Rapunzel
Es
war einmal ein Ehepaar, dass wünschte sich schon lange ein Kind. In
Nachbars Garten wuchsen die schönsten Rapunzeln, aber die Leute durften
nicht davon essen, weil der Garten einer Zauberin gehörte. Die Frau
hätte so gerne von diesen Rapunzeln gegessen.
Weil
sie keine bekommen konnte, wurde sie krank. Da beschloss der Mann,
ihr welche zu holen. Das erste Mal ging es gut, beim zweiten Mal erwischte
ihn die Zauberin. Sie erlaubte ihm zwar, weitere Rapunzeln zu pflücken,
dafür musste der Mann versprechen, ihr das erste Kind zu schenken.
Gleich nach der Geburt nahm die böse Zauberin das Mädchen mit und
gab ihm den Namen Rapunzel.
Rapunzel
wurde ein sehr schönes Mädchen. Als es zwölf Jahre alt war, sperrte
die Zauberin Rapunzel in einen abgelegenen Turm. Wenn die Zauberin
das Mädchen besuchen wollte, rief sie:
"Rapunzel,
Rapunzel,
lass dein Haar herunter."
Rapunzel
wickelte ihr Haar um einen Fensterhaken und liess es hinunter fallen.
Mit Hilfe dieser Haare stieg die Zauberin hinauf.
Zeichnung:
Fabian Lüscher
Nach ein paar Jahren kam zufällig ein Prinz vorbei und beobachtete dieses
Vorgehen. Er fand Rapunzel so schön, dass er sie befreien wollte. In
der kommenden Nacht ritt er zum Turm und rief:
"Rapunzel,
Rapunzel,
lass dein Haar herunter."
Er
stieg an den Haaren hinauf und gelangte so in den Turm. Rapunzel erschrak
zuerst gewaltig, da sie die Zauberin erwartet hatte. Der Prinz erklärte
ihr aber, dass er sie befreien möchte. Jeden Abend brachte er ihr
einen Strang Seide, woraus sie sich eine Leiter flechten sollte. Ein
Tag bevor Rapunzel flüchten wollte, hatte die Zauberin immer noch
nichts mitbekommen. Unabsichtlich verriet Rapunzel das Geheimnis der
bösen Zauberin. Diese brachte Rapunzel in eine Wüstenei. An jenem
Abend fand der Prinz nicht Rapunzel, sondern die Zauberin im Turm.
Er war so traurig, dass er aus dem Turm sprang und sich beim Sturz
beide Augen verletzte. Er irrte blind im Wald umher, bis er nach vielen
Jahren Rapunzel wieder fand. Ihre Tränen heilten seine Augen. Er brachte
sie in sein Reich, wo sie noch lange glücklich lebten.