Interview
mit
Coiffeuse Natalie Fischer, Jegenstorf
Seit Juni
1999 betreibt Frau Fischer in unserem Dorf einen Coiffeurgeschäft.
Sie ist gelernte Damen-, Herren- und Theater-Coiffeuse, sie darf dank
ihrer zusätzlichen Meisterprüfung Lehrlinge ausbilden. Anfang
August hat nun eine Lehrtochter ihre dreijährige Lehre bei Frau Fischer
angefangen und eine gelernte Damencoiffeuse wird gleichzeitig die Zusatzausbildung
zur Herrencoiffeuse machen.
Ich hatte
Gelegenheit, Frau Fischer während der Arbeit einige Fragen rund um
ihren Beruf zu stellen:
Reto:
Warum wählten Sie diesen Beruf?
Frau Fischer:
Schon als kleines Kind interessierten mich Frisuren. Ich versuchte
neue Frisuren zu erfinden und interessante Frisuren nachzuahmen.
Reto:
Wie lange dauert die Ausbildung zur Damen- bzw. Herren-Coiffeuse und wo
liegen die Unterschiede?
Frau Fischer:
Die Grundausbildung dauert für Damen- und Herren-Coiffeure drei
Jahre. Nach dem Lehrabschluss hat man aber die Möglichkeit die
andere Lehre mit nur einem zusätzlichen Lehrjahr dazu zu erwerben.
Dies macht ja ab August Steffi bei mir, während Maria die dreijährige
Grundausbildung beginnt. Nach 5 Jahren praktischer Arbeit kann ein Coiffeur
/ eine Coiffeuse den Meisterkurs besuchen und diesen mit der Meisterprüfung
abschliessen.
Reto:
Was mussten Sie als Theater-Coiffeuse noch lernen?
Frau Fischer:
In erster Linie geht es in dieser Ausbildung ums Schminken. Frisur
und Schminke müssen unbedingt zusammen passen. Bevor man Theater-Coiffeur
lernen kann, muss man eine Coiffeur-Grundausbildung gemacht haben. In
der Regel besteht die Arbeit eines Theater-Coiffeurs etwa zu 80% aus Frisieren
und zu 20% aus Schminken.
Reto:
Können Sie die wichtigsten Modetrends in Sachen Frisuren der letzten
100 Jahre kurz skizzieren?
Frau Fischer:
Du stellst mir aber recht schwierige Fragen! Ich versuche es mal: So ungefähr
um die Jahrhundertwende, also 1900, waren hochgesteckte Frisuren
"in", man versuchte mit allen möglichen Hilfsmitteln die
vorhandene Haarpracht höher und imposanter zu frisieren. In den Dreissigerjahren
trugen die Frauen plötzlich kurze Haare mit Wellen und ab
1950 galt der "Bubikopf" als modern. 1960 waren die Frisuren
im Grunde genommen ähnlich wie heute, manche trugen ihre Haare
lang (Beatles) andere kurz. In den Siebzigerjahren meinte fast jedermann/frau
ohne Mittelscheitel zum alten Eisen zu gehören. Ab 1980 erlebte
die Dauerwelle eine richtige Renaissance und seit Beginn der Neunzigerjahre
werden vermehrt farbige Frisuren gewünscht.
Reto:
Welche Farbe wird bei Tönungen bzw. Bei Färbungen am meisten
verlangt? Gibt es bestimmte Altersgruppen zu speziellen Farbtönen?
Frau Fischer:
Rote und blonde Farbtöne werden am häufigsten verlangt,
da merke ich eigentlich auch keinen Unterschied zwischen Jung und Alt.
Hingegen werden dunkle Töne nur von Jungen verlangt. Im Übrigen
sind im Moment alle kräftigen Farben gefragt, sei es als kleine
Farbtupfer oder als Grundfarbe.
Reto:
Welche Haarart ist am schwierigsten zu bearbeiten?
Frau Fischer:
Normalerweise sind Haare im Querschnitt rund. Es gibt aber manchmal auch
Haare, die eher oval bis flach sind. Man nennt diese Haare bandartige
Haare, sie sind zusammen mit den sehr feinen Haaren am schwierigsten
zu bearbeiten.
Reto:
Wie schneiden Sie sich eigentlich ihre eigenen Haare, tun Sie dies selbst
oder gehen Sie zur Konkurrenz?
Frau Fischer:
Da ich bisher meistens in einem Team gearbeitet habe, war es möglich,
mich von Kolleginnen "behandeln" zu lassen. Im Notfall
hätte ich aber auch eine Schwester, die den gleichen Beruf hat. Sich
selber die Haare zu schneiden ist ausgesprochen schwierig, ich bin nicht
sicher, ob ich mich mit einem selber gemachten Schnitt noch in mein Geschäft
wagen würde.
Reto:
Welche Frisur möchten Sie schon lange jemandem machen?
Frau Fischer:
Es gibt keine Lieblingsfrisur, die ich machen möchte. Ich versuche
immer, der Kundin/dem Kunden etwas Typengerechtes vorzuschlagen.
Ich möchte zwar vom Normalen, Gewöhnlichen wegkommen, aber in
einem vernünftigen Mass, also nicht zu stark.
Reto:
Gibt es eine Persönlichkeit, der Sie gerne mal zu einem neuen Look
verhelfen möchten?
Frau Fischer
(überlegt einen Moment):
Ja, Prinz Charles und Bundesrat Adolf Ogi möchte ich
gerne einmal eine neue Frisur schmackhaft machen, eine ohne strengen Scheitel.
Reto:
Was finden Sie das Schönste an ihrem Beruf?
Frau Fischer:
Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Der Kontakt zu
den Kunden und insbesondere die individuelle Beratung sind mir sehr wichtig.
Ein gutes Erlebnis ist es, wenn ein Kunde mein Geschäft zufrieden
verlässt.
Reto:
Welches sind die häufigsten Probleme, bei welchen Sie von Ihren Kunden
um Rat gefragt werden?
Frau Fischer:
Das ist natürlich die Frage nach der passenden Frisur.
Reto:
Unterhalten Sie sich viel mit Ihren Kunden?
Frau Fischer
(lacht):
Ja, sehr viel, sehr gern, aber nicht wenn ich krank bin.
Reto:
Können Sie mir vielleicht eine kleine Anekdote aus Ihrem Berufsleben
erzählen?
Frau Fischer:
Beim Frisieren meiner Lehrmeisterin geschah mir mein wohl schlimmstes
Missgeschick. Weil ich die Zackenschere nicht richtig bediente, schnitt
ich sie zuerst ins Ohr und statt die Schere sofort zu öffnen, begann
ich im ersten Schreck daran zu ziehen...!
Reto:
Ich danke Ihnen für dieses interessante Gespräch. Darf ich noch
einige Fotos machen?
Frau Fischer:
Natürlich darfst du Fotos machen, so viele wie du willst. Mir hat
es Spass gemacht, dir Rede und Antwort zu stehen. Ich wünsche dir
und Patrick viel Erfolg mit eurer Arbeit.
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