
Der Name ?Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken? bewirkt für die meisten Leute ein Bild von aufgebürdeter Genügsamkeit und Konformität. In Wirklichkeit sind die Menschen, die heute in der früheren Sovietunion wohnen, alles andere als konform. Das Klima ist so unterschiedlich wie die Menschen und es gibt alles, von trockenen, heißen Wüsten bis zu den eisigen Polarregionen in Sibirien.
Wie kam es dazu, daß diese Menschen heute wieder in vielen fragmentierten Nationen leben? Von der Geschichte dieser Länder kann man sehen, daß es oft mit der Nahrungsproduktion zu tun hatte.
Vom 16. bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts wurde Rußland von den Zaren regiert. (Das Wort Zar stammt vom lateinischen Cäsar). Doch im frühen 20. Jahrhundert waren die gewöhnlichen Bauern vom Zar Nikolaus II schwer enttäuscht und desillusioniert, weil es für viele unmöglich war genug zum Essen zu bekommen. Der Zar konnte dieses Problem nicht lösen, aber er gründete eine Art Parlament, das Duma, das auch heute noch existiert.
Etwa zur selben Zeit erklärte Deutschland Krieg an Rußland. Der erste Weltkrieg war nun in vollem Gang. Während Nikolaus außer Haus war um Krieg zu führen, ließ sich Zarin Alexandria unter den Einfluß von Grigorz Rasputin bringen. Der sogenannte Mönch sollte angeblich Prinz Alexis von seiner Bluterkrankheit geheilt haben. Die Legende erzählt, daß einige Adelige sehr bestürzt waren über den Einfluß, den Rasputin hatte und versuchten ihn zu vergiften. Dem ?heiligen? Mann hat das Gift aber nichts angetan und auch die Geschosse der Wächter konnten ihn nicht töten. Als er versuchte von ihnen wegzulaufen, stolperte er über einen Stein, fiel ins Wasser und kam ums Leben.
Was auch immer die Legende vom Hof erzählte, die Menschen wurden ungeduldig mit der veralteten und unfähigen Regierung. Im Jahre 1917 gab es die erste Revolution und ein Jahr später, im Oktober 1918 war die zweite Revolution erfolgreich. Vladimir Lenin wurde der Führer der Bolschewistischen Regierung. Im Jahre 1922 kam Joseph Stalin an die Macht und wurde Diktator der neugegründeten Sovietrepublik. Die totalitäre Regierung kollektivierte die Landwirtschaft. Es gab kein Eigentum mehr. Alles gehörte dem Staat und der Staat war dafür zuständig, wie die Nahrungsmittel verteilt wurden. Alle fünf Jahre gab es einen neuen Fünfjahresplan, der bestimmte was und wie in den kommenden Jahren angebaut wurde und wie die Ernte dann verteilt
werden sollte.
Die Sovietunion endete 1991. Rußland, das größte Land nach dem Abbruch der Union, begann den Einfluß des Westens zu spüren. McDonald´s Restaurants wurden dort sehr populär. Trotz der vielen neuen Produkten vom Westen, blieben die meisten Russen ihrer traditionellen Nahrung treu. Man kann sie beobachten wie sie täglich frische Nahrung am Markt kaufen. Typische Lebensmittel sind Kraut, Kartoffeln, Äpfel und Sauerrahm. Die Russen leben in einem harschen Klima und daher wächst dort nicht so viel. Aus ihren Grundnahrungsmitteln machen sie aber allerhand gute Dinge, wie der
bekannte "Borscht" (eine Art Eintopf mit roten Rüben). Die meisten Gerichte sind eher einfach. Die Eßgewohnheiten der Russen unterscheiden sich von denen der Amerikaner. Die Gabeln werden dort in der linken Hand gehalten und die Messer in der rechten. Kuchen wird meist mit einem Dessertlöffel gegessen.
Obwohl die anderen Regionen der früheren Sovietunion so lange eine Einheit mit Rußland gebildet hatten, unterscheiden sie sich doch sehr bezüglich Lebensstil und Eßgewohnheiten.
Im Nordwesten befinden sich die baltischen Länder Latvien, Estonien, Lithuanien (check what these countries are called in German today). Diese Länder waren selbst zur Zeit der Sovietunion mit dem europäischen Lebensstil verbunden. Da sie am Meer wohnen, wird sehr viel Fisch gegessen. Auch Milchprodukte werden häufig in ihrer Küche verwendet.
Lithuania ist auch heute noch ein landwirtschaftliches Land, Estonien und Latvien sind mehr industrialisiert.
Südlich der Baltischen Staaten liegt die Ukraine. Dieses Land wurde früher der Brotkorb der Sovietunion genannt. Der Name war gerechtfertigt. Der französische Autor Honore de Balzac beschrieb nicht weniger als 77 Brotsorten, die in der Ukraine gebacken wurden. Die Bewohner der Ukraine behaupten, daß niemand zählen könnte wie viele Kuchensorten sie herstellen. In dieser Gegend wird auch sehr viel Zucker produziert. Die
Leute dieser Gegend sind weltbekannt für ihre Gastfreundschaft. Gästen wird häufig Khlib i sil serviert. Das ist eine spezielle Brotsorte, das mit Salz bestreut wurde. Noch berühmter sind die ukrainischen Ostereier. Die Eier werden ausgeblasen und die Schalen werden wunderschön dekoriert.
