Kaffeeanbau und Ernte früher und heute
Bevor Kaffee einen höheren Stellenwert als Weizen oder gar Kohle einnahm,
lief der Anbau unter wesentlich günstigeren Bedingungen ab. Die Anpflanzungen
erfolgten unter grösster Vorsicht und Perfektion, immer darauf bedacht
eine möglichst lang lebende und widerstandsfähige Pflanze zu züchten.
Der Boden wurde bei weitem nicht so stark belastet wie es heute der Fall ist.
Deshalb hatte dieser also genug Zeit sich wieder zu erholen, bzw. zu regenerieren.
Dieses Problem wird übrigens auch aus unserer heutigen Landwirtschaft
und Bodennutzung ersichtlich. Zudem wurden die Kaffeekirschen erst abgeerntet,
wenn sie wirklich ihre tiefrote Farbe und Reife erreicht hatten. Heute gibt
es jedoch zwei Erntungsverfahren, bei der ersten, welche sich als wesentlich
kostenintensiver herausstellt, werden die Kirschen auch erst dann geerntet,
wenn sie ihre absolute Reife erreicht haben. Da sich diese Methode jedoch wie
bereits geschrieben als sehr kostspielig herausstellt, bezogen auf den Zeitaufwand
der Arbeitskräfte aber auch die Erntezeit, welche somit natürlich
um einiges verlängert wird, findet sie heute nur noch wenig Anklang. Auch der Ernteertrag spielt in unserer heutigen
Wirtschaft eine entscheidende Methode, dieser fällt jedoch bei obig erwähnten
Methode wesentlich geringer aus, rein objektiv von der Menge aus betrachtet.
Um diesem zeitaufwändigen Ernteverfahren entgegen zu wirken wurde eine
zweite, wesentlich schnellere und vor allem günstigere Methode entwickelt,
die Kirschen ihren Pflanzen zu entlocken. Dabei wird in einem Durchgang die
gesamte Menge an Kaffeekirschen einer Plantage abgeerntet, dabei kann es selbstverständlich
vorkommen, dass sich einzelne Früchte als weniger reif erweisen.
Was früher viele Hände erledigen mussten, wurde zum Teil bereits
automatisiert, so sind auf einigen Kaffeeplantagen bereits Pflückmaschinen
im Einsatz. Doch wie schon so oft erbringen auch Maschinen nicht immer eine
bessere und schneller Lösung, technische Geräte müssen stets
gewartet werden um ein einwandfreies Funktionieren gewährleisten zu kommen.
Sie werden jetzt sicherlich sagen, dass es immer noch schneller und günstiger
kommt, als dutzende von Arbeitskräften einzustellen. Doch sie werden sich
täuschen, denn es gibt zwei wesentliche Gründe nicht auf von Menschenhand
ausgeführte Arbeit zu verzichten: Die Pflückmaschinen ernten zwar
den gesamten Baum ab, hinterlassen aber dabei in den gepflückten Kirschen
einen richtigen Unrat von abgefallenen Blättern und eventuell verdorbenen
Früchten, nebst allerlei kleinem Geäst und diese müssen wiederum
von Menschenhand aussortiert werden. Ein zweiter Punkt ist selbstredend die
Gewährleistung von genügend Arbeitsplätzen, zumal die Arbeitskräfte
meist einen sehr minderen Lohn für ihre Arbeit, welche sie meist bei brütender
Hitze auf den Plantagen verrichten müssen.
Wo wir doch gerade bei Arbeitskräften sind, erlauben wir uns schnell einen
Abschweifer in die Vergangenheit zu machen. Am Anfang des Kaffeeanbaus war
die Bezahlung der Feldarbeiter kein Problem, jeder wurde gut für seine
getane Arbeit entschädigt, zusätzlich arbeiteten die Leute aus freien
Stücken auf den Plantagen. Doch mit dem Aufkommen des Kaffees in dutzenden
von Ländern, ja sogar ganzen Kontinenten wie z.B. Europa, wurden von den
Kolonien, welche nun die Überhand im Anbau des Kaffees hatten, mehr und
mehr Sklaven zur Feldarbeit eingesetzt. Ihr einziges Recht war zu arbeiten,
auch wurden sie mit der immer grösser werdenden Nachfrage an Rohkaffee
zunehmend schlechter behandelt.
