Marcus Salvius Otho wurde am 28. April 32 n.Chr.
in Ferentium in Etrurien geboren. Seine Familie entstammte dem
"neuen" Adel, denn erst sein Grossvater erhielt von Augustus den
Rang eines Senators. Otho selbst zählte zum engeren
Freundeskreis des Kaisers Nero. Die Freundschaft zerbrach
allerdings, als Nero Interesse an Poppea Sabina zeigte (58), der
Frau Othos. Otho wurde als Statthalter nach Lusitanien entsandt,
von Poppea Sabina geschieden, die dann Nero ehelichte. Als Nero
schliesslich am 8. Juni 68 vom Senat geächtet und Galba als
Kaiser anerkannt wurde, schlug sich Otho umgehend auf die Seite
Galbas. Vor den Truppen - die Nero vermissten - spielte sich Otho
allerdings ganz als dessen treuer Freund auf. Geldgeschenke an die
Prätorianer liessen seine Gunst steigen. Otho hoffte, von
Galba als dessen Nachfolger adoptiert zu werden. Als an seiner
Stelle dann Lucius Calpurnius Piso Licinianus als Thronerbe
präsentiert wurde, kam es schnell gegen den als geizig
verrufenen und ungeliebten Galba zum Komplott unter den Soldaten,
die von Otho zum Verrat angestiftet wurden. Am 15. Januar 69
ermordeten die Soldaten Galba und Licinianus auf dem Forum Romanum.
Die Soldaten, durch Geldgeschenke und Versprechungen auf der Seite
Othos, riefen den ehemaligen Günstling Neros noch im
Prätorianerlager, wo Otho die abgeschlagenen Köpfe galbas
und Licinianus' präsentiert wurden, zum Kaiser aus. Dem Senat
blieb nur die Anerkennung, auch wenn Otho ihnen als Anhänger
des Nero mehr als suspekt war. Otho wurde von fast allen Provinzen
erkannt, nur die germanischen Truppen blieben bei ihrer Wahl ihres
Kommandeurs Vitellius (69). Ihm schlossen sich nach der Meldung vom
Tod Galbas die Truppen in Spanien und Gallien an. Otho, der nur
über die Prätorianer und weit entfernte
Truppenkontingente verfügte, bot Vitellius zuerst die Teilung
der Macht und die Hand seiner Tochhter an, was dieser jedoch
ablehnte. Otho begab sich mit den wenigen ihm zur Verfügung
stehenden Truppen auf den Marsch, um Vitellius vor einem Eindringen
in Italien zu hindern. Bei Cremona kam es am 14. April 69 zu einem
Aufeinandertreffen der Truppen, wobei Otho klar besiegt wurde. Nach
seinem Rückzug wurde klar, daß der Bürgerkrieg nur
weitere Opfer und Schlachten fordern würde. Dies war
vielleicht ein Grund für Othos nächsten Schritt: er bat
seine Familie, sich in Sicherheit zu bringen und stürzte sich
am nächsten Morgen (14. Januar 69) in seinem Feldherrenzelt in
sein Schwert. Die Truppen waren so schwer von diesem Schritt
beeindruckt, daß sich einige Soldaten gar neben dem
Scheiterhaufen Othos ebenfalls das Leben nahmen. Otho hatte in
seiner kurzen Regierungszeit (knapp 3 Monate) wenig Zeit, ein
günstiges Bild von sich zu schaffen. Bekannt für seine
Ausschweifungen und seine Geldverschwendung, besass er keinen guten
Ruf. Auch seine offensichtliche Beteiligung an der Ermordung Galbas
lassen ihn in keinem günstigen Bild erscheinen. Sein
Selbstmord war hingegen ein Schritt, der ihm die Achtung seiner
Zeitgenossen und der Historiker verschafft hat.
Verwendete Literatur:
Dr. phil. Bleicken, Jochen et altera, 1963:
Propyläen-Weltgeschichte - Rom. Die römische Welt.
Erschienen im Propyläen Verlag, Berlin, Frankfurt, Wien.
Liberati, Anna Maria und Bourbon, Fabio 1996: Rom. Weltreich der
Antike. Erschienen im Nebel Verlag, Erlangen. Englischer
Originaltitel: Ancient Rome.
Mommsen, Theodor 1953: Römische Geschichte. Erschienen im
Buchclub EX LIBIRS, Zürich.