Setzen wir nun unsere Reise durch die frühere Sovietunion fort und reisen wir weiter zu einer Region östlich von der Ukraine, dem Kaukasus. In dieser Region befinden sich das Kaukasusgebirge und die Länder Georgien, Azerbaijan und Armenien. Diese Länder, aber ganz besonders Georgien, sind bekannt für ihren Wein. Wenn man in Georgien in einem Restaurant Wein bestellt, fragt der Kellner wie viele Flaschen man denn gerne möchte. Essen und Trinken beeinflußt diese Region so sehr, daß es
sogar eine Geschichte von der Schaffung der Welt gibt, die mit dem Essen zu tun hat: Als Gott jeder Menschengruppe ein Stück Land schenkte, hatte er die Menschen in Georgien vergessen. Sie waren auf der Seite des Weges gesessen und hatten gut gegessen und getrunken. Als Gott sie schlußendlich dann fand, war kein Stück Land mehr übrig für sie. Der Führer der Georgier sprach mit Gott und gab ihm zu verstehen, daß während Er den anderen ein Stück Land schenkte, haben die Georgier schon die Schönheit der Schöpfung Gottes gefeiert. Gott war beeindruckt und schenkte ihnen das schönste Stück Land der Welt, das er eigentlich für sich selber aufbehalten hatte.
In Georgien, Azerbaijan und Armenien wohnen auch die Menschen, die die Russen "Dolgozhiteli" oder Lang-Lebende nennen. Diese Leute können bis zu 160 Jahre alt werden. Wie ist das möglich? Dr. Alexander Leaf vom Massachusetts Gerneral Hospital untersuchte diese Behauptungen und interviewte mehrere sogenannte Dolgozhiteli. Diese führten ihr langes Leben vor allem auf ihre Ernährung zurück. Sie aßen sehr viel Gemüse und Quark. Sie standen auch sehr früh jeden morgen auf und badeten danach in einem kalten Bach, egal wie kalt die Lufttemperaturen waren. Dr. Leaf zweifelte aber an deren Anspruch.
Weiter östlich befinden sich die zentral asiatische Nationen Kazakhstan, Turkmenistan, Tajikistan, Kirgyzstan und Uzbekistan. Diese Gegend ist eine Kreuzung vieler Kulturen, wegen dem Handel entlang der "Seidenroute", die in dieser Gegend entlang ging. Kazakhstan, die größte dieser Nationen, produziert ungeheure Mengen von Getreide. Ca. 200 000 Nomaden leben dort. Sie züchten vor allem Schafe. Tajikistan ist Kazakhstan ähnlich. Auch dort leben viele Nomaden, die in ihren tragbaren Zelten (Yuriks) wohnen. Turkmenistan besteht hauptsächlich aus Wüste, aber in manchen Gegenden gibt es Landwirtschaft. Dort wird Alfalfa angebaut, das zur Fütterung der Schafe dient. In Kirgyzstan gibt es hauptsächlich Pferde. Diese werden vor allem für den Gütertransport verwendet. Pferdefleisch wird auch gegessen, doch die Leute von Kirgyzstan behaupten, daß sie niemals ein Pferd essen würden, das schon einmal einen Sattel getragen hat.
Uzbekistan ist ein weiteres Land, das vor allem traditionelle Weisen des Kochens und Essens verwendet. Selbst Lebensmittelgeschäften steht man skeptisch gegenüber. Flache Brotlaibe werden täglich von Frauen in
Steinöfen gebacken. Zu diesem Brot (Lepeski) gibt es oft Klöße (Manty) und Reis (Plov). Die Speisen werden auf einem großen, zentral gelegenen Teppich (Bukhara) eingenommen.
Am weitesten im Norden leben die einheimischen Völker der Sibirischen Steppe. Deren Lebensweise mußte sich an das harsche und bittere, kalte Klima anpassen. Eines dieser
Völker, die Chukchis, lebten haupsächlich von den Früchten des Meeres. Ihre Hauptnahrung bestand aus Seehunden, Walen, und Renntieren. Abgesehen vom Essen hatten diese Tiere für die Chukchis noch viele andere Nutzungen. Z. B. verwendeten sie das Fett der Wale als Öl für die Lampen. Die Stoßzähne der Walrosse dienten als Schlittenschienen. Aus dem Fell der Renntiere wurde Kleidung genäht und sie bedeckten damit auch ihre Hütten, die sie Yarangi nannten. Diese sibirischen Kulturen blieben lange isoliert von dem Rest der Welt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts lebten die Chukchis noch wie in der Vorgeschichte. Erst 1037 fing die Sovietregierung an, ihnen eine geschriebene Sprache beizubringen.
Ein Grund warum die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken aufgelöst wurde, ist der, daß jede Kultur jedes Volkes in diesem großen Land so unterschiedlich und einzigartig ist. Jede Kultur hatte ihre eigene Art ihre Ernährung zu gestalten, vom Khlib i sil der Ukraine zum Manty von Uzbekistan. Die Vielfalt der Nahrung reflektiert das unterschiedliche Klima, die verschiedenen Bräuche und Sitten, ja die Einzigartigkeit jeder dieser Kulturen selbst.
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Mache Borscht
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