Doch zum Glück ist heute wieder der ursprüngliche Zustand eingetreten,
nun ja nicht ganz. Sicherlich werden die Feldarbeiter teilweise nicht gut bezahlt
und müssen für einen Hungerlohn arbeiten, doch hier kommen Stiftungen
wie beispielsweise Max Havelaar ins Spiel. Sie sorgen dafür, dass die
Arbeitskräfte auf den Plantagen einen fairen Lohn erhalten und die Preise
für Rohkaffe einen konstant gleich hohen Preis behalten, falls dies möglich
ist. Zusätzlich wird dadurch eine Abnahmegarantie für die Rohprodukte
gewährleistet.
Nach dieser kleinen Ergänzung wenden wir uns noch einem letzten, wichtigen
Thema in Sachen Anbau von Kaffee zu. Pesti- und Insektizide haben auch auf
den Plantagen ihren festen Platz gefunden. Heute werden diese chemischen Schädlingsvernichter
nicht mehr nur im eigenen Garten oder im Obstanbau verwendet, sondern eben
auch beim Kaffeeanbau. Mit diversen nicht gerade ungefährlichen Chemikalien
soll dem Befall durch Schädlinge entgegengewirkt werden. Nach einigen
Jahren aber, so sollte ihnen bekannt sein, werden sie immun gegen diese Gifte
(vor allem bei Insekten verändert sich das Erbgut ziemlich schnell in
Folge solcher toxischen Substanzen) und es muss ein neues Schädlingsbekämpfungsmittel
eingesetzt werden. Dies führt sicher mitunter zu einer erhöhten Bodenbelastung
und Verringerung unserer Artenvielfalt. Während früher immer wieder
neue Pflanzen miteinander gekreuzt wurden, um sie widerstandsfähiger gegen
Krankheiten zu machen (unser Weizen ist übrigens eine Kreuzung aus vielen
primitiven Wildeingräsern), so wird dem heute einfach mit Chemikalien
entgegengewirkt. Ein Beispiel für solch eine Kreuzung wollen wir ihnen
mit diesem einfachen Beispiel erläutern: Im Ursprung konnte eine voll
ausgewachsene Coffea (also die Kaffeepflanze oder Kaffeebaum) eine Höhe
von bis zu sechs Metern Höhe erreichen. Da sich das Ernten auf solch einer
Höhe in der Baumkrone als wesentlich schwierig herausstellte, begann man
kleinere Arten zu züchten. Dies geschah wie bereits erwähnt durch
Kreuzung verschiedener anderer günstiger Arten (im Übrigen soll der
Kaffeestrauch mit unserem Waldmeister verwandt sein). So erreicht unsere heutige
Kaffeestaude nur noch eine bescheidene Höhe von ca. zwei bis drei Metern.
Doch viele Kaffeebauern pflanzen ihren Kaffee natürlich und ohne Zusatzstoffe
an, also weitgehend biologisch, doch dies ist weniger auf den sich unaufhaltsam
auf dem Vormarsch befindenden Biotrend zurück zu führen, als eher
auf alte Tradition. Um dem Missbrauch von Düngemittel entgegenzuwirken,
sind bereits Kriterien für den weltweiten Kaffeeanbau erlassen worden,
damit sich jeder mit diesem heiss und wohl duftenden Getränk zurücklehnen
kann, ohne sich immer Sorgen über dessen Inhaltsstoffe machen zu müssen.
Wir sehen also, dass sich in den letzten paar hundert Jahren viele Sachen in
und um den Anbau verändert haben. Viele Dinge haben sich während
dieser Zeit verbessert, andere jedoch leider zum schlechten gewendet. Womit
wir sagen wollen, dass sicher für den Menschen Verbesserungen eingetreten
sind, was Anbau und Arbeit auf den Plantagen betrifft, jedoch auf Kosten unserer
Umwelt.
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