Auch wenn die Azteken das 365 Tage dauernde Jahr kannten, unterschied sich ihr Kalender von allen bisher genannten. 1760 fand man in Mexiko City einen runden Kalenderstein (1,20 Meter hoch, 22 Tonnen schwer und mit einem Durchmesser von 3,65 m). Der Stein, der heute in einem Museum ist, hat eine ebene Oberfläche, auf der verschiedene Symbole und Hieroglyphen eingemeisselt sind. In der Mitte befindet sich das runde Gesicht ihres Sonnengottes Tonatiuh und um diesen innersten Kreis sind mehrere Ringe gemeißelt. Im ersten Ring sind vier wichtige Symbole abgebildet: Jaguar, Wirbelstürme, Vulkanausbrüche und sintflutartiger Regen. Der Stein steht nämlich nicht nur für den Beginn der Welt, sondern auch für ihr Ende. Jedes dieser vier Symbole steht für die Zerstörung einer der vier vorangegangenen Welten, oder Sonnen, wie sie die Azteken nannten. Sie glaubten, daß sie in dem fünften und letzten Zeitalter lebten. Die Prophezeihung erfüllte sich tatsächlich und zwar mit dem Eintreffen der spanischen Eroberer.
Die Azteken hatten eine besondere Art der Huldigung ihres Sonnengottes. Wenn ein Krieger nach Ablieferung seines vierten Gefangenen in die höheren Ränge aufgestiegen war, bekam er die Möglichkeit als Adleroder Jaguarkrieger dem Sonnengott zu dienen. Diese Elitetruppen nahmen sowohl Adelige als auch einfache Bürger in ihre Reihen auf, doch gab es Unterschiede bei den Privilegien. Die Adeligen waren z.B. von Steuern und Tributzahlungen befreit, sie durften sich Konkubinen halten, Menschenfleisch essen und im königlichen Palast dinieren. Der einfache Bürger erhielt ein Stück Land und seine Kinder erbten seinen gesellschaftlichen Status.
Die Maya bauten einen Tempel, der wie ein Observatorium aussieht. Die Fenster wurden auf den Lauf der Sonne ausgerichtet und zwar so, dass sich die als Götter verehrten Gestirne an bestimmten Tagen in diesen Öffnungen zeigten, um den Menschen ihre Gunst zu versichern. Für die Maya war die hellstrahlende Venus, die vor der Sonne aufgeht und nach ihr untergeht, ein Zwilling der Sonne und eine Kriegsgottheit. Sie entwickelten schon zwischen 300 v.Chr. und 250 n.Chr. einen Kalender, den sie auf Steintafeln einmeisselten. Durch Beobachtungen der Sonne, der Venus und des Mondes berechneten sie das Sonnenjahr (365 Tage), den Mondmonat (bis auf 23 Sekunden genau) und den Venuszyklus (584 Tage). Sie beobachteten auch Mondund Sonnenfinsternisse und die Priester konnten sie sogar voraussagen, wohingegen das restliche Volk es als ”geheimnisvoller Zauber“ ansah. Die Maya entwickelten spezielle Glyphen, die diese Finsternisse darstellten.
Die Inka in Peru machten ähnliche Beobachtungen. Auf dem Machu Picchu steht ein Tempel mit einem halbrunden Turm. Durch dessen trapezförmiges Fenster könnten die Priester zur Wintersonnenwende den Gang der Sonne verfolgt haben. Natürlich hatten die Inka auch einen Sonnengott, den sie Inti nannten und um den sich ein richtiger Kult entwickelte. Die Könige dieses Volkes hatten den Titel ”Sohn des Inti“. Auf ihrem Stadtgelände stand ein ”intihuatana“, ein grosser Stein, an dem die Inka dem Sonnengott huldigten. Der Name des Steins lautet übersetzt: ”Stein, an dem die Sonne festgebunden wird“. Möglicherweise beobachteten die Priester an bestimmten Tagen des Jahres die Sonne. Da der Stein größer ist als die Menschen damals waren, könnte die Sonne z.B. am Tag der Wintersonnenwende, was ein sehr hoher Feiertag bei den Inka war, direkt dahinter verschwunden bzw. aufgegangen sein.
Dem Sonnengott gehörten sogar eigene Felder auf dem Gebiet der Inka, die von den Bauern bzw. Untertanen oder gar Sklaven bestellt werden mußten.
Wohl auch durch diesen Kult bildete sich eine Vereinigung von Frauen, die sich selbst ”Mamacuna“ (die Spanier bezeichneten sie als ”Jungfrauen der Sonne“) nannten. Auserwählte Frauen wurden in einer Zeremonie mit dem Sonnengott vermählt. Danach wurden sie als Priesterinnen in die Tempel des Reichs entsandt, wo sie Riten zelebrierten und Speisen zubereiteten, die als Opfer dargebracht wurden. Vom Volk wurden sie sehr verehrt, zumal sie doch die Gemahlinnen des Sonnengottes waren. Sie waren strengen Keuschheitsregeln unterworfen und wer dagegen verstiess, wurde mit dem Tode bestraft. Aber auch sonst konnte es vorkommen, daß die ”Mamacuna“ im Rahmen einer Kulthandlung als Opfer für Inti getötet wurden. Inti bekam aber auch Kinderopfer. Die Priester suchten die hübschesten Kinder für Inti aus, was für deren Eltern eine grosse Ehre war. Dann wurden die Kinder in die kalten Höhen der Anden geführt, wo ihnen eine kleine Grabkammer bereitstand. Die Kinder wurden zunächst betäubt und anschliessend lebendig begraben.
Die Verflechtung von Kirche und Staat bestimmte das Leben. Die InkaPriester nahmen dem Volk die Beichte ab, wohingegen der Monarch seine Sünden gleich Inti persönlich beichtete.
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