vetters noch zu jung waren musste ein
anderer zum Kaiser bestimmt werden. Marcus Cocceius Nerva. Damit
war die Dynastie der Flavier beendet.
Nerva war aber nur eine kurze Regierungszeit beschert -
der damals 70 jährige starb zwei Jahre später und schon
98 vorgegangen musste ein neuer Kaiser erkoren werden. Es wurde
nicht mehr nach der alten Vorgehensweise , nach der ein Verwandter
Nervas das Amt übernehmen müsste, sondern es wurde eine
Kaiser adoptiert. Der bestmögliche Kaiser wurde gesucht. Mit
Trajan, der 98 sein Amt antrat, hatte man ihn auch gefunden.