Das Mittelalter (im allgemeinen meint man damit die Zeit zwischen 500 und 1500 nach Christus in Europa) war eine Zeit großer sozialer und wirtschaftlicher Veränderungen. Die Mehrheit dieser Änderungen haben sich auf Grund von Nahrungsmitteln begeben.

Nach dem Sturz des Römischen Reiches um 476 nach Christus, überfluteten die sogenannten barbarischen Stämme Europa. Goten, Alemannen, Vandalen und Franken waren selbständige und unabhängige Völker, die große Teile von Europa beherrschten. Der Handel von Gütern und Nahrungsmitteln existierte kaum. Die Mahlzeiten der Barbaren bestanden hauptsächlich aus Milch, Käse, und viel Fleisch. Landwirtschaft gab es kaum.

Eine große Änderung ereignete sich um ca. 1000 nach Christus, wenn gewöhnliche Bürger von den kleinen Ansiedlungen aufs Land zogen. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten wurden fast 90 Prozent der Leute des Mittelalters Bauern.

Was war die Ursache dafür? Der Hauptgrund war, daß neue landwirtschaftliche Geräte entwickelt wurden, vor allem der Pflug. Dadurch konnte die Erde leichter bebaut werden. Auch haben sie gelernt, daß viel mehr produziert werden konnte, wenn sie nicht jedes Jahr die gleichen Pflanzen im gleichen Feld anbauten. Sie nannten das Fruchtwechselanbau. Im ersten Winter säte der Bauer Weizen. In einem anderen Feld baute er dann im Frühjahr Erbsen, Bohnen und anderes Gemüse an. Das dritte Feld wurde brach gelassen, damit sich die Erde erneuern konnte. Im nächsten Jahr wurde der Anbau rotiert. Dieses neue System brachte den Bauern viel mehr Nahrung.

Die größere Nahrungsproduktion bewirkte eine Bevölkerungsexplosion im Mittelalter. Doch die ansteigende Bevölkerung und die gute Wirtschaft auf dem Land brachte mit sich viel Arbeitslosigkeit in den Feldern. Die Söhne und Töchter, die in der Landwirtschaft nicht gebraucht wurden, zogen dann wieder in die Städte. Damit die jetzt größeren Städte funktionieren konnten, wurde ein ausgebreiteter Handel notwendig.

Nahrungsmittel verursachten auch die Kreuzzüge, der sogenannte heilige Krieg. Um 1097 waren viele Männer arbeitslos und unruhig. Zudem brauchten die Städte den Handel mit dem Osten. Um die Reiseruten zu beschützen und um den Männern Arbeit zu geben, erklärte der Papst Krieg gegen die Moslems im Heiligen Land.

Die neuen landwirtschaftlichen Methoden haben den Lebensstandard der gewöhnlichen Bürger gehoben. Die Leute aßen jetzt Schinken, Fisch, Geflügel, Muscheln, Eicheln, Karotten, Zwiebeln und Ähnliches. Trotz der Vielfalt der Nahrung, waren die Winter hart und es war dann sehr schwierig Nahrungsmittel zu bekommen. Das Feudalsystem, das zu dieser Zeit existierte, machte es den Bauern auch besonders schwer. Die Grundbesitzer schafften dieses System. Die Bauern waren oft Leibeigene der reichen Grundbesitzer. Die Grundbesitzer versprachen den Bauern Schutz, doch dafür mußten die Bauern mit den Früchten ihrer Arbeit und mit Militärdienst bezahlen. Die Leibeigenen wurden oft von den Herren ausgenützt und diese konnten sich nicht wehren, da sie total von ihnen abhängten. Die Kluft zwischen den wohlhabenden Grundbesitzern und den armen Bauern zeigte sich vor allem in ihrer Speise. Die Grundbesitzer labten sich an guten herzhaften Mahlzeiten mit viel Fleisch und anderen Leckereien, während die Leibeigenen meist nur dunkles Brot und alten Käse aßen. Außerdem hatten die Grundbesitzer Zugang zu einem Gewürz, das wir heute für selbstverständlich nehmen: Salz.

Im Mittelalter war Salz sehr rar und wertvoll. Salz wurde vor allem als Preservierungsmittel von Fleisch verwendet, da es zu dieser Zeit keine Gefriertruhen gab. Salzen war die einzige Möglichkeit das Fleisch auf Dauer genießbar zu behalten. Die Grundbesitzer führten oft eine teure Salzsteuer ein. Den Leibeigenen blieb nur die Wahl entweder die Steuer zu bezahlen, oder verdorbenes Fleisch zu essen. Es gab mehrere Revolten wegen dem Salz.

Zucker hingegen wurde überall vielseitig verwendet. Im sechzehnten Jahrhundert wurden Zuckerskulpturen in Italien sehr beliebt.

