Wilhelm Steinitz (1836 - 1900)
Der Östereicher war Weltmeister von 1886 - 1894 und erster offizieller Weltmeister der Schachgeschichte. Steinitz wurde am 17. Mai 1836 in Prag geboren und starb 1900 verarmt in New York. Er begann in Wien ein Ingenieurstudium, wurde dann aber Berufsschachspieler. Er pflegte zuerst den traditionellen Kombinationsstil. 1862 nahm er als Vertreter Wiens am Kongress des englischen Schachbundes teil, wo er den 6. Platz belegte. Er blieb in England, wo er den englischen Meistern überlegen war. 1866 bezwang er Adolph Anderssen, der zu dieser Zeit als bester Schachspieler der Welt galt. Ab diesem Zeitpunkt bezeichnete sich Steinitz gelegentlich als Weltmeitser, wurde als solcher aber nicht aktzeptiert, da der geniale Amerikaner Paul Morphy, der ebenfalls geschlagen hatte, noch lebte. Steinitz bestach durch sein genaues Defensivspiel und seine Fähigkeit, aus der Summe kleiner Stellungsvorteile den grössten Nutzen zu ziehen.
Mit der Zeit wandelte sich Steinitz vom impulsiven Kombinations- zum bedachtsamen Positionsspieler. Er erkannte, dass man erst angreifen darf, wenn man einen Vorteil errungen hat. 1882 wanderte Steinitz in die Vereinigten Staaten aus und liess sich in New York nieder. Während der ersten offiziellen WM 1886 in den USA besiegte Steinitz den Polen Johannes Zukertort mit 10:5 Punkten und wurde damit der erste offizielle Weltmeister in der Schachgeschichte. Diesen Titel konnte er dreimal erfolgreich verteidigen: 1889 gegen Tschigorin, 1890 gegen Gunsberg und 1892 erneut gegen Tschigorin. Im Jahr 1894 verlor Steinitz seinen Weltmeistertitel an den Deutschen Emanuel Lasker. Die Auseinanderserzung endete mit 10:5 Punkten für den Herausforderer. Auch den Revanchekampf 1896/97 gewann Lasker deutlich mit 10:2. Diese Niederlage konnte Steinitz psychisch nicht verkraften. Er musste in eine Nervenheilanstalt eingewiesen werden (er stellte eine Herausforderung an Gott, den er mit Vorgabe von Bauer und Zug schlagen wollte).