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Als einer der Väter moderner Bionik gilt Leonardo da Vinci. Um das Jahr 1500 skizzierte er eine Reihe von funktionsuntüchtigen Flugapparaten nach dem Vorbild von Vogelschwingen. Erfolgreicher war rund 400 Jahre später Otto Lilienthal: Seine nach Studien an Storchenflügeln gefertigte Hängegleiter trugen den "Vater des Segelflugs" bis zu 250 Meter weit über Brandenburger Lande. Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts gab es dann immer wieder Bemühungen einzelner Forscher und Tüftler, natürliche Formen und Prinzipien für die Technik nutzbar zu machen. Eine Wissenschaft mit Universitätsrang wurde daraus aber erst Anfang der sechziger Jahre. Der Botaniker Wilhelm Barthlott und seine Kollegin Nesta Ehler entdecken Mitte der siebziger Jahre eigentlich rein zufällig den Selbstreinigungseffekt, auch "Lotus-Effekt" gennant. 1977 beschreiben die Biologen dieses Phänomen in einer kleinen Randnotiz. Es erscheint ihnen zu trivial, um ihm größere Bedeutung beizumessen. Erst 1989 greift Wilhelm Barthlott, inzwischen Professor an der Universität Bonn, die alte Entdeckung wieder auf und untersucht das Phänomen zusammen mit seinem Doktoranden Christoph Neinhuis im Detail. Es gelingt den beiden, den "Lotos-Effekt" nicht nur in seiner Bedeutung für die Biologie zu entschlüsseln, sondern gleichzeitig dessen schmutzabweisendes Prinzip auf eine künstliche Oberfläche zu übertragen. 1996 demonstrieren Barthlott und Neinhuis ihr mittlerweile zum Patent angemeldetes Verfahren. Der amerikanische Luftwaffenmajor Jack E. Steele hat die Bionik im Jahr 1958 geprägt. Nach heutigem Verständnis beschäftigt sich die Bionik "mit der technischen Umsetzung und Anwendung von Konstruktionen, Verfahren und Entwicklungsprinzipien biologischer Systeme". Der international renommierte Saarbrücker Zoologe und Bioniker Werner Nachtigall hat eine einfache Formel geprägt, die das Wesentliche der bionischen Sichtweise zum Ausdruck bringt: "Lernen von der Natur als Anregung für eigenständiges technisches Gestalten." Die perfekten, über Millionen und Milliarden Jahren optimierten Erfindungen der Natur sind heute zu einem begehrten Forschungsobjekt von Chemikern, Ingenieuren und Architekten geworden. |