
Italien ist auf der ganzen Welt für ihre ausgezeichnete Küche bekannt. Wann hat all dies begonnen? Die Renaissance (auf deutsch bedeutet das Wiedergeburt) war eine Zeit der künstlerischen und wissenschaftlichen Wiederbelebung. Mit der Ernährung hat sich in dieser Zeit auch viel geändert.
Als Marco Polo, der berühmte Händler und Eroberer, vom Fernen Osten wieder nach Italien zurückkam, begann die italienische Nahrungsrenaissance. Er brachte viele Gewürze und neue Lebensmittel von China und er hatte dort auch gelernt wie man Speisen anders kochen und würzen kann. Seit dieser Zeit begannen die Leute Fleisch und andere Gerichte mit Obst und Wein und Gewürzen langsam zu garen. Eine andere Idee von China war das Mahl mit einem Stück Obst zu beginnen.
Das Zentrum der Kochrevolution war Florenz, was auch der Hauptort für Künstler und Wissenschaft5ler dieser Zeit war. Dort entstand die erste Kochakademie, die Campagna de Paiolo. Nur 12 Mitglieder gehörten zu dieser Akademie und jedes Mitglied mußte eine neue Speise erfinden. Eine dieser Erfindungen war eine bunte Gelatinspeise, eine Vorläuferin des heutigen Jell-O (in Amerika wird sehr viel Jell-O gegessen.)
Die Leute in Florenz aßen meist zwei Mahlzeiten, eine am Vormittag und dann noch eine am frühen Abend. Für die ärmeren Leute von Florenz war Brot recht teuer. Sie aßen es mit Obst und Gemüse. Fleisch gab es nur am Sonntag.
Die Speisen der Mittelklasse waren etwas abwechslungsreicher. Sie aßen Obst oder Salat mit Fleisch aller Sorten, von Taubenfleisch bis Leber. Sie genoßen auch Ziegenkäse mit Trauben und Feigen. Die Mittelklasse war auch für die Vielfalt der Nudeln verantwortlich. Zu dieser Zeit wurden Nudeln allerdings nicht mit Maschinen gemacht. Die Köchin machte den Teig und brachte ihn zum Bäcker, der ihn ausrollte und ihn dann in verschiedene Formen schnitt.
Die Reichen hatten noch mehr Speisen zur Auswahl. Gäste wurden oft mit einer verschwenderischen Tafel überrascht. Für ein Festessen gab es zuerst Obst oder Berlingozzo (eine Art Kuchen). Kalbfleisch mit Wurst, gebratenes Huhn, Tauben und/oder Forellen wurden als Hauptgericht serviert und danach gab es noch Käse und Nachtisch.
Manieren waren bei einem Renaissancefest serh wichtig. Es galt als Häflich, sich mit dem Tischtuch den Mund abzuputzen, doch durfte man sich die Ohren mit den Fingern nicht ausputzen. Höfliches Spucken war erlaubt, doch angebissenes Obst durfte man nicht einem Nachbarn anbieten. Gabeln wurden weiterhin kaum verwendet. Eine Prinzessin von Konstantinopel (Istanbul) brachte die Gabel nach Venedig. Die Prinzessin aß nie etwas mit ihren Fingern. Sie verwendete immer eine goldene Gabel. Sie starb später an einer furchtbaren Krankheit und die Leute von Venedig schoben die Schuld der Gabel zu.
Als Getränk mit dem Mahl gab es für die Reichen jetzt seit Neuem Kaffee. Kaffee war zu dieser Zeit noch ein exotisches Getränk, das vom Nahen Osten kommend, in Venedig eingeführt wurde. Wein blieb aber nach wie vor das Hauptgetränk.
Die ausgezeichnete italienische Küche beeinflußte die Franzosen. Als Katharina von Medici nach Frankreich heiratete, brachte sie mit sich die besten Konditoren und Bäcker.
In Italien kümmerten sich die reichen Bewohner sehr wenig darum, wo ihre Lebensmittel herkamen. Bauern waren wenig geachtet. Manch Leute behaupteten sogar, daß Ochsen genauso dumm sind wie die Männer, die die Pflüge bedienten. Bauern waren oft Sklaven gleichgesetzt und oft wurden Sklaven auf Bauernhöfen angestellt um das Land zu bebauen. Die Sklaven bekamen karge Nahrung und Unterkunft, während die "freien" Bauern sich alles selbst besorgen mußten. Der einzige Vorteil für Bauern war, daß sie eventuell einen anderen Beruf finden konnten.
Die Bäcker hatten einen sehr wichtigen Beruf. Der Teig wurde zu Hause gemacht und dann am frühen Morgen zum Bäcker gebracht. Das fertige Brot konnte dann am Nachmittag abgeholt werden. Die meisten Häuser hatten zu dieser Zeit noch keinen Backofen. Manch ein Bäcker schwindelte gerne und die Leute konnten nie wissen, ob sie wirklich genug Brot zurückbekamen.
Viehbestand war ebenso bedeutend in der Renaissance. Schweine waren besonders beliebt. Schweineblut wurde gesammelt um schwarzen Pudding zu machen. Schweinefleisch wurde auch sehr gerne gegessen, obwohl manch
Leute behaupteten, daß man davon Lepra bekommen würde. Rindfleisch wurde auch verwendet, doch die Rinder dieser Zeit waren kleiner und wogen nur ein Drittel von den heutigen Kühen.
Venedig war das Handelszentrum Italiens und Handel wurde weltweit geführt. Seemänner aßen allerdings ganz andere Speisen als die Leute auf dem Land. Alkoholische Getränke waren beliebter als Wasser, denn frisches Wasser war rar. Gesammeltes Regenwasser war ihre einzige Quelle für salzfreies Wasser. Salz war für die Seemänner sehr wichtig. Die Lebensmittel, die sie auf ihren langen Reisen verspeisten, wurden dadurch haltbar gemacht. Sie aßen getrocknete und gesalzene Erbsen, Linsen, Käse, Fisch und gesalzenes Scheine- und Rindfleisch. Das Brot war bald alt und war auch sehr salzig. Das Salz sollte die Würmer davon abhalten, Löcher ins Brot zu graben. Öfen um Brot zu backen, gab es auf den Schiffen nicht.
Während der Renaissance macht Italien enorme Fortschritte auf dem Gebiet der Kunst, Kultur, Technologie und Wissenschaft. Auch mit der Nahrung ging man weit über die Grundnahrungsmittel hinaus und man nahm so an der Wiedergeburt und Revolution teil.
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