
Mumien - Die
Mumifizierung
Wenn ein Ägypter gestorben war, wurde
er von seinen Angehörigen, nach einer angemessenen Trauerfrist,
zum sogenannten Reinigungszelt gebracht. Solche
"Empfangskapellen", leichte Konstruktionen aus Stangen und Stoff, gab
es am Westufer des Nils an vielen Stellen. Sie standen auf Terrassen,
zu denem vom Anlegesteg der Boote breite Rampen
hinaufführten.
Das Reinigungszelt war der Ort, an dem der
Tote, wie der Name schon sagt, einer sorgfältigen rituellen
Reinigung unterzogen wurde. Die eigentliche Mumifizierung ging aber
nicht hier, sondern in einer benachbarten Mumienwerkstatt
vonstatten. Dort wurde der Leichnam auf einen hölzernen oder
steinernen Tisch mit Abflüssen gelegt. Die nun folgende Arbeit
der Mumienmeister umfasste folgende vier Schritte:
- Ausweidung. Die linke Flanke des
Toten wurde geöffnet und alle inneren Organe wurden entfernt,
ausser das Herz, das an seiner Stelle gelassen wurde.Seit der 21.
Dynastie wurde auch das Gehirn herausgenommen. Zu diesem Zweck
durchbrach man das Nasendach und entfernte durch den sogewonnenen
Durchgang das Gewebe mit Hilfe langer gebogener Instrumente. Die
leeren Körperhöhlen wurden anschliessend mit Wasser und
Palmwein gründlich gereinigt.
- Entwässerung. Der
ausgeweidete und gereinigte Leichnam wurde mit trockenem Natron
gefüllt und bedeckt. Mehrere Wochen lang wurde er so
stehengelassen, bis seine Gewebe den Grossteil ihres Wassers
abgegeben haben.
- Nachtrocknung. Der weitgehend
entwässerte Körper wurde nun entweder in der Sonne oder
über dem offenen Feuer nachgetrockent. Die
Mumifizierungsarbeiten am Körper waren damit
beendet.
- Mumifizierung der Eingeweide. Die
Eingeweide wurden auf einem speziellen kleinen Eingeweidetisch
nach etwa derselben Methode mumifiziert wie die weiter oben
beschriebene Mumifizierung des Körpers.
Diese Arbeit dauerte im Gesamten
mindestens sechs Wochen. Für Ärmere gab es jedoch
auch abgekürzte Verfahren, bei denen im einfachsten Falle die
Eingeweide an Ort und Stelle gelassen wurden.