Vorgeschichte bis etwa 3000v. Chr.: Ägypten gehört zu den am frühesten von Menschen bewohnten Gebieten. Funde aus dem Paläolithikum zeigen, dass Ägypten kulturell schon damals mit dem übrigen Afrika und mit Vorderasien verbunden war.
Altertum: Frühzeit 1. und 2. Dynastie, 2900 bis 2620v. Chr.: Die folgenreichste geistige Leistung der Zeit der beiden ersten Dynastien mit den Zentren Abydos und Memphis war die Entwicklung der Schrift sowie der Staatsverwaltung mit einem Beamtentum.
Altes Reich 3.&endash;8. Dynastie, 2620&endash;2100v. Chr.: In der 3. und 4. Dynastie erfolgten der Bau der Stufenpyramide König Djosers sowie der Pyramiden der Könige Cheops, Chephren, Mykerinos und der Ausbau der Verwaltung. Seit der 5. Dynastie galten die Herrscher als Söhne des Sonnengottes; es entwickelte sich eine Art Beamtenadel. Die 6. Dynastie wurde von den oberägyptischen Gaufürsten abhängig. Nach dem Tod Pepis II. kam es zu einer blutigen Revolution und der Ersten Zwischenzeit. Die Gaufürsten sorgten für ihren Machtbereich und kämpften in wechselnden Koalitionen gegeneinander. Als die 9. und 10. Dynastie von Herakleopolis auf dem Weg war, die Einheit des Landes wiederherzustellen, wurde sie von dem Gaufürstengeschlecht Thebens vernichtend geschlagen.
Mittleres Reich 11.&endash;14. Dynastie, 2040&endash;1650v. Chr.: Die Fürsten von Theben begründeten die 11.Dynastie. Die 12.Dynastie verlegte die Residenz von Theben nach Memphis und an den Eingang zum Becken von Faijum; das Königtum erlangte neues Ansehen. Die Ursachen für den Niedergang in der 13. und 14. Dynastie sind unbekannt.
Zweite Zwischenzeit 15.&endash;17. Dynastie, 1650 bis 1551v. Chr.: Die Hyksos, wohl eine dünne, aus Asien gekommene Oberschicht der 15. Dynastie beherrschten ganz Ägypten (Residenz Auaris im Ostdelta), wobei sie Unterkönige anerkannten. Der Fürst Kamose von Theben begann den Kampf gegen die Hyksos, den sein Bruder Amosis I. vollendete.
Neues Reich 18.&endash;20. Dynastie, 1551/1540&endash;1070v. Chr.: Amosis I. stellte die Herrschaft Ägyptens auch in Nubien wieder her. Thutmosis I. machte Ägypten zu einer Großmacht bis zum Euphrat im Norden und dem 3. oder 4. Katarakt im Süden mit weiten Gebietsansprüchen. Thutmosis III. stellte das Reich seiner Ahnen wieder her und festigte es, Amenophis II. und Thutmosis IV. konnten den territorialen Bestand im Wesentlichen halten. Unter Amenophis III. erreichten Wohlstand und luxuriöses Leben in Ägypten ihren Höhepunkt. Sein Sohn Amenophis IV. widmete sich ganz der Verehrung des Sonnengottes Aton und gründete als Echnaton in Mittelägypten Amarna als neue Hauptstadt. Die zentrale Stellung des Königs wurde weiter ausgebaut. Für seinen Nachfolger, Tut-ench-Aton (später Tut-ench-Amun), hat wohl Eje die Regentschaft geführt, der nach dem Tod Tut-ench-Amuns noch für 4 Jahre den Thron bestieg. Sethos I., der 2. König der 19. Dynastie, stellte in Syrien die ägyptische Herrschaft wieder her. Sein Sohn Ramses II. verlegte die Residenz endgültig ins Ostdelta; die friedlichen Jahrzehnte nach dem Friedensvertrag mit den Hethitern 1270/1259v. Chr. nützte Ramses vor allem zum Bauen: Karnak, Luxor, Abu Simbel und das Ramesseum sind nur die besterhaltenen Tempel dieser Zeit. Doch endete die große 19. Dynastie in Wirren. Ramses III., dem bedeutendsten Herrscher der 20. Dynastie, gelang es, den Angriff der aus dem Norden des Mittelmeerraums einbrechenden Seevölker gegen Ägypten abzuwehren. Schließlich geriet mit dem Ende der Dynastie das Neue Reich in wirtschaftliche Not und zerfall. In der Dritten Zwischenzeit 21. bis 24. Dynastie, 1070&endash;712v. Chr. wurde das Land zunehmend in kleinere Herrschaftsbereiche aufgespalten.
Spätzeit 25.&endash;31. Dynastie, 712&endash;332v. Chr.: Die 24. Dynastie wurde von den Äthiopiern beendet, die nominell als 25. Dynastie bis 664v. Chr. regierten. 671/667v. Chr. wurden sie von den Assyrern vertrieben. 525v. Chr. schlugen die Perser das ägyptische Heer und gliederten das Land als Satrapie ihrem Reich ein. Die Perserherrschaft 27. und 31. Dynastie, vorübergehend durch einheimische Regenten unterbrochen, beendete Alexander der Grosse 332v. Chr.
Hellenistische und römische Zeit: Alexander und die Ptolemäer behielten die alte administrative Ordnung Ägyptens bei. Seit Mitte des 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Ägypten zum Klienten Roms, dessen Interventionen wiederholt der verfallenden Dynastie die Herrschaft sicherten. Ägypten fiel 395 n. Chr. mit den übrigen östlichen Provinzen an das Oströmmische Reich.