Die Nahrung im Mittelalter war ungefähr so instabil wie die Gesellschaftsstruktur selbst. Im Jahre 857 begannen viele Bauern zu sterben. Ein Pilz, Ergot, verbreitete sich im Weizen. Dieser Pilz ist der heutigen Droge LSD ähnlich. Auch andere Schädlinge haben diverse Pflanzen angegriffen.

Wie du dir vorstellen kannst, war der Hunger ein großes Problem. Es gab kaum eine Generation die keine Hungersnot erlebte. Während dieser Krisen ist Kannibalismus unvermeidlich populär geworden. Gruppen von Banditen töteten Reisende und verkauften dann das Fleisch zu sehr hohen Preisen. Sie nannten es "zweibeiniges Hammelfleisch". Die Legenden von Werwölfen und Vampiren hatten in dieser Zeit ihre Ursprünge.

Speisen brachten auch den "Schwarzen Tod" mit sich. Durch das massive Ansteigen des Handels, gab es in jeder Stadt jetzt große Märkte. Hygieneprobleme waren unvermeidbar. Weggeworfene Nahrungsreste wurden Goldminen für Ratten, die mit sich Läuse führten, die wiederum die Pest mit sich brachten.

Die Klöster waren jedoch Oasen von Ruhe und Unabhängigkeit im Mittelalter. Jedes Kloster war eine komplexe Gesellschaft, die sich total selbst erhielt. Wegen ihrer großer Landwirtschaften und dem regen Handel, wurden die Klöster oft Zentren der Städte. Mönche schrieben vor was gegessen werden durfte. Freitag war immer schon ein Fasttag, an dem kein Fleisch gegessen werden durfte. Doch die Mönche hatten ganz eigentümliche Regeln in bezug auf Fleisch. Eier und alle Tiere, die im Wasser wohnten, wie zum Beispiel Fische, Frösche und Biber waren kein Fleisch. Eine sehr bizarre Speise, die nicht als Fleisch galt, waren neugeborene Hasen. Die Mönche sollen Hasen so gerne gegessen haben, daß sie die ersten waren, die Hasen gezähmt haben. Dies machte es ihnen leichter neugeborene Hasen zu essen.

Obwohl das Kochen nach Rezepten sehr schwierig war, wurde das erst Kochbuch im Jahre 1375 veröffentlicht. Es hieß "Le Vaiandier de Taillevent". Allerdings brachte dieses Kochbuch kaum Veränderungen für die gewöhnlichen Leute, da sie immer alle Nahrungsmittel in einem Kessel (pot au feu) kochten. Alles was eßbar war wurde in diesen Kessel gegeben und daraus entstand ein Eintopfgericht. In guten Zeiten wurde dazu ein Stück Fleisch oder eine Art Weizenpudding serviert. Dieser Weizenpudding war sehr populär, weil er so gut zum Eintopf passte.

Mit den Eßmanieren nahm man es nicht so genau im Mittelalter. Besteck gab es äußerst selten. Wenn jemand ein Messer besaß, so benützte er es um Fleischstückchen aus dem gemeinsamen Topf aufzuspießen. Löffel gab es noch seltener als Messer und Gabeln wurden überhaupt nicht verwendet. Die Gabel wurde sehr lange abgelehnt. Sogar bis 1896 durften Mitglieder der Englischen Kriegsmarine keine Gabeln verwenden, da diese als "unmännlich" galten. Auch Geschirr gab es zu dieser Zeit kaum. Alte, harte Brotscheiben wurden ab und zu statt Tellern verwendet. Nach dem Mahl gab man die mit Soße und Eßresten aufgeweichten Brote entweder den Leibeigenen oder den Hunden. Finger waren das beste Besteck. Die reichen Leute langten mit ihren Händen über den Tisch und holten sich was ihnen schmeckte. Dabei wurden die Finger, Hände und Arme voll mit Soßen und Fett, aber das machte ihnen nichts aus. Die Hände wurden danach einfach abgeschleckt. Sie kratzten sich auch oft mit den schmutzigen Fingern, was wiederum Läuse zu einem Mahl einladete. Läuse waren in der Zeit ein großes Problem. Wer weiß wie viele Läuse mitverdaut wurden, wenn die Männer, nachdem sie sich gekratzt hatten, wieder mit ihren Händen aßen. Wie gesagt, Hygiene war keine große Priorität. Furzen und Rülpsen waren Zeichen, daß es geschmeckt hat.

Schließlich wurden solche Tischmanieren zu viel für manche Leute und das erst "Höflichkeitsbuch" wurde veröffentlicht. Es verbot, daß man sich bei Tische kratzt und das Furzen war auch nicht mehr erlaubt.

Die Nahrung war zuständig für die Kreuzzüge und die Pest, aber sie brachte auch wichtige soziale und wirtschaftliche Veränderungen, die bis in die Renaissance dauerten.

Mache Mary Caboges (Kraut mit Gemüse)
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