Erzählungen und Sagen über den des Kaffees
Bevor wir jedoch zur eigentlichen Geschichte dieses interessanten Gewächses
kommen, stöbern wir zuerst etwas in der Märchenkiste, was jedoch
nicht heissen will, dass nicht ein Körnchen Wahrheit in den folgenden
Erzählungen liegen könnte. Um die Geschichte, bzw. Entstehung dieses
wunderbaren Gewächses ranken sich viele Überlieferungen, Märchen
etc.
Die wohl bekannteste Geschichte über die Entdeckung des Kaffees handelt
von Ziegenhirten in Abessinien (dem heutigen Äthiopien).
Die Hirten beobachteten, dass manche ihrer Ziegen träge und behäbig
waren, während andere vergnügt umhersprangen und nicht einmal nachts
zur Ruhe kommen wollten. Dies verwunderte und machte sie misstrauisch zugleich,
in ihrer Ratlosigkeit wandten sie sich an ein nahe gelegenes Kloster. Sie erhofften
von den Mönchen Rat zu erhalten, welche auch einwilligten und kurz danach
auf den Weidegebieten zugegen waren, um die Tiere zu beobachten. Dabei bemerkten
sie, dass die Ziegen mit grossem Wohlgefallen an roten, kirschähnlichen
Früchten eines Strauches mit weissen Blüten knabberten. Interessiert
von diesen bisher unscheinbaren Früchten kosteten sie selbst davon, wurden
jedoch von ihrem bitteren Geschmack in ihren Erwartungen enttäuscht, dass
es sich um eine schmackhafte Beere handeln könnte. Sie warfen das ungeniessbare
Ziegenfutter darauf hin achtlos ins Feuer, doch zu ihrer grössten Verwunderung
begann sich ein köstlicher Geschmack im innern der Feuerstelle zu entwickeln.
Dieser stammte von den verbrennenden Früchten, darüber bestand keinerlei
Zweifel. Neugierig bereiteten die Geistlichen daraus einen Aufguss, in welchen
sie die gerösteten Früchte beigaben. Erstaunt über die wach
haltende Wirkung priesen sie den Kaffee als Geschenk der Götter, da er
vor allem bei ihren nächtlichen Gebeten den Schlaf und die Müdigkeit
fern hielt.
Eine weitere Legende berichtet über das Schicksal des jungen Derwisches
Omar. Dieser hatte die Stadt Mocha (uns bekannt als Mocca) durch seinen festen
Glauben und mit zahlreichen Gebeten der Pest entledigt. Als er sich als wohlwollende
Belohnung im Namen des Königs jedoch die Hand seiner Tochter aussuchte,
fiel er im Königshaus in Ungnaden und wurde alsbald in die Wüste
verbannt für seine frevelhafte Bitte. Dort erschien ihm eines Nachts eine
geisterhafte Erscheinung, welche ihn zu einem Strauch führte und ihn anwies,
die Samen aus den Früchten zu lösen sie zu rösten und in Wasser
aufzuweichen. Doch die Konsistenz der Samen hatte sich keineswegs verändert.
Einzig das Wasser, in welchem sie die ganze Nacht gelegen hatten, hatte anscheinend
seine Farbe verändert, die schwarze Flüssigkeit schimmerte in der
hellen Sonne. Enttäuscht und wütend zugleich wollte der junge Mann
das unappetitliche Gebräu wegschütten, doch wurde ihm bei der aufsteigenden
Sonne und der garstigen Hitze sein grosser Durst bewusst. Dem Verdursten nahe
stürzte er die Flüssigkeit hinunter und es ging nicht lange, da war
sein Verstand wieder klar und er fühlte wie sein Geist von frischem belebt
war. Frohen Mutes kehrte der Verbannte wieder nach Mocha zurück um die
Menschen dort ebenfalls von diesem wundersamen Trank zu erzählen, bzw.
kosten zu lassen. Durch diese Entdeckung wurde Omar vom König begnadigt.
Ob sich jedoch seine Bitte um die Hand der Königstochter erfüllt
hatte, ist leider nicht überliefert.
Natürlich existieren noch unzählige andere Geschichten, Myhten und
Erzählungen über dieses wundersame Gewächs. Doch es würde
den Rahmen sprengen, alle hier aufzählen zu wollen. Doch diese zwei oben
aufgeführten Erzählungen gehören sicher zu den Bekannteren,
welche in Büchern oder im Internet kursieren.
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