Napoleon in Aegypten: Die Expedition von Napoleon nach Aegypten im Jahre 1798 verfolgte einen doppelten Zweck: Die Verbindung Englands mit seinem indischen Kaiserreich zu unterbrechen, um dessen Widerstandskraft in Europa zu schwächen, dann aber auch, in Aegypten einen französischen Stützpunkt einzurichten oder gar ein eigentliches französisches Reich im vorderen Orient zu schaffen. Napoleon schlug die Mamelucken am 21. Juli 1798 in der Schlacht bei den Pyramiden. Doch danach war ihm das Glück nicht mehr hold. Er verlor gegen den englischen Admiral Nelson. Dadurch wurde er gezwungen, schleunigst nach Frankreich zurückzukehren, denn fast seine ganze Armee war vernichtet. Die nachhaltigste Wirkung dieser Expedition betraf die seelische Verfassung der arabischen Völker; diese neigten nämlich dazu, Europa, nach der Epoche der Kreuzzüge und all den Kriegen der Franzosen und Engländern, als einen barbarischen Kontinent anzusehen.
Mittelalter und Neuzeit bis 19.Jh.: 619 von den Persern erobert, 628 wieder in byzantinischem Besitz, wurde das Land, ab 639 durch die muslimischen Araber erobert, Provinz des Kalifenreichs. Die Tuluniden (868&endash;905) waren nur noch nominell vom Kalifen abhängig. Es folgten die Dynastien der Ichschididen (ab 935), Fatimiden (ab 969), Aijubiden (ab 1171). Ab 1250 herrschten die Mamelucken, auch nach Eroberung Syriens und Ägyptens 1517 durch die Osmanen. Mehmet Ali vermochte sich schließlich der Herrschaft zu bemächtigen; 1805 wurde er vom Osmanischen Reich als Pascha über Ägypten anerkannt. 1867 erwarb Ismail vom osmanischen Sultan das Recht auf den Titel Khedive (Vizekönig). 1869 wurde der Suezkanal eröffnet. 1872&endash;74 wurden der Süd-Sudan und Teile Äthiopiens erobert. Großbritannien nahm die Auswirkungen des um sich greifenden fremdenfeindlichen Nationalismus zum Anlass, 1882 Truppen zu landen; Ägypten wurde besetzt und de facto von den britischen Residenten regiert. Der 1881&endash;85 vom Mahdi eroberte Sudan wurde 1896&endash;98 zurückgewonnen und 1899 britisch-ägyptisches Kondominium.
20. Jahrhundert: Bei Ausbruch des 1.Weltkrieges wurde Ägypten unter Aufhebung der osmanischen Oberhoheit britisches Protektorat. 1922 beendete Großbritannien unter Sicherung, vor allem militärischer, Reservatrechte, sein Protektorat, Ägypten wurde unabhängige parlamentarische Monarchie. 1936 wurde ein Vertrag mit 20-jähriger Laufzeit unterzeichnet, in dem Großbritannien Ägypten die volle Souveränität zuerkannte und die britische Besatzung auf die Kanalzone beschränkte.
Der Israelisch-Arabische Konflikt: Gemeinsam mit anderen Staaten der Arabischen Liga nahm Ägypten 1948/49 am Kampf gegen Israel teil. Nach dem Staatsstreich General Nagibs vom Juli 1952 musste König Faruk zugunsten seines Sohnes Fuad II. abdanken. Am 18. Juni 1953 wurde Ägypten zur Republik erklärt. Nach dem zuerst erfolglosen Versuch, Nagib zu stürzen, konnte Nasser, der eigtliche Organisator der Revolution, bis Ende 1954 die Macht ganz an sich bringen. Kurz nachdem die 1954 mit den Briten vereinbarte Räumung der Kanalzone beendet war, brach Mitte 1956 die Suezkrise aus, deren Beendigung erst im Frühjahr 1957 erreicht wurde. Der 3. Israelische-Arabische Krieg (Juni 1967) endete für Ägypten mit dem Verlust der Halbinsel Sinai (bis 1982). Nach dem Tod Nassers (1970) wurde der ehemalige Vize-Präsident A.as-Sadat neuer Präsident. Nach dem Scheitern des Zusammenschlusses zwischen Ägypten und Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) 1961 blieben auch weitere Unionspläne 1971 (mit Libyen und Syrien) und 1972 (mit Libyen) ohne Wirkung. Der 4.Israelische-Arabische Krieg (Okt. 1973) wurde durch ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Ägypten beendet. Innenpolitisch versuchte Sadat, Ägypten zu einem modernen Staat zu entwickeln sowie vom Ein- zum Mehrparteiensystem überzugehen (1978 abgeschlossen). Der nach dem Besuch Sadats in Israel im Nov. 1977 unter Vermittlung der USA im März 1979 abgeschlossene israelisch-ägyptischer Friedensvertrag isolierte Ägypten diplomatisch und wirtschaftlich in der gesamten arabischen Welt. Nach der Ermordung Sadats (6. 10. 1981) suchte sein Nachfolger H. Mubarak (wieder gewählt 1987 und 1993) die Beziehungen zu den übrigen arabischen Staaten zu verbessern, ohne den Frieden mit Israel zu gefährden. Im 2. Golfkrieg 1991 beteiligte sich Ägypten als regionale Führungsmacht an der antiirakischen Koalition.