
Das Wort "Hieroglyphe" kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "heilige Eingrabung". 'Eingrabung' deshalb, weil man schon zur späteren Römerzeit diese Schrift nur noch in Form von Gebäudeinschriften kannte, obwohl sie früher durchaus auch auf Papyrus geschrieben wurde.
Die Hieroglyphenschrift ist, wie Jean François Champollion bewiesen hat, keine Bilderschrift. Obwohl sie aus Symbolen besteht werden diese im Allgemeinen nicht direkt interpretiert, sondern mit anderen Symbolen verbunden - genau so wie bei unserer Schrift.
Die Hieroglyphenschrift entstand zur Zeit der Reichseinigung, also vor etwa 5000 Jahren. Es erscheint selbstverständlich, dass ein so grosses Reich für seine Verwaltung, also für Steuern, Verträge, Gesetze und Verordnungen, eine Schrift brauchte, und ebendiese war die Hieroglyphenschrift.
Die Hieroglyphen waren nie allen, aber immer einem gewissen Prozentsatz der Ägyptern bekannt, da ihre Kompliziertheit ein mehrjähriges Studium erforderte. Übungen von Schülern lassen heute erkennen, dass sie nach der Ganzheitsmethode gelehrt wurde.
Da die Schrift-Studenten für ihre Übungen fast nur religiöse und wissenschaftliche Texte lesen konnten, deshalb also ein grosses Allgemeinwissen besassen, waren auch sie diejenigen, die später zur ägyptischen Elite gehörten und sehr angesehen waren. Die ägyptischen Schreiber waren hauptsächlich Beamte, Priester oder Baumeister
Anstelle der Orthographie tritt die Ästhetik. Das kommt davon, dass man bei den Hieroglyphen für einen Begriff viele mögliche Schreibweisen verwenden konnte. Tatsächlich war die Ästhetik fast die einzige Norm unter der die Hieroglyphenschrift stand.
Geschrieben wurde immer in die Richtung, von der sie gelesen wurde; eine Schrift, die sich vom Lesenden abwenden würde, würde als unanständig gelten. Dies gilt für alle Schriftzeichen, ist aber am besten bei den Tier- und Menschensymbolen zu erkennen: diese schauen immer zum Anfang der Zeile.
Die einzelnen Zeichen wurden immer so angeordnet, das sie zusammen ausgewogene Quadrate beschreiben. Hieroglyphen, die, wie bei unserer Schrift, nacheinander aufgereiht wären, wären 'unschön' und daher falsch.
In der Zeit von 100 vor bis 100 nach Christus veränderte sich die politische Situation Ägyptens entscheidend. Ägypten wurde eine Provinz Roms und das Christentum breitete sich schnell aus. Mit dem Christentum kam auch die griechische Schrift ins Land; die ägyptische Sprache wurde nunmehr weitgehend mit griechischen Buchstaben geschrieben. Später verband sich die griechische Schrift mit der demotischen zu einer neuen, der koptischen Schrift. Durch das Römische Reich und das Christentum wurden die alten Götter, ihre Prister und auch die Pharaonen verdrängt.
Und somit wurde auch deren Schrift - die Hieroglyphen - ganz einfach überflüssig; sie wurde nicht mehr gebraucht. Schon nach 300 Jahren Christentum in Ägypten war kaum jemand in der Lage, die Hieroglyphen zu lesen, bald danach niemand.