Wenn wir gleichzeitig Kaufs- und Verkaufsrechte kaufen, z.B. auf dem K = 100 $ Kurs, dann gewinnen wir auf jeden Fall mit dem Geschäft. Die Frage ist nur, ob wir einen so hohen Gewinn errungen haben, wie viel uns die Ermöglichung dieser Position gekostet hat. Erfüllt sich dies, wenn der Kurs höher ist als 115 (dann haben wir einen ziemlich hohen Gewinn am Kaufsrecht) oder wenn der Kurs unter 85 ist (dann deckt der Gewinn erzielt mit dem Kauf des Verkaufsrechtes den bezahlten Betrag).
Wir wissen nicht, in welche Richtung sich der Kurs ändert, aber dass er sich in großem Maße ändern wird, ist einmal sicher. Das Kaufs- + Verkaufsrecht wird von den Marktteilnehmern auch als Positionsgrätsche genannt. Sie sagen auch, wer eine Grätschenposition zu Stande gebracht hat, hat sich die Volatilität erkauft. Das heißt, dass er dann einen Gewinn einbringt, wenn die erwartete Volatilität wirklich steigt.
Wenn dies der Fall ist, muss man gar nicht auf den Ablauf warten. Er kann seine Grätschenposition auf dem Optionsmarkt gewinnbringend verkaufen, wenn der Markt in der Zwischenzeit mit einer größeren Volatilität als erwartet die Optionen ausgleicht
Der Wert der Grätschenposition ist das Messinstrument mit dem man die von den Marktteilnehmern erwartete Volatilität misst. Das ist der Seismograph dafür, mit was für Ausschwankungen die Marktteilnehmer auf dem Devisen- und dem Aktienmarkt rechnen können und wie hoch der Zinssatz ist.
Optionen sind finanzielle Produkte in deren Kostenformel die Volatilität trennbar erscheint. Wenn wir keinen Optionsmarkt haben, haben wir auch keine Informationen bezüglich des Wartens, die Größe der Ungewissheit betreffend.
Die Ungewissheit, das Maß der in zwei Richtungen deutlich werdenden Ausschwankungen, ist in jedem Gebiet unseres Lebens entscheidend. In einer Bäckerei, wenn die Nachfrage schwankend ist, kriegen wir entweder keine Kipfel oder kann der Bäcker seine Wahre nicht loswerden. Wenn der Wetterbericht schlechtes Wetter meldet, brauchen wir noch einen Pullover und die Sache ist erledigt. Aber wenn sie ungewisses, stark veränderliches Wetter vorhersagen, dann gehen wir mit den großen Koffern in den Urlaub, man muss nämlich auf alles gefasst sein. Je unbeständiger das Wetter sein wird, desto sicherer ist es, dass man den Wintermantel und die Sonnencreme ebenfalls einpacken muss.
Wenn wir erwarten, dass der Kurs im Großen und Ganzen unverändert bleibt, dann kaufen wir nicht, sondern verkaufen wir die vorherige Position (also die Volatilität). Dann sammeln wir unsere 6+9 Dollar ein und hoffen, dass die Kurse wissen, dass sie in dem Bereich von 85-100 sein müssen beim Ablauf der Option. Womöglich auf dem 100-er Kurs.
Das Volatilitätsgeschäft ist schon eine ganz andere Börsenphilosophie als die traditionelle auf Preiserhöhung hoffende Hausse- und die auf Preissturz hoffende Baisse-Strategie.
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