Viele alte Völker, wie z.B. die Ägypter, Kelten oder Inka, verehrten die Sonne wie einen Gott und meistens hielten sie ihre Könige oder Häuptlinge für direkte Nachkommen oder sogar Brüder des jeweiligen Sonnengottes. Solche Sonnenverehrungen findet man bei fast jeder alten Kultur
Bei manchen VĈlkern ging es sogar über den Glauben hinaus. Sie fingen irgendwann, an die Himmelskörper zu beobachten und erstellten Kalender. Andere konnten durch diese Beobachtungen die Mondund Sonnenumlaufszeit errechnen und manchen war es sogar möglich eine Mondoder Sonnenfinsternis voraussagen.
Alle Völker versuchten die Geschehnisse am Himmel zu erklären, egal, ob es sich hierbei nur um die tägliche Sonnenbewegung oder gar um Finsternisse handelte. Dabei waren sie äusserst kreativ. Viele Völker glaubten, dass ihr Sonnengott aus Wut über das jeweilige Volk eine Sonnenfinsternis verursachte. Sofort begannen die Menschen ihren Gott mit Gebeten oder Opfern (oft auch Menschenopfern) zu besänftigen.
Ich möchte nun zu einer kleinen Weltreise durch den Glauben einiger untergegangener Kulturen an die Sonne und die damit zusammenhängenden Riten einladen.
Beginnen wir bei den Kelten, die auch gleich die Außnahme sind, denn ihr Kalender hatte nichts mit der Sonne zu tun. Ihre Druiden beobachteten nämlich die Mondzyklen und maßen die Länge der Nächte. Sie erschufen einen Kalender, in dem sie alle Daten festhielten. Auch ihre Festtage richteten sich nach diesen Messungen. Als heilige Wächter über das Kalenderjahr bestimmten sie, wann die Saat ausgebracht oder das Vieh zur Sommerweide oder von ihr zurückgetrieben wurde und welche Zeit für den Krieg am günstigsten war. Bei dieser Berechnung und Beobachtung des Mondes und auch der Sonne spielten Steinkreise, wie z.B. Stonehenge, eine wichtige Rolle. Bestimmte Steine kennzeichneten die Stellen an den am 21. Juni und am 21. Dezember die Sonne und der Mond aufgingen.
Die Kelten versuchten, wie andere Völker auch, die Bewegung der Sonne zu erklären: ein Kormoran, ein heiliges Tier, zog die Sonne auf ihrer Bahn.
Ihre "Nachfahren", die Germanen , wussten Finsternisse bildhaft zu erklären. In ihrer Mythologie existierten zwei Wölfe, die von den Riesen abstammten. Sie hiessen Hati (Haß) und Sköll (Stürmer). Diese beiden Wölfe jagten die Sonne und den Mond über den Himmel. Konnten sie sich an einem dieser Himmelskörper festbeißen, so gab es eine Finsternis.
Die Griechen erklärten die Bewegung der Sonne mit Hilfe ihres Sonnengottes Helios, der in einem goldenen Streitwagen sass und damit über den Himmel fuhr.
Die Reise führt uns über das Mittelmeer zu den Ägyptern. Sie hatten auch einen Sonnengott den sie Re nannten. Auch ihr Gott bewegte sich über den Himmel und zwar in einer sogenannten Barke, einem länglichen Boot, dessen Enden sich spitz nach oben bogen. Am Tag glitt er in einer Sonnenbarke über den Himmel. In der Nacht mußte er durch die Unterwelt fahren, wobei die Ägypter immer befürchteten, Re würde am nächsten Morgen nicht wieder mit seiner Barke am Horizont erscheinen.
Re wurde in Ägypten stark verehrt. Es kam sogar zu einem regelrechten Sonnenkult. Dieser Kult beeinflußte auch die Bauweise der Pyramiden. Zu Beginn der ägyptischen Hochkultur wurden schon solche Grabmähler gebaut. Sie glichen jedoch mehr den Pyramiden der Maya oder der Azteken in Mittelamerika: große, "künstliche" Stufen führten zur Spitze. Der Bau der Pyramiden, wie wir sie kennen, wurde erst von dem Pharao Cheop (um ca. 2560 v.Chr.) veranlaßt. Er war gerade dabei, sein Grab zu planen. Er dachte, Re könnte ihn nach seinem Tod auf den Stufen der Pyramide hinauf in den Himmel bzw. zur Sonne hinaufbegleiten. Sein Grab kennen wir heute als eines der Sieben Weltwunder: die CheopsPyramide.
Die Pharaonen wurden seit jeher mit dem Sonnengott identifiziert. Doch schon hundert Jahre nach Cheop verlor das Königtum an Autorität, da mit der Ausbreitung des Sonnenkultes eine stärkere Differenzierung zwischen Gott und dem König erfolgte.
Gut tausend Jahre später entstand ein neuer Sonnenkult unter dem Pharao Echnaton. Er erfand einen neuen Sonnengott, dem er sich persönlich völlig higab. Ihm gab er den Namen Aton, die lebenspendende Sonne, und seine Hingabe drückte er in seinem Namen aus. Er dichtete sogar die "Große Hymne" an diesen Gott.
Die Ägypter waren auch bedeutende Astronomen. Sie entdeckten Zusammenhänge zwischen der Nilflut und der Jahreszeit. Da aber die Sonne in der Zeit dieser Flut (Ende Juli/Anfang August) zu hoch stand und man sich deswegen nicht an ihr orientieren konnte, suchten sie eine andere Möglichkeit. So fingen sie an, die Sterne zu beobachten und bemerkten, daß der Sirius (ein heller Stern, der in Afrika nicht das ganze Jahr über zu beobachten ist) ca. zwei Wochen vor dieser Flut zum ersten Mal am Morgenhimmel zu sehen war.
Sie berechneten ein ebenfalls 365 Tage langes Jahr, wobei ihr Jahr mit dem ersten Erscheinen des Sirius begann. Durch die genaue Beobachtung des Sirius konnten sie sogar das Schaltjahr feststellen.
Doch auch andere Völker Afrikas verehrten die Sonne. Im heutigen nördl. Sudan lebten einst die Kuschiten. Sie verehrten Amun, den Gott der Sonne, der Schöpfung und des Königs. Amuns Wohnsitz war Djebel Barkal, der bei den ägyptischen Eroberern des früheren Nubiens als der Reine Berg bekannt war. Hier galt sogar, daß der König der Sohn Amuns war.
Die Mitglieder des Stammes der Bambara in Mali hatten die Vorstellung von einer gewissen Einheit zwischen der Erde und der Sonne. Ihre Erdgöttin Muso Kuroni vereinigte sich mit dem Sonnengott Pemba und gebar alle Tiere, Pflanzen und Menschen.
Bei den Berbern in Marokko und einem Volk im südwestl. Teil Ägyptens wird der Widder in Verbindung mit der Sonne gebracht. Da diese Völker von dem Widder und den Schafen lebten und auch der Sonne ihrem Dasein verdankten, dachten sie, der Widder sei die Verkörperung eines Sonnengottes und verehrten ihn sehr.
Auch bei den Hottentotten, die sich selbst Khoikhoi (Menschen der Menschen) nannten, in Namibia gibt es Geschichten vom Sonnenwidder SoreGus. Sie waren Nomaden und lebten auch hauptsächlich von Schafen.
Die Swahili (leben in Teilen von Somalia und Mosambique) feiern heute noch ihren Neujahrstag am 21. März, wenn die Sonne ins Tierkreiszeichen des Widders eintritt. Dieser Tag wird "Nairuzi" genannt, was "Neues Licht" bedeutet. Auch hier ist der Widder die Verkörperung des Sonnengottes.
Die Babylonier waren sogar noch erfolgreicher als die Ägypter bei der Erkundung der Astronomie. Sie errechneten den sog. SarosZyklus. Mit dessen Hilfe kann man Sonnenfinsternisse voraussagen. Er dauert 18 Jahre und 11,3 Tage. Die Geheimnisse des Himmels wurden von den Priestern gelüftet. Sie konnten durch eine Vorhersage einer Mondfinsternis oder gar einer totalen Sonnenfinsternis ihr Ansehen beim Volk steigern. Danach glaubten sie sogar, andere Dinge mit hilfe der Himmelskörper voraussagen zu können: die Astrologie ward geboren, die den Priestern mehr Macht verlieh.
Bei den Babyloniern spielte auch der Mond bei der Kalenderrechnung eine Rolle. Sie verflochten die Zeitspanne von 29,5 Tagen von Neumond zu Neumond mit dem Sonnenjahr. Sie teilten das Jahr in 12 Monate zu je 30 Tagen ein und fügten nach Bedarf, zur Anpassung an das Sonnenjahr, einen Schaltmonat ein. Auch die Einteilung des Tages in 24 Stunden geht auf die Babylonier zurück.
Über mögliche Rechnungen der Inder weiß man nicht sonderlich viel. Doch auch sie beobachteten einige Sonnenfinsternisse. Bei diesem Ereignis stellten sie sich in irgendwelche Gewässer bis ihnen das Wasser zum Hals stand. Sie wollten damit ihrem Sonnengott ihre Erfurcht beweisen.
Die Chinesen reagierten bei einer Sonnenfinsternis weitgehend anders, was wohl auch an ihrem Glauben lag. Sie stellten sich nämlich einen riesigen Drachen vor, der die Sonne verschlingen wollte. Sobald der Drache versuchte, die Sonne zu verschlingen, also sobald der Mond sich vor die Sonne "wanderte", begannen die Chinesen auf irgend eine Weise Lärm zu machen. Sie griffen meist zu Trommeln oder zu Töpfen, um den Drachen zu verjagen.
Solche und ähnliche Ereignisse (z.B. Auftauchen von Kometen) werden schon seit 3000 v.Chr. schriftlich festgehalten.
Wegen der folgenden Legende weiss man, daß die chinesischen Astronomen ebenfalls schon in der Lage waren Finsternisse vorauszusagen (allerdings waren diese Prognosen sehr unzuverlässig und wohl auch erst seit ca. 3000 v.Chr. möglich): Zu ihrem Leidwesen hatten die beiden kaiserlichen Hofastronomen Hi und Ho nach einem übermäßigem Weingenuß vergessen, die Sonnenfinsternis vom 22. 10. 2137 v.Chr. anzukündigen. Der damalige Kaiser ließ sie kurzerhand enthaupten.
Auch das Volk Neuseelands, die Maori, machten sich Gedanken über die Bahn der Sonne. Sie glaubten, einer ihrer Helden würde mit der Sonne am Himmel kämpfen und so würde die täglichen Sonnenbewegungen zustande kommen.
Die Eskimos hatten, neben der täglichen Sonnenbewegung, ein weiteres Phänomen zu erklären: die Aurora Borealis - das Nordlicht. Sie stellten sich vor, die Sonne würde nachts eine Schiffsreise unter dem Horizont machen und würde so auch die Nordlichter verursachen.
In Nordamerika lebten verschiedene Indianerstämme, die zur Sippe der MississippiIndianern gehörten; so auch die Bewohner der Stadt Cahokia, deren eigener Name bis heute noch nicht bekannt ist. Diese Stadt lag im heutigen Bundesstaat Illinois und umfasste zu ihrer Blütezeit ein Gebiet von knapp 15 qkm mit ca. 12000 Einwohnern. Auf dem Stadtgelände hatten sie einen Ring aus Zedernholzpfosten errichtet, in dessen Mitte auch ein Pfosten stand. Diesen Ring bezeichnet man heute als Woodhenge, weil er eine gewisse Ähnlichkeit mit dem keltischem Stonehenge in England hat. Von der Mitte des Rings aus konnten die Häuptlinge und Priester die Jahreszeiten bestimmen. Sie beobachteten, dass die Sonne an gewissen Tagen des Jahres hinter bestimmten Pfosten aufging und zwar zur Tagundnachtgleiche sowie zur Sommerund Wintersonnenwende. Nur die Elite kannte die Zusammenhäge und konnte anhand dieses exakten Sonnenkalenders den Jahreszyklus - und die alljährlich wiederkehrende Überflutung (wie auch die Ägypter) - berechnen. Mit diesem Herrschaftswissen konnten sie den nichteingeweihten Massen ihre Macht über die Zeit beweisen und Feste und Rituale in die kosmische Ordnung bringen.
Bei den Natchez-Indianern, die auch zur Sippe des
Mississippi gehörten, wurde die Gesellschaftshirarchie von der Grossen Sonne
angeführt, einem lebenden Gott, der als ein direkter Nachfahre oder gar Bruder
der echten Sonne galt. Ihm zur Seite stand der oberste Kriegshäuptling in
Gestalt seines irdischen Bruders Tätowierte Schlange